Anzeige

Namibia Lektionen in der Wüste

Großes Drama: Sonnenuntergang über der Dünenlandschaft bei Gobabeb. Foto: Betz
Großes Drama: Sonnenuntergang über der Dünenlandschaft bei Gobabeb. Foto: Betz

Angenehmes mit Nützlichem verbinden: Valentin Betz berichtet über seine Arbeit in Namibia.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Plötzlich höre ich ein lautes Zischen, bevor ein Blitz unter markerschütterndem Lärm ganz in der Nähe des Hauses den Boden erreicht. Kurz darauf fängt es an zu regnen. Für eine ganze Weile kehrt der Regen nun tagtäglich in heftigen Schauern zurück, es gießt wie aus Eimern. Regenzeit in Namibia.

Hätte mir bei der Landung im September vergangenen Jahres jemand erzählt, die trockene, vermeintlich lebensfeindliche Landschaft, die sich unter dem Flugzeug ausbreitete, würde einmal komplett grün sein, ich hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Noch immer ist es kaum fassbar, wie eine Landschaft binnen kürzester Zeit zum Leben erwacht.

Doch gerade diese Wandlungsfähigkeit macht das Land, in dem ich seit September mit dem Programm "Weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) meinen Freiwilligendienst absolviere, so einzigartig. Nach langem Bewerbungsverfahren wurde ich von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Namibias Hauptstadt Windhoek entsandt. Dort unterstütze ich die Nichtregierungsorganisation Eduventures. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen mit benachteiligtem sozialen Hintergrund die Möglichkeit zu geben, an wissenschaftlichen Expeditionen teilzunehmen. Hand in Hand mit renommierten Forschern erheben sie dabei Daten über die Artenvielfalt Namibias. Doch über die wissenschaftlichen Erkenntnisse hinaus können sie dabei noch viel mehr mitnehmen. Ohne Gruppenzusammenhalt, Ausdauer, Unbestechlichkeit, Sparsamkeit und Neugier sind die zweiwöchigen Touren in entlegene, unberührte Regionen kaum umsetzbar.

Die Kombination aus Education (Erziehung) und Adventure (Abenteuer) macht dieses Programm so besonders. Die Teilnehmer sollen für die Zukunft die erlernten Eigenschaften zu ihren Gunsten nutzen, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Nicht zuletzt sollen sie verinnerlichen: Die Schönheit und Vielfalt der namibischen Natur ist einzigartig und daher in besonderem Maße schützens- und erhaltenswert.

Zu den Aufgaben eines Freiwilligen für eine kleine NGO gehört dabei nicht nur Öffentlichkeitsarbeit und das Sortieren der auf Feldausflügen gesammelten Spezies. Den wichtigsten Teil macht die Beschaffung von Geld für die kostspieligen Expeditionen aus. Da wir von den Kindern und Jugendlichen zwischen 14 uns 17 Jahren keine Bezahlung verlangen und selbst komplett auf ehrenamtlicher Basis arbeiten, ist die Finanzierung ein kontinuierlicher, zeitaufwendiger Kraftakt.

Doch die Mühe lohnt sich: Bei Wochenendausflügen und einer Reise in den Norden Namibias wurde auch mir bewusst, was für ein wunderschönes Land es ist. Bei einem Abstecher in die Küstenstadt Swakopmund traute ich meinen Augen nicht. Direkt nebeneinander erstrecken sich zwei Meere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: auf der einen Seite der Atlantische Ozean, der gegen das Dünenmeer der Namib-Wüste auf der anderen Seite brandet. Einmal eine dieser Dünen erklommen, bekommt man eine Vorstellung davon, wie es ist, die Nadel im Heuhaufen zu sein. Ringsherum nur Sand. An der Grenze dieses extremen Lebensraums dann eine florierende, dicht bevölkerte Stadt.

Gegensätze spielen in einem so großen Land wie Namibia generell eine wichtige Rolle. Auf der Landkarte nur wenige Zentimeter von der Namib-Wüste entfernt, reicht im äußersten Nordosten der Caprivi-Streifen bis in die Subtropen hinein. Dort führen die Flüsse das ganze Jahr über Wasser, die Vegetation ist üppig und dicht. Am Straßenrand begegnete ich auf der Durchfahrt gleich mehrere Male Elefanten.

Auch kulturell hat sich Namibia seine Einzigartigkeit bewahrt. Aufgrund der vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist auf den Straßen stets ein bunter Mix aus Englisch, Afrikaans, Oshivambo und vielen anderen Sprachen zu vernehmen – auch Deutsch.

Unsere Empfehlung für Sie