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Namibia Wandern mit den Waranen

Wenn’s neben dem Fluss nicht weitergeht, dann halt mitten hindurch: Tourführer Manilow (vorn Mitte) durchquert mit seiner Wandergruppe den Fischfluss. Foto: Peter-Michael Petsch
Wenn’s neben dem Fluss nicht weitergeht, dann halt mitten hindurch: Tourführer Manilow (vorn Mitte) durchquert mit seiner Wandergruppe den Fischfluss. Foto: Peter-Michael Petsch

Warum es sich lohnt, den Reisebus zu verlassen und Namibia zu Fuß zu erkunden.

„Môre! Môre!“ Es ist früh, als der Weckruf kommt – sogar für namibische Verhältnisse. In einem Land, in dem der Tag im Winter gegen 16.30 Uhr zu Ende ist, bekommt das Leben seinen eigenen Rhythmus. Was getan werden muss, wird im Hellen erledigt. Außerhalb der Hauptstadt Windhuk ist die Dunkelheit reserviert für Essen, gekühlte Getränke und das Bett. Nur ausgemachte Nachtschwärmer sind nach 22 Uhr noch wach. Der neue Tag beginnt bei Sonnenaufgang.

Als um halb vier Uhr morgens der Weckruf von Wanderführer Manilow kommt, ist von der Sonne allerdings noch nichts zu sehen. Es ist kalt, und die Zeit drängt. Der Fishriver-Canyon wartet.
Die 160 Kilometer lange Schlucht gilt als größter Canyon Afrikas und – nach dem Grand Canyon in den USA – als zweitgrößter der Welt. Bis zu 500 Meter hoch türmen sich links und rechts die Gesteinsschichten, durch die sich der Fischfluss in Millionen von Jahren seinen Weg gebahnt und sie in eine bizarre Felslandschaft verwandelt hat. Das ist nichts für Asphaltbummler.

Mal versperren rote Sandsteinfelsen den Weg und erfordern vom Wanderer Klettergeschick. Mal macht sich der Fischfluss so breit, dass es nur mit einigen beherzten Sprüngen über glatt gewaschene Felsbrocken weitergeht. Mal führt der Weg über schmale ZebraPfade hinauf zum Kamm des Canyons – auf der einen Seite schroffe Felsen, auf der anderen nichts als der atemberaubende Blick hinab in die Schlucht. Sechs, sieben Stunden so zu wandern ist anstrengend – vor allem bei 30Grad. Aber es ist keinen Moment langweilig. Und wer kein Problem damit hat, mit Waranen zu schwimmen, findet während der Mittagspause Abkühlung im Fischfluss.

Allein sollte man sich nicht in dieses Abenteuer begeben. Immer wieder versuchen Touristen, den Canyon auf eigene Faust zu erkunden, und finden nie wieder den Weg hinaus. „Viele Menschen, die hier verloren gehen, werden niemals gefunden“, sagt Manfred Goldbeck, Geschäftsführer des größten privaten Touristik-Unternehmens Namibias, Gondwana. Seine Wanderführer begleiten jedes Jahr 150 Gäste in die Schlucht – auf Routen, die sonst niemand betritt. Rund um den Canyon hat Gondwana knapp 1300 Quadratkilometer ehemaliges Farmland aufgekauft und zum Naturschutzgebiet erklärt.

Vor ein paar Jahren haben hier noch Schafherden die karge Vegetation abgegrast. Hier und da erinnert ein Stück rostiger Zaun an diese Zeit. Ansonsten hat sich die Natur ihrem Urzustand angenähert. Zahlreiche Wildtiere sind zurückgekehrt: Bergzebras, Oryx-Antilopen, Kudus, eine Nashornfamilie. Die Wanderer werden begleitet von den Rufen der am Himmel kreisenden Fischadler und der Paviane, die den Eindringlingen von den Felsen aus ihre Verwünschungen hinterherschreien.

Auch die Wanderführer greifen auf Altbewährtes zurück: Maultiere waren in Namibia einst geschätzte Arbeitstiere, weil sie genügsam und belastbar sind. Als die motorisierten Alternativen kamen, gerieten sie in Vergessenheit. Goldbeck hat sie wiederentdeckt – als Wanderbegleiter, die den Teilnehmern seiner Touren das Leben erleichtern.
Die Tiere schleppen Campingausrüstung, Proviant und persönliches Gepäck, die Wanderer nur das, was sie den Tag über brauchen. Das macht die Touren auch für fitte 70-Jährige interessant. Und ein wenig Luxus darf in der schroffen Umgebung sein.

Auch in den Camps: Duschen und Toiletten sind an sich mehr Komfort, als man mitten im Nirgendwo erwartet. Diese bieten auch noch einen unvergesslichen Ausblick – zumindest bis die Sonne untergeht. Nach dem Essen bleibt dann noch genug Zeit, bei gekühlten Getränken über die vielen Sterne am afrikanischen Nachthimmel zu staunen. Aber selbst ausgemachte Nachtschwärmer kriechen bald in ihre Betten. Der neue Tag beginnt bei Sonnenaufgang.

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