Napoleon in Cannstatt Historischer Fastnetsschmuck zeigt Krieg und Frieden
Spätestens wenn die Küblerfasnet beim Rathaussturm am Schmotzigen Donnerstag auf ihren Höhepunkt zustrebt, lohnt ein Blick auf die Wandbilder am historischen Rathaus.
Spätestens wenn die Küblerfasnet beim Rathaussturm am Schmotzigen Donnerstag auf ihren Höhepunkt zustrebt, lohnt ein Blick auf die Wandbilder am historischen Rathaus.
Sechs Wappenschilder und zwei große Gemälde zieren zur Fasnet das historische Rathaus in Bad Cannstatt. Sie wurden vom Kunstmaler, Küblerrat und Gründungsmitglied, Hermann Metzger (1896 – 1971) geschaffen. Eberhard Köngeter vom Maibaumverein hat die Hintergründe dazu erforscht. Und dabei einige bemerkenswerte Aspekte ans Licht gebracht.
Im Großgemälde „Zu Kanstatt an der Brukken“ werden kriegerisch-leidvolle Zeiten und im Bild „Kur- und Taxenpost von 1825“ friedlich-schöne Momente der Kur- und Bäderstadt gezeigt. Die Gemälde wurden vermutlich vor oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen, sagt Köngeter. Er ist 1949 in Cannstatt geboren, die Wandgobelins haben ihn schon als Kind beeindruckt. Der Ehrenoberkübler Robert Kauderer datiert die Entstehungszeit der Wandbilder auch auf die Jahre zwischen 1949 und 1953. Kauderer weiß, dass sie 1953 das erste Mal am historischen Rathaus hingen.
Im Gemälde „Zu Kanstatt an der Brukken“ erinnert Metzger an den Kampf um die Neckarbrücke am 21. Juli 1796. Das Datum steht auch auf dem Bild. Zu sehen sind Zimmerleute, die die Cannstatter Brücke zerstören, damit die Franzosen nicht in die Stadt gelangen können. Geschützt werden sie von Soldaten der kaiserlich-österreichischen Armee. Ein Verweis auf die kriegerische Auseinandersetzung an der Neckarbrücke, der Wilhelmsbrücke, in der Zeit der Napoleonischen Expansionskriege der Jahre 1796 bis 1811. Dieses Ereignis fand auch Niederschlag in einem Gedicht von Friedrich Theodor Vischer: „Zu Kannstatt an der Brucken, da war das Schießen groß, als aufeinander stießen Östreicher und Franzos.“
Laut Köngeter zeige das Wandbild nicht nur ein militärisches Einzelgefecht zweier verfeindeter europäischer Großmächte, sondern es symbolisiere auch den ideologischen Kampf zweier sich zu der Zeit fundamental unterscheidenden politischen Weltanschauungen: Auf der einen Seite das revolutionäre, republikanische Frankreich, auf der anderen Seite das von Adel und Kirche gestützte feudale kaiserlich-habsburgische Österreich. Somit finde sich in dem Wandbild ein Stück europäischer Weltordnungs-, Kriegs- und Politikgeschichte wieder, sagt Köngeter. Das damalige Württemberg mit Cannstatt sei den europäischen Großmächten macht- und schutzlos ausgeliefert und im Kampf zwischen den Großmächten Frankreich und Österreich zerrieben worden.
Nicht nur die napoleonischen Kriege hätten Cannstatt damals gebeutelt, auch eine Hungersnot 1816 und eine große Neckar-Überschwemmung im Mai 1817.
Das zweite Wandbild von Hermann Metzger erinnert an das Jahr 1825: Es zeigt die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit Cannstatts mit einer idyllischen Szene aus der mondänen Cannstatter Kur- und Bäderzeit des 19. Jahrhunderts. Zu sehen ist eine von vier weißen Schimmeln gezogene Postkutsche mit zwei vornehmen Kurgästen in Begleitung eines Windhundes. „Der Künstler wollte die Kur- und Taxenpost darstellen, ein Gefährt der Thurn- und Taxischen Reichspost abbilden.“ Cannstatt lag an der damals wichtigen Post- und Reichsstraße von Mailand über Augsburg und Worms nach Brüssel. In einem Post- und Kursbuch aus dem Jahr 1563 fand Köngeter, dass Cannstatt seinerzeit Poststation und Glied der europäischen Postkutschenmagistrale Gent – Antwerpen – Augsburg – Innsbruck war und von Innsbruck aus über Salzburg nach Wien oder über den Brenner nach Verona, Mailand, Venedig, Rom. In Cannstatt wurde damals gerne gekurt. Wie beliebt das Kuren war, beschrieb 1823 der Cannstatter Badearzt Dr. Salomo Tritschler: „Am Brunnen reicht die Zahl der Curgäste an manchen Morgen an die tausend, und Cannstatt ist zugleich Unterhaltungsort geworden“.