Narrenschelle für Kretschmann "Den Umgang mit Narren bin ich gewohnt"

Von SIR/dpa 

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt sich sicher auf der närrischen Bühne. Er erhält die „Goldene Narrenschelle“. CDU-Kontrahent Guido Wolf macht sich seinen Reim - und attackiert.

Jetzt kann er schellen - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne, rechts) bekommt die Narrenschelle überreicht. Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) hielt die Laudatio. Foto: dpa 15 Bilder
Jetzt kann er schellen - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne, rechts) bekommt die Narrenschelle überreicht. Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) hielt die Laudatio. Foto: dpa

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt sich sicher auf der närrischen Bühne. Er erhält die „Goldene Narrenschelle“. CDU-Kontrahent Guido Wolf macht sich seinen Reim - und attackiert.

Rust - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die „Goldene Narrenschelle“ der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) erhalten. „Den Umgang mit Narren bin ich gewohnt. Nicht nur in der fünften Jahreszeit, sondern auch sonst im Jahr“, sagte er bei der Preisverleihung am Mittwochabend im Europapark Rust bei Freiburg. Die Laudatio hielt Landtagspräsident Guido Wolf (CDU), dem möglichen CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2016. Mit ihm musste sich Kretschmann ein Rededuell liefern. Die Narrenschelle wird jährlich an einen Prominenten vergeben, Kretschmann ist ihr achter Träger.

„Es ist wirklich kaum zu fassen, mir die Schelle zu verpassen“, sagte Kretschmann. Sie werde ihm aber in der Politik nutzen. „Denn wenn sie nicht parieren, dann kann ich ihnen schellen, den grünen und roten Gesellen. Und auch dem schwarzen Hauk, wenn er wieder macht Klamauk.“ Politisch mied der grüne Ministerpräsident die Konfrontation mit Wolf. Aber: „Seine Dichtkunst, das könnt Ihr mir glauben, fängt schon an, den Schlaf mir zu rauben.“

Bis zur Landtagswahl sei es noch zwei Jahre Zeit, parteipolitischer Streit sei daher zum Beginn der närrischen Zeit nicht sein Ding. Kretschmann will 2016 wiedergewählt werden.

Wolf reimt politische Spitzen

Wolf hingegen nutzte die närrische Bühne für Spitzen gegen den Ministerpräsidenten. Kretschmann, der das Heimwerken liebe, solle das Regieren besser sein lassen und sich seinem Hobby widmen. „Er hat alle Zeit verloren, zum Hämmern, Schleifen und auch Bohren“, reimte Wolf, der die Narrenschelle vor zwei Jahren erhalten hatte. „Sein Amt, das ist der große Jammer, entfernt ihn immer mehr vom Hammer.“

Seine Forderung an den Ministerpräsidenten, auch MP genannt, dichtete Wolf in Mundart. „Mein Wunsch für den MP isch heit: Hör auf mit Regieren und nimm dir mehr Zeit.“ Und weiter: „Nimm lieber die Bohrmaschine in die Hend: Des rät der Landtagspräsident!“ Für seine „Politik des Gehörtwerdens“ brauche Kretschmann Ohren, die Wolf ihm in Plastikform überreichte. „Dann steht nicht nur Dein Bürstenschnitt, dann sind auch Deine Ohren fit.“

Kretschmann hatte sich am Dienstag noch bei der Regierungs-Pressekonferenz wegen einer Magen-Darm-Erkrankung von seinem Vize Nils Schmid (SPD) vertreten lassen. Auch am Mittwoch fühlte er sich nach eigener Auskunft nicht richtig fit. Sein Narren-Marathon geht noch weiter. Am „Schmotzigen Dunschtig“ (27. Februar) steht er am Bodensee als Angeklagter vor dem Stockacher Narrengericht.

Neben Kretschmann und Wolf haben unter anderem schon EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU), Schlagersänger Tony Marshall und Fernsehmoderator Frank Elstner eine „Narrenschelle“ erhalten. Im vergangenen Jahr ging sie nach dessen Schwaben-Schelte an den SPD-Politiker Wolfgang Thierse.