Narrenspektakel im Heckengäu Ausnahmezustand in Dachtel: 5000 Narren feiern Huzler Hexa – Bilder vom Umzug

, aktualisiert am 19.01.2026 - 09:39 Uhr
Weitere Impressionen vom Umzug. Foto: Stefanie Schlecht

Kettenklirren, Konfettiregen, Hexenpuppen: Erstmals luden die Dachtler Huzler Hexa zum Narrenumzug. Ein kleines Dorf im Ausnahmezustand, mit 5.000 Gästen

Ketten klirren, Hexenpuppen baumeln am Kran, mächtig breite Traktorenreifen bahnen sich den Weg, Rauch steigt auf, Zottelige gehen um. Dachtel ist ein Teilort von Aidlingen, sehr klein und überschaubar, im Heckengäu gelegen. 1380 Menschen leben dort, gezählt zuletzt im Jahr 2022. Am Samstag müssen sie sich verloren vorkommen.

 

Zum ersten Mal haben die Dachtler Huzler Hexa zum Narrenumzug eingeladen. Das kleine Dorf streckt jeden Verkehrsarm dicht besetzt mit parkenden Autos bis in die Nachbarortschaften aus. Die Umzugsstrecke verläuft rund 600 Meter weit von der Dachtler Bergstraße hinaus zum Bürgerhaus. An fünf Stationen entlang der kurzen Strecke wird das Narrenvolk mit Nahrung und Getränken versorgt. An der dritten Station steht Zunftmeister Arne Lang auf ebener Erde, in Augenhöhe mit dem bunten Heer der Unvernunft und seinen Verehrern. „Es geht den Buckel nuff“, ruft er den Saadmännern aus Rohrau zu. „Bloß et nach hinta kuppa!“ Und, zur Motivation der grandiosen Truppe: dreimal „Saad-Mah“, der Schlechtruf der Rohrauer.

500 Narren haben in Dachtel gefeiert. Foto: Stefanie Schlecht

Dachtler Huzler Hexa: Wegen Corona gab es noch keinen Umzug

Die Dachtler Huzler Hexa gründeten sich 2011 und besitzen etwa 110 Mitglieder. Einmal zuvor schon wollten sie zum Umzug laden, anlässlich ihres 10. Jubiläums. Corona verhinderte es. Nun holen sie den Umzug nach, zum ersten Mal, und feiern also ihr 15. Jubiläum. Um 13 Uhr schon trafen sich die Meister aller teilnehmenden Zünfte, bei Speis und Trank – ein sehr zufriedenstellendes Erlebnis, wie Arne Lang versichert. Flüssig ging es über in den Beginn des Umzuges. 35 Gruppen, dies weiß der Zunftmeister genau, sind gekommen, rund 1500 Hästräger bedeutet das. Die Zahl der Zuschauer kann Arne Lang nur schätzen – gut 5000, sagt er, könnten es sein. Die Zahl jener, die da schleichen, trompeten, mit Konfetti werfen, mit den Ketten klirren oder einfach nur zusehen und jubeln entspricht dem Fünffachen der Einwohner des Ortes. Der Tag wird enden mit einem großen Fest in Bürgerhaus und Zelt, mit Tänzen und Guggenmusik, die jeden Hauch von Müdigkeit davon weht.

Die Rohrauer Saadmänner ziehen vorbei, geführt von Mia und vier Freundinnen, die das Schild der Zunft vorantragen. „Super ist es hier!“, sagt Mia. Auch die Gäu-Hexa und Wächter aus Gäufelden sind vorbei. Nun kommen die Narrenfreunde Heckenbeerlesgäu aus Ostelsheim, innige Freunde der Dachtler Narren: „Manchmal“, ruft Arne Lang ins Mikrofon, „ist auch schon das eine oder andere Kind entstanden, aus dieser Verbindung heraus.“

Kinder, welchen Ursprung auch immer, sind viele dabei beim Dachtler Umzug. Manche stehen, ebenfalls verkleidet, am Wegesrand, gucken erstaunt aufs bunte Treiben und lassen sich von Eltern aufklären: „Es sind immer Menschen, die unter den Masken stecken!“ Andere tragen selber Masken, gehen mit an den Händen größerer Narren oder Närrinnen. Eine von ihnen kommt aus Ottenbronn und führt zwei junge Narren die Straße entlang, einen in Zivil, einen in Dämonenhäs. Sie gehören zum Schwarzwälder Mutesheer. Eine junge Sindelfinger Närrin – eigentlich eine Brunnensau – will ihren Namen nicht nennen, ist erst seit zwei Jahren dabei und strahlt durch eine getönte Brille.

Die Wasserbuggl Hexa und Deifl aus Böblingen rollen mit einem hölzernen Wagen die Straße entlang

Die Gäuhexen schleifen einen riesenhaften Hexenbesen hinter sich her. Die Wasserbuggl Hexa und Deifl aus Böblingen rollen mit einem hölzernen Wagen die Straße entlang. Qualm folgt ihnen. Blau Weiss Sindelfingen schickt einen Schwarm schöner junger Frauen, die alle Zöpfe tragen, Pelzränder an ihren blauen Hüten, die lächelnd in geraden Linien gehen und in die Hände klatschen, während die Guggenkapelle, die hinter ihnen rumpelt, eine eigene Version von „The Sloop John B.“ spielt.

Besucher des Dachtler Umzuges sind wohl beraten auf der Hut zu sein. Nicht alle Narren, die da gehen, sind harmlos. Manche reiben ihre Opfer mit Konfetti ein, manche stehlen ihnen die Schnürsenkel. Andere packen die Opfer auch und reiben ihnen Stroh auf den Kopf. Dann gibt es welche, die vor allem Mädchen greifen, die sich das gerne gefallen lassen. Die Opfer kommen in den Narrenwagen zum Konfettibad. Sichtbar sind dann bald nur noch Arme und Beine.

Bei den Beerteverkökler aus Bondorf dafür gibt es ein kleines Vesper. Aber gleich sind wieder welche da, die weniger gemütlich gesinnt sind. Die nächsten Narren tragen Schweineblasen mit sich, gefüllt mit Wasser, gebunden an lange Stöcke. Sie schlagen mit den Blasen auf den Boden, dass es nur so knallt. Und sie sind noch nicht das Ende des Zuges. Da kommen noch einige. Langsam wird es Abend. Es bleibt trocken, aber Kälte zieht auf. Irgendwann wird auch die „Luschdige Bruat“ aus Göttelfingen im Bürgerhaus sitzen, die letzte Zunft im Zug. Dann ist kein Zittern mehr, dann wird getanzt und gefeiert.

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