Im Tal der Frohen, wie das Nassachtal auch heißt, ist die Freude groß. Der Landesverkehrsminister hat sich persönlich um die Sanierung der Straße gekümmert.
Uhingen - Seien wir ehrlich: die Zeitungen berichten seit zig Jahren über den Ausbau der Nassenbachtalstraße. Ein wichtiger Ausbau, der aber vertagt wurde, weil er nicht finanzierbar war. In all diesen Jahren wurde kaum erwähnt, dass dort nach offiziellen Zählungen nur knapp 1400 Fahrzeuge pro Tag verkehren. Man muss lange suchen, bis man ähnlich autofreie Landesstraßen findet.
Selbst die einem Feldweg ähnelnde Verbindung von Ottenbach auf den Rechberg benutzen mehr Autofahrer. Und die Nassachtalstraße rangiert nur knapp vor dem Sträßlein von Wiesensteig auf den Bläsiberg oder den Strecken von Nellingen im Kreis Esslingen Richtung Schäringen/Oppingen oder von Gaxhardt nach Mönchsroth irgendwo an der bayrischen Grenze. Und dennoch hat gestern der Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) das Nassachtal, das auch Tal der Frohen genannt wird, besucht.
Baustellenbesuch ist Premiere
Es war eine doppelte Premiere. Immerhin tauchte nach Regierungspräsidenten und Abgeordneten nun erstmals auch ein Minister an der Straße auf, deren Ausbau seit 40 Jahren von sämtlichen Politikern aus dem Kreis angemahnt wird. Der Minister kam auch nicht wie sonst üblich anlässlich eines Spatenstichs oder einer Verkehrsfreigabe: Winfried Hermann besuchte einfach nur die Baustelle.
Der seit Mitte Mai laufende Ausbau der Straße und die Sanierung des 2,2 Kilometer langen Streckenabschnitts Baiereck– Nassachmühle ist ein Pilotprojekt. Wie an einigen anderen Straßenbaustellen im Land auch wird dort in einem neuen Verfahren der marode Straßenbelag geschreddert, an Ort und Stelle mit Wasser, Zement und Bitumen vermischt und als Untergrund wieder eingebaut. Ein 40 Meter langes Dreigespann aus zwei Tanklastwagen und einem Straßenfertiger erledigt davon rund 800 Meter pro Tag. Unter dem ohrenbetäubenden Lärm der Maschinen machte sich der grüne Minister von dem Straßenrecycling, das zudem kostengünstig ist, selbst ein Bild.
Recycling spart eine Million Euro
Es mache ihm keinen Spaß, den Leuten immer sagen zu müssen, dass sie zwar recht hätten, aber das Geld für einen Ausbau fehle, erklärte Winfried Hermann dem Nassacher Ortsvorsteher Achim Klump und Eberhard Hottenroth, dem Vorkämpfer der Bürgerinitiative für den Ausbau der Nassachtalstraße. Deshalb habe er die Maxime ausgegeben, wenn kein Neubau, dann ein Ausbau, und wenn kein Ausbau, dann ist eine Sanierung zu prüfen. So kostet der Bauabschnitt Mitte der Nassachtalstraße nach derzeitigen Planungen voraussichtlich nur rund 500 000 Euro statt 1,5 Millionen Euro. Durch das neue Verfahren spart man sich überdies das aufwendige Entsorgen der teerhaltigen alten Straßendecke.
Wein für den Minister
Für so viel Einsatz gab es von der Bürgerinitiative dann auch mächtig Lob für den Minister. Drei Flaschen Wein hatte Eberhard Hottenroth als Präsent dabei, allerdings nicht ohne Hintergedanken. Der Riesling sei für den bereits erfolgten Ausbau der Straße von Baiereck nach Schlichten, das ist der Bauabschnitt Nord der Nassachtalstraße. Die zweite Flasche dürfe sich Hermann für den Bauabschnitt Mitte bis zum Nassachmühle munden lassen. Dieser Abschnitt soll Ende der Sommerferien fertig gestellt sein. Die dritte jedoch, den Trollinger-Lemberger, den müsse er sich noch aufsparen. „Den gibt es dafür, dass hoffentlich bald auch der Bauabschnitt Süd von Nassachmühle bis zum Filstal in Angriff genommen wird“, sagte Hottenroth. Denn aller guten Dinge im Tal der Frohen seien nicht drei, sondern Nord, Mitte und Süd. Auch erwähnt sei, dass die verkehrsarme Landesstraße im Nassachtal durchaus ihre Berechtigung hat. Ohne sie kommt man nur über Feld- und Waldwege oder weite Umwege auf schmalen Nebenstrecken von Uhingen nach Baiereck.