Nationalist führt bosnische Serben Höchste Zeit, dass sich die EU aufrafft

Die Präsidenten wechseln, die Gesinnung bleibt: Sinisa Karan (links) folgt auf Milorad Dodik (rechts) als Präsident der Serben-Republik in Bosnien-Herzegowina. Foto: Radivoje Pavicic/AP/dpa

Ein Nationalist gewinnt die Präsidentschaftswahl in der bosnischen Serbenrepublik. Warum das ein Weckruf für die EU ist, kommentiert Chefredakteur Christoph Reisinger.

Alles bleibt beim schlechten Alten. Mit Sinisa Karan hat erneut ein Ultranationalist eine Präsidentschaftswahl im serbischen Teil Bosnien-Herzegowinas gewonnen. Ein enger Gefolgsmann seines Vorgängers Milorad Dodik. Dieser, ein Putin-Verherrlicher, hat wegen seiner Abspaltungsagenda zu Recht sechs Jahre Amtsverbot.

 

Was die alten Kräfte stärkt

Was eine Menge darüber sagt, womit sich die EU auf dem Westbalkan herumschlägt. Weil speziell in der bosnischen Serbenrepublik ähnlich wie in Serbien – aber beileibe nicht nur dort – die üblen Kräfte und der Nationalismus immer noch stark sind, die in den Zerfallskriegen Jugoslawiens eine große Rolle gespielt haben, kommt die Annäherung an Europa kaum vom Fleck. Und weil sie stagniert, fehlen vielen Menschen auf dem Westbalkan die wirtschaftliche wie die politische Perspektive.

Daher gleicht das Wahlergebnis – mit 35 Prozent Beteiligung erzielt, was für eine Resignation! – einem Weckruf für die EU. Erst recht in einer Phase, in der US-Präsident Donald Trump aus persönlichen Geschäftsinteressen die alten Kräfte hofiert und China ähnlich handelt.

Alle Macht den falschen Freunden?

So wenig populär eine Erweiterung in der EU gerade sein mag: Der Zeitpunkt, ganz Südosteuropa einzubinden, ist jetzt. Mit einer schnellen, harten, aber lohnenden Beitrittsagenda. Alles andere hilft nur den Dodiks und Karans – und ihren falschen Freunden in Peking, Moskau, Washington.

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