Nationalmannschaft Der DFB-Elf fehlt es auf zu vielen Positionen an Qualität

Enttäuschung nach dem Schlusspfiff: die deutschen Nationalspieler Joshua Kimmich, Robin Koch und Maximilian Mittelstädt (von links). In der Bildergalerie sehen Sie weitere Eindrücke der Partie gegen Frankreich. Foto: Federico Gambarini/dpa

Beim Final Four bleibt dem Gastgeber nur der vierte Platz. Und die Niederlage gegen Frankreich verdeutlicht die Defizite der DFB-Elf, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Der Gang in die Kabine ist den deutschen Nationalspielern schwergefallen. Denn nichts ist es geworden mit dem Titelchen bei der Nations League – und auch nichts mit dem Spielchen um Platz drei. Am Ende stand in Stuttgart eine 0:2-Niederlage gegen Frankreich und Rang vier beim Final Four. Und wie schon zuvor im verlorenen Halbfinale gegen Portugal hat sich gezeigt, dass es in der Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann auf zu vielen Positionen Qualitätsunterschiede zu den Topnationen gibt. Das macht den Unterschied auf dem Rasenrechteck aus – und schließlich zwischen Lust und Frust oder Titelchance und Enttäuschung.

 

Der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bleibt nun nach zwei Begegnungen, die das Selbstvertrauen stärken und das Selbstverständnis ausbauen sollten, vor allem die Erkenntnis, dass es in dieser Konstellation nicht reicht gegen die besten des Kontinents. Trotz der teilweise guten Leistung gegen den Vizeweltmeister. Aber auch gegen die Équipe Tricolore um Kylian Mbappé wurde – wie gegen Cristiano Ronaldo und Co. zuvor – ein wichtiger Faktor im Spiel der DFB-Elf vermisst, diesmal war es die Effizienz im Abschluss zuvor die nötige Energie.

Doch um auf Spitzenniveau erfolgreich zu sein, braucht es in den entscheidenden Situationen zudem mehr Technik und mehr Tempo, ebenso mehr Konsequenz und Kaltschnäuzigkeit. Weshalb sich der Verdacht aufdrängt, dass die Nationalmannschaft diese Fähigkeiten nur in Bestbesetzung zu bieten hat. Ohne Jamal Musiala, Kai Havertz und Antonio Rüdiger fehlten bei der Mini-EM jedoch international bewährte Ausnahmekönner. Sie sind durch den zweiten Anzug nicht zu ersetzen. Da zwickt es an zu vielen Stellen.

Julian Nagelsmann braucht einen neuen Arbeitsansatz

Auch Angelo Stiller, der aufgrund einer Verletzung für die Nationenliga abgesagt hat, kann in die erste Reihe aufgenommen werden. Der Stuttgarter verfügt jetzt schon über das spielerische Vermögen, das Nationalteam mit seiner Passsicherheit zu bereichern – und über das Potenzial, sich zu verbessern, um dem deutschen Spiel dauerhaft Struktur zu geben.

Nagelsmann ist zwar nach wie vor davon überzeugt, genügend gute Akteure im Kader zu haben. Für die WM-Qualifikation gegen die Slowakei, Nordirland und Luxemburg dürfte das stimmen, der Maßstab wird jedoch das Endturnier im kommenden Jahr in Nordamerika sein. Und auf dem Weg dorthin braucht der Bundestrainer einen neuen Arbeitsansatz. Bisher wollte der 37-Jährige dem Europameister aus Spanien sowie dem Weltmeister aus Argentinien nacheifern. Beide Nationen erspielten sich bereits vor den großen Turniere die Selbstverständlichkeit des Siegens und setzen ihre Erfolgsserien dann fort. Das ist für die Deutschen mit dem ernüchternden Ende der Nations League passé. Das DFB-Team muss jetzt aus den Mühen des Qualifikationsalltags neue Stärke gewinnen.

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