Nationalpark Nordschwarzwald Baden-Baden bietet 420 Hektar Stadtwald an

  Foto: dpa 15 Bilder
  Foto: dpa

Ungeachtet der Proteste der Bürgerbefragung vom Sonntag herrscht zum Thema Nationalpark Nordschwarzwald im Gemeinderat in Baden-Baden hohe Zustimmung.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Baden-Baden - Überraschend deutlich hat der Gemeinderat der Stadt Baden-Baden am Montagabend dem Vorschlag von Rathauschef Wolfgang Gerstner (CDU) zugestimmt, einen Teil des Stadtwaldes der Kurstadt für einen geplanten Nationalpark zur Verfügung zu stellen – selbst einige FDP-Stadträte hatten zugestimmt.

„Der Gemeinderat unterstützt die Einrichtung eines Nationalparks im Nordschwarzwald“, hieß es in dem zu der Sitzung vorgelegten Beschlussvorschlag. Etwa 420 Hektar Stadtwald will die Kommune demzufolge entlang der Schwarzwaldhochstraße (B 500) für Naturschutzzwecke zur Verfügung stellen. Die Flächen erstrecken sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum traditionsreichen Schlosshotel Bühler Höhe auf der östlichen Seite der B 500 in einer Nord-Süd-Ausdehnung von etwa vier Kilometern.

Vor Schnellschüssen wurde gewarnt

Mit 26 Ja-Stimmen, bei drei Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen aus den Lagern von CDU und Freie Wähler hatten am Schluss offenbar auch mehrere FDP-Stadträte dem Vorhaben zugestimmt: obwohl der frühere FDP-Fraktionsvorsitzende, der Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt zuvor noch „vor Schnellschüssen“ gewarnt hatte. Der FDP-Stadtrat Michael Bauer wird in lokalen Medien mit den Worten zitiert, die Forstleute in Baden-Baden seien ihrer Zeit immer voraus gewesen. Deshalb entstehe im Höhengebiet schon jetzt ein renaturierter Urwald. „Ich bin ein klarer Befürworter des Nationalparks“, ließ der CDU-Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner kurz vor der Abstimmung wissen. Die Verwaltung wurde vom Gemeinderat mit diesem Beschluss nun beauftragt, „in Verhandlungen mit dem Land einzutreten“.

Bei dem Gemeinderatsbeschluss überwogen offenbar vor allem naturschutzfachliche Aspekte. Es wurde mehrfach angesprochen, dass mit diesen 420 Hektar „ein Lückenschluss“ mit dem Gebiet „Hoher Ochsenkopf“ möglich erscheine, das etwas weiter südlich liegt und Teil der offiziellen Suchräume des Landes ist. Benötigt würden dazu noch kleinere Flächen des Stadtwaldes Bühl, sowie des Staatswaldes auf Gemarkung Forbach. Offenbar gebe es, so ließ ein Sprecher des Rathauses wissen, im Falle von Bühl „erste positive Signale“.

Das Projekt Nationalpark ist mehrheitsfähig

Aus Sicht der Stadt Baden-Baden biete eine Fläche im Bereich Ruhestein und Hoher Ochsenkopf entlang der zentralen Erschließungsachse der Schwarzwaldhochstraße die besten Voraussetzungen „für eine große zusammenhängende Fläche für die Entwicklung der Flora und Fauna eines Nationalparks“.

Der Naturschutzbund Nabu sieht durch die Entscheidung in der Auffassung bestätigt, „dass das Projekt Nationalpark durchaus mehrheitsfähig ist – selbst in betroffenen Regionen“. In Baden-Baden lebten mit 55 000 Einwohnern fast so viele Menschen wie in den Gemeinden, die an der Bürgerbefragung zum Nationalpark teilgenommen haben, sagte Nabu-Landeschef Andre Baumann.

Unsere Empfehlung für Sie