Nationalpark Nordschwarzwald Der Nationalpark nimmt Gestalt an

  Foto: dpa 9 Bilder
  Foto: dpa

Fünf von sieben Protest-Gemeinden sind für den Nationalpark Nordschwarzwald nicht mehr vorgesehen. Damit habe man Bedenken ernst genommen, sagt Agrarminister Bonde. In einer Karte zeigen wir, wo der neue Nationalpark liegen soll.

Landespolitik: Renate Allgöwer (ral)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Der Nationalpark Nordschwarzwald kann auf zwei Gebieten entstehen: Dem knapp 7500 Hektar großen Gelände Ruhestein bei Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) und auf 2145 Hektar rund um den Hohen Ochsenkopf (Kreise Rastatt und Baden-Baden). Diese beiden Flächen hat der baden-württembergische Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) am Dienstag dem Kabinett vorgeschlagen. Das letzte Wort spricht der Landtag voraussichtlich im Herbst.

Mit seinem Vorschlag sei Bonde auf die Bedenken der betroffenen Gemeinden eingegangen, sagte der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Großer Protest war aus Baiersbronn gekommen. Die Gemeinde ist nach wie vor stark von dem Nationalpark betroffen. Nach dem Vorschlag der Regierung liegen 6500 Hektar des auf 10 000 Hektar (zehn mal zehn Kilometer) geplanten Nationalparks auf Baiersbronner Gemarkung. Bei vorausgegangenen Planungen war die Gemarkung Baiersbronn sogar mit 7866 Hektar dabei. Bei dem Gelände handelt es sich jedoch um Staatswald. Jetzt hat das Agrarministerium das Gebiet weiter in die Höhe gelegt. Zwei Drittel der geplanten Fläche liegen laut Bonde über 800 Meter hoch, ein Drittel über 900 Meter.

(StZ-Grafik: tkk)

Kaltenbronn wurde fallengelassen

Von den sieben Gemeinden, die Mitte Mai bei örtlichen Meinungsumfragen gegen die Einrichtung eines Nationalparks gestimmt hatten, sind nur noch zwei im Planungsgebiet: Baiersbronn und Forbach (Kreis Rastatt). Der Hohe Ochsenkopf mit seiner Fläche von 2145 Hektar liegt fast vollständig auf Gemarkung Forbach. Das Gelände um den Hohen Ochsenkopf kann an seinem westlichen Rand um 560 Hektar nach Norden erweitert werden. Die Stadt Baden-Baden hat 430 Hektar Stadtwald angeboten, Bühl 130 Hektar. In Bühl steht ein Gemeinderatsbeschluss noch aus. Ohne die Staatswälder auf den Gemarkungen Baiersbronn und Forbach wäre sinnvoller Naturschutz nicht möglich gewesen, sagte Bonde.

Nicht mehr betroffen sind die Gemeinden Bad Herrenalb, Bad Wildbad, Enzklösterle, Seewald und Freudenstadt, die ebenfalls gegen den Nationalpark gestimmt hatten. Das gesamte Planungsgebiet Kaltenbronn wurde fallen gelassen.

Geändert wurde auch der Verlauf der 130,51 Kilometer langen Grenze. Nur 2,9 Prozent davon tangiert Privatwälder. Waldeigentümer hatten große Bedenken wegen möglicher Schäden durch Borkenkäfer angemeldet. Auch andere Sorgen habe man ernst genommen, erklärte Kretschmann. Im Nationalpark soll ein Großteil des Waldes sich selbst überlassen werden. Totholz sei kein schöner Anblick hatten Kritiker eingewendet.

„Wenn die Leute nicht wollen, müssen sie nicht hingehen“

Engagiert legte Kretschmann dar, er teile die Bedenken „in keiner Weise“. Man sei aber mit den Planungen so weit in die Höhe gerückt, dass der Nationalpark von den Ortschaften aus gar nicht zu sehen sei. „Wenn die Leute nicht wollen, müssen sie nicht hingehen, und bleiben von dem Anblick verschont.“ Bonde wie Kretschmann betonten, mit der Einrichtung eines Nationalparks sei die grün-rote Koalition im Land ganz auf der Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Beide Grünen-Politiker verwiesen auf die schwarzgelbe Bundesregierung, die anstrebe, dass sich bis zum Jahr 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder frei entwickeln können. Der Park im Nordschwarzwald läge weit unter diesem Ziel. Er würde 0,7 Prozent der Waldfläche des Landes (drei Prozent des Staatswalds) umfassen.

Größer soll das Gelände nicht werden. Schon gibt es Angebote aus anderen Gemeinden, „die Regierung ist gesprächsbereit“, sagte Bonde. Er ergänzte jedoch: „Die Frage nach einer Erweiterung stellt sich nicht“, auch wenn die Regierung das Fünf-Prozent Ziel der Kanzlerin nicht erreiche. Das Gebiet sei angepasst an die Region und die Holzwirtschaft. Ausschlaggebend für den Vorschlag waren laut Bonde naturschutzfachliche Gründe. Das Gebiet sei großräumig, unzerschnitten und ein Großteil stehe schon heute als Naturschutzgebiet, Bannwald oder Schonwald unter Schutz.

Kretschmann betonte: „Der Nationalpark ist ein wichtiges Strukturprogramm für die ganze Region.“ Der Nordschwarzwald habe „einen Impuls durchaus nötig“. Mit Blick auf die Kosten sagte der Regierungschef: „Das kann sich das Land leisten.“ Weder er noch Bonde machten dazu konkrete Angaben. In dem von der Regierung in Auftrag gegebenen Gutachten war von Kosten von 700 000 bis 1,1 Millionen Euro im Jahr die Rede gewesen. Auch 59 zusätzliche Stellen sollen dem Vernehmen nach dem Kabinett vorgeschlagen werden, vor allem für den pädagogischen und den wissenschaftlichen Bereich und für die Lenkung der Besucher. „Es ist eine Investition nicht nur in die Natur sondern auch in die Region“, erläuterte Kretschmann. Es sei klar, „dass das Optimum, nicht das Maximum angestrebt wird“.

Die Naturschutzverbände begrüßen den Vorschlag

Während die mitregierende SPD von einem sehr guten Kompromiss sprach, kritisieren CDU und FDP, die Bürgervoten seien „nur vordergründig berücksichtigt“. Zwar seien nur zwei der sieben protestierenden Gemeinden betroffen, diese würden aber 85 Prozent der Fläche des möglichen Parks ausmachen. Die CDU findet es „völlig unverständlich“, dass die Kosten weiter unklar bleiben. Auch die FDP verlangt eine konkrete Kostenkalkulation für den Naturpark.

Die Naturschutzverbände begrüßen den Vorschlag erwartungsgemäß. doch müsse eine spätere eventuelle Erweiterung möglich bleiben, fordert der BUND. Der Nabu sagt, die ausgewählten Flächen seien aus naturschutzfachlicher Sicht die wertvollsten. Während die CDU mahnt, das Projekt brauche Zeit, drängt Greenpeace auf zügige Umsetzung der Pläne.

Unsere Empfehlung für Sie