Nationalpark Nordschwarzwald Kompromiss aus Bad Wildbad

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Kurz vor der Bürgerbefragung zum Nationalpark kommt der Bürgermeister von Bad Wildbad, Klaus Mack, den Gegnern entgegen. Er legt einen Kompromissvorschlag vor – und will damit auch den Kreis Freudenstadt und den Ortenaukreis besänftigen.

Bürgermeister und Landräte  kämpfen darum, mit ihren Gebieten Teil des Nationalparks zu werden. Foto: StZ 10 Bilder
Bürgermeister und Landräte kämpfen darum, mit ihren Gebieten Teil des Nationalparks zu werden. Foto: StZ

Bad Wildbad - Die Aufgeregtheit ist groß im Nordschwarzwald. „Der Nationalpark kommt auf jeden Fall“, sagt Klaus Mack, der Bürgermeister von Bad Wildbad. Das ist, spätestens nach der Veröffentlichung des Gutachtens der Landesregierung, auch allen anderen Verantwortlichen in der Region klar. Bürgermeister und Landräte kämpfen jetzt darum, mit ihren Gebieten Teil des Nationalparks zu werden.

Jetzt hat sich der Wildbader Bürgermeister Mack hingesetzt und

eigenhändig einen Vorschlag für ein Nationalparkgebiet gezeichnet. Damit will er den vehementen Gegnern des Parks entgegen kommen, aber auch eine jüngst entstandene Konkurrenzsituation zwischen dem Kreis Calw (wo das Gebiet am Kaltenbronn im Gespräch ist) und dem Kreis Freudenstadt und dem Ortenaukreis (mit dem Gebiet Ruhestein, Wilder See) befrieden.

Mack: Nationalpark mit Kaltenbronn und Ruhestein

Der Nationalpark solle sowohl das nördliche Gebiet Kaltenbronn als auch den südlich gelegenen Ruhestein umfassen. Beide Räume seien aus naturschutzfachlichen Gründen höchst geeignet, touristisch interessant und könnten auch am meisten profitieren, sagt Mack. Diese „logische Erkenntnis“ lege das Gutachten nahe. Die Grenzen am Kaltenbronn könnten, so der Plan des Bürgermeisters, von den Widerstandsnestern im Wildbader Stadtteil Sprollenhaus und Enzklösterle abrücken. Für den Ruhestein habe er diese nur „schematisch“ dargestellt, sie genau zu ziehen, sei Aufgabe seines Baiersbronner Kollegen.

Ausscheiden als Nationalpark würde dann jedoch das in der Mitte gelegene, kleinste Gebiet rund um den Hohen Ochsenkopf. Hierfür aber macht sich die Stadt Baden-Baden stark. Die Stadt will 420 Hektar Kommunalwald einbringen – im Bereich der Badener Höhe zwischen dem Luchs- und dem Wildnispfad.

Bonde macht Vorschlag zum Nationalpark erst Ende Juni

In den nächsten Wochen werden wohl weitere Allianzen geschmiedet, und weitere Gebietsvorschläge kommen. Laut den internationalen Vorgaben darf ein Nationalpark höchstens aus zwei Teilgebieten bestehen und muss mindestens 10 000 Hektar groß sein. Der jetzige Suchraum umfasst aber drei nicht zusammen hängende Gebiete mit insgesamt 17 000 Hektar. Einen konkreten Gebietsvorschlag, so der Auftrag des Kabinetts, soll der Naturschutzminister Alexander Bonde (Grüne) bis Ende Juni vorlegen, ebenso die Strukturen für eine Nationalpark-Verwaltung sowie den Rahmen für einen Gesetzentwurf.

Die Aufgeregtheit bei einigen Verantwortlichen hat noch einen weiteren Hintergrund: Sieben von 19 Kommunen führen eine Bürgerbefragung durch, zu einem völlig verfrühten Zeitpunkt, wie inzwischen einige Bürgermeister bedauern. Sie wollen das Verfahren aber nicht stoppen. Am Samstag sollen die Abstimmungsbögen per Post verschickt, am Sonntag, 12. Mai, von 18 Uhr an die Stimmen in den jeweiligen Rathäusern ausgezählt werden. Rechtlich bindend sind diese Stimmungsbilder nicht. Der Landtag entscheidet, ob per Gesetz ein Nationalpark eingerichtet wird. Darauf wird in einem Anschreiben hingewiesen.

Meinungsumfrage bereitet Sorge: Was wollen die Bürger?

Vor allem der Wildbader Bürgermeister Mack und sein Kollege in Baiersbronn, Michael Ruf, stecken in der Zwickmühle. Beide haben sich aufgrund des Gutachtens klar für einen Nationalpark ausgesprochen – und beide haben aber auch deutlich gemacht, dass sie sich an das Ergebnis der Meinungsumfrage in ihren Gemeinden halten werden. Ihre große Sorge ist, dass ein negatives Meinungsbild die Landesregierung dazu bewegen könnte, die entsprechende Gemeinde von einem Nationalpark auszuschließen.

Ihre Sorge ist nicht unbegründet. In beiden Kommunen gibt es eine starke, organisierte Gegnerschaft des Nationalparks. In beiden Gemeinden hatte schon früh die CDU den Widerstand geschürt, anfangs wohl auch reflexhaft als politische Reaktion auf die verlorene Landtagswahl. Mit Mühe nur ist dem Baiersbronner Bürgermeister damals gelungen, den Gemeinderat von einem abschlägigen Votum abzubringen und darauf zu verpflichten, das Gutachten abzuwarten. Eine Entscheidung sollte auf eine sachliche Grundlage gestellt werden. Diese liegt nun vor. Und den meisten Politikern dürfte klar sein, dass ein Nationalpark eine einmalige Chance für den ländlichen Raum bieten könnte.

Überzeugt vom Mehrwert eines Nationalparks

Der touristische Mehrwert jedenfalls hat viele Verantwortliche von dem Projekt überzeugt, hängen doch daran nicht nur das Hotel- und Gastgewerbe – ein bedeutender Wirtschaftszweig in der Region – sondern auch viele andere Betriebe wie Bäcker, Metzger, Handwerker, Fuhrunternehmer. Kaum jemand bestreitet auch, dass der Tourismus im Nordschwarzwald einen Impuls braucht, um den Abwärtstrend zu stoppen. Die Initiative des Wildbader Bürgermeisters Klaus Mack zeigt, dass er offensiv mit der Herausforderung umgehen will. Ob es auf diese Weise gelingt, die Gegner zu überzeugen, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen.