ExklusivNationalpark Schwarzwald Wildtiergehege als neue Besucherattraktion

Das Interesse am Nationalpark Schwarzwald ist groß, Führungen sind gut besucht. Bald können die Besucher auch Wildpferde und Auerhühner beobachten. Im Mai wird ein Förderverein gegründet, der ein Wildtiergehege mit Sponsorenhilfe aufbauen will.

Der scheue Auerhahn soll   sich im Tiergehege an der Alexanderschanze Besucher präsentieren. Foto: picture alliance 20 Bilder
Der scheue Auerhahn soll sich im Tiergehege an der Alexanderschanze Besucher präsentieren. Foto: picture alliance

Ruhestein/Seebach - Die Vision wird Wirklichkeit: Am Rande des Nationalparks Schwarzwald soll ein Wildtiergehege als neue Besucherattraktion entstehen. „Am 20. Mai wird der Förderverein Wildtiergehege Alexanderschanze gegründet“, sagte Claus Schmiedel, SPD-Fraktionschef im Landtag der StZ auf Anfrage. Mit von der Partie seien Landräte und Bürgermeister, Gastronomen, Hoteliers, Touristiker und der Naturschutzbund Nabu.

Als Vorsitzender sei der Freudenstädter Oberbürgermeister Julian Osswald im Gespräch, er selbst wolle sich ebenfalls einbringen und als Vize kandidieren. Finanziert werden soll das Tiergehege über Mitgliedsbeiträge und Sponsoren. „Ich hoffe auf die Schwarzwälder Wirtschaft“, sagt der SPD-Politiker. Mit dem Nationalpark, dem Tiergehege und dem entstehenden Biosphärengebiet am Feldberg erhalte die „international bekannte Marke Black Forest“ weltweit weitere Strahlkraft.

Auf dieser Sitzung werde zudem der Projektmanager vorgestellt, der von Juni an das Konzept für das Tiererlebnisprojekt in enger Abstimmung mit der Nationalparkverwaltung erarbeiten soll, erläuterte Schmiedel gegenüber der StZ. Der junge Mann hat sein Studium der Tiermedizin mit Schwerpunkt Wildtiere abgeschlossen und ist laut Schmiedel deshalb „hervorragend geeignet“.

Wildpferde oder Auerhühner schon ab 2016 zu sehen

Er werde seinen Arbeitsplatz bei der Nationalparkverwaltung haben und das Konzept im Rahmen eines zweijährigen berufsbegleitenden Masterstudiengangs an der Steinbeis-Hochschule in Berlin erstellen. Bereits zum Sommer nächsten Jahres sollen Besucher die ersten Tiere beobachten können, Wildpferde möglicherweise oder Auerhühner. Wichtig sei, dass möglichst rasch den Besuchern des Nationalparks eine Attraktion geboten werde, sagt Schmiedel. Deshalb solle das Konzept in Etappen verwirklicht werden.

Im Nationalpark selbst müssen die Besucher sich noch eine Weile gedulden – der Neubau des Info- und Besucherzentrums am Ruhestein, eine spektakuläre Holzkonstruktion mit Brücke und Aussichtsturm wird wohl erst Ende 2018 fertig sein, Baubeginn ist nächstes Jahr. Das Interesse der Besucher sei dennoch riesengroß, sagt Thomas Waldenspuhl, einer der beiden Nationalparkdirektoren. Die Ausstellung im den Räumen des früheren Naturschutzzentrums habe sich im ersten Jahr des Nationalparks (2014) mit 26 000 Besuchern mehr als verdoppelt. Und auch das deutlich umfangreichere Veranstaltungsprogramm werde stark nachgefragt, die Führungen der nächsten beiden Monate seien bereits ausgebucht, freut sich Waldenspuhl. Immerhin: Zwei Ranger-Stationen – eine in einem alten Kloster nahe der Wasserfälle in Allerheiligen und eine im Tonbachtal – sollen noch 2015 fertig gestellt werden.

Wanderwege- und Verkehrskonzept haben Vorrang

Mit Hochdruck werde derzeit an einem Wegekonzept gearbeitet, das Ende 2016 fertig sein soll. Hierbei werde es einen breiten Beteiligungsprozess geben, sagt Waldenspuhl, wohl wissend, dass dies auf „größtes Interesse“ der Bevölkerung treffen werde. Das bestätigt auch der Baiersbronner Bürgermeister Michael Ruf. Dort war der Protest gegen den Nationalpark sehr massiv gewesen. Entsprechend kritisch werde die Nationalparkverwaltung beobachtet, ob Zusagen und Versprechen eingehalten werden. Im Winter jedenfalls habe es viel Lob gegeben über die Loipen, deren Pflege erstmals der Nationalpark übernommen hatte.

Auch das Verkehrskonzept habe große Priorität, sagt der Nationalparkratsvorsitzende und Freudenstädter Landrat Klaus Michael Rückert. In der jüngsten Sitzung des Rats am Donnerstag habe das Verkehrsministerium die Bestandsaufnahme aller Wege, Straßen, Parkplätze und Nahverkehrsverbindungen als Vorstudie für das Verkehrskonzept vorgestellt. Dafür müssen mehrere Verkehrsverbünde aus drei Landkreisen koordiniert werden. Laut Gesetz müsste das Konzept Ende 2018 vorliege, doch diese Frist solle nicht ausgereizt werden. Als erste Maßnahme werde es demnächst ein Faltblatt mit den Busverbindungen zum Ruhestein geben.

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