Nationalparkrat nimmt Arbeit auf Aufbruchstimmung am Ruhestein

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Der Freudenstädter Landrat Klaus Michael Rückert ist einstimmig zum ersten Vorsitzenden des Nationalparkrats gewählt worden. Rückert will die Menschen in der Region für den Nationalpark begeistern.

Blick vom Schliffkopf bei Baiersbronn in das Gebiet des Nationalparks Nordschwarzwald. Foto: dpa
Blick vom Schliffkopf bei Baiersbronn in das Gebiet des Nationalparks Nordschwarzwald. Foto: dpa

Seebach - Der Nationalparkrat hat die Arbeit aufgenommen. Auf seiner ersten Sitzung im Naturschutzzentrum Ruhestein haben die zwölf regionalen Vertreter einstimmig den Freudenstädter Landrat Klaus Michael Rückert (CDU) zum Vorsitzenden gewählt. Immerhin liegen zwei Drittel der Nationalparkfläche im Kreis Freudenstadt. Die zwölf Vertreter der Landesverwaltung kürten den für den Forstbereich zuständigen Nationalpark-Leiter Thomas Waldenspuhl (CDU) zu seinem Stellvertreter. Damit hat ausgerechnet die Union das Sagen im Nationalparkrat, obwohl die CDU-Landtagsfraktion das Naturschutzprojekt bis zuletzt bekämpft und gar ein eigenes, als „Bonsai-Park“ verspottetes Gegenkonzept entwickelt hatte.

„Die Aufgabe ist nicht einfach“, gesteht der neue Rats-Vorsitzende Rückert ein. Der Nationalpark stößt immer noch auf große Vorbehalte vor Ort, und auch der Freudenstädter Kreistag hatte nach einer turbulenten Sitzung als einziger Landkreis das Projekt im Gesetzgebungsverfahren abgelehnt. Der Landrat selbst war von Anfang an vom Nationalpark überzeugt und auf Debatten dafür ausgepfiffen und geschmäht worden. Rückert ist dennoch zuversichtlich, dass nun mit Offenheit, Transparenz und guter Arbeit die Menschen überzeugt werden könnten. „Das Gesetz ist da, mach das Beste daraus“ – diese Aufforderung habe er vielfach gehört. „Mein großes Ziel ist es, dass der Nationalpark eine Erfolgsgeschichte wird“, erklärte der auf fünf Jahre gewählte Vorsitzende. Wenn die Menschen von „unserem Nationalpark“ sprechen, sei die Verankerung in der Region gelungen, so Rückert.

Nationalpark-Rat bundesweit einmalig

Die Regierung jedenfalls habe ihren Beitrag zur Mitsprache der Region geleistet, sagte der für Naturschutz zuständige Minister Alexander Bonde (Grüne). Der paritätisch besetzte Nationalparkrat unter regionalem Vorsitz sei ein bundesweit einmaliges Beteiligungsgremium. Die Region habe damit weiterhin breite Mitbestimmung bei allen wichtigen Angelegenheiten des Nationalparks. Zudem werde ein Nationalpark-Beirat mit 32 Vertretern von Verbänden und Institutionen aus Forst, Naturschutz, Tourismus, Sport, Landwirtschaft und Forschung als Beratungsgremium etabliert.

„Den Nationalpark gibt es erst seit 23 Tagen“, sagt der zweite, fürs Besucherprogramm und erlebnispädagogische Konzepte zuständige Nationalpark-Leiter Wolfgang Schlund und bittet um Geduld. Das große Interesse am Nationalpark, etwa auf der Tourismusmesse CMT in Stuttgart, habe überrascht, die Mitarbeiter jedoch auch beflügelt. Waldarbeiter, Ranger, Forstleute seien mit großer Begeisterung in den Schulungen dabei. Im Februar bereits will Schlund ein rund 200 Punkte umfassendes Programm, insbesondere auch für Schulenklassen, vorlegen.

Derzeit werden die Ausschreibungen für das weitere Personal vorbereitet. Auch hier sei das Interesse riesig. Es lägen bereits mehr als hundert Initiativbewerbungen vor, berichtete Schlund. Die rund 40-köpfige Mannschaft sowie die beiden Leitungsposten waren von anderen Behörden an die neue Nationalparkverwaltung abgestellt worden, wie es das Gesetz vorsieht.

CDU-Landtagsfraktion ist weiterhin skeptisch

Die CDU-Landtagsfraktion ist dennoch noch nicht überzeugt von der Sache. Es gebe „weiterhin keine konkrete Vorstellung, wie der vor Ort nach wie vor nicht gewollte Nationalpark nun in möglichst positiver Weise mit Leben erfüllt“ werden solle, kritisierte der naturschutzpolitische Fraktionssprecher, Patrick Rapp. Die Union warte „mit Spannung“ auf Konzepte für Tourismus und Verkehr.

Diese Themen stehen auf der Agenda der nächsten Sitzungen, erklärte der Vorsitzende Klaus Michael Rückert. Er ist sicher, dass es bereits etliche Konzepte für touristische Attraktionen auch von privaten Investoren gebe. Und auch das Kabinett, sagte Minister Bonde, werde sich im Mai damit befassen, beispielsweise mit einem Besucherzentrum.

Einen kleinen Wermutstropfen bringt die Wahl für Landrat Rückert dennoch mit sich: Er wird den Vorsitz im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord abgeben müssen. Diesen Job habe er drei Jahre lang „mit Herz und Seele“ ausgeübt, wie er sagt. Er ist jedoch davon überzeugt, dass es getrennte Leitungen für beide Einrichtungen geben sollte, die gleichwohl sehr eng kooperieren müssten.

Der rund 10 000 Hektar große Nationalpark liegt mit seinem zwei Arealen rund um den Ruhestein und dem deutlich kleineren, nördlich gelegenen hohen Ochsenkopf inmitten des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Er ist mit rund 375 000 Hektar der größte Naturpark Deutschlands.