Nationalspieler des VfB Stuttgart Diese Summe muss der VfB auf dem Transfermarkt einnehmen

Orel Mangala, Konstantinos Mavropanos, Sasa Kalajdzic und Borna Sosa (von links) verkörpern das Tafelsilber beim VfB – im Sommer könnte der Club zwei bis drei dieser Spieler verlieren. In der Bildergalerie haben wir ihnen den kompletten Kader inklusive aktuellen Marktwerten und Vertragslaufzeiten zusammengestellt. Foto: Baumann

Borna Sosa, Orel Mangala, Sasa Kalajdzic und Konstantinos Mavropanos sind beim VfB Stuttgart zu Nationalspielern gereift. Doch im Sommer droht ihr Abgang – weil der Club dringend Einnahmen braucht. Es ist auch klar, in welcher Höhe.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Orel Mangala ist wieder da. In Stuttgart, im Alltag, auf dem Trainingsgelände. Zurückgekehrt vom Ziel seiner Träume – der belgischen Fußball-Nationalmannschaft. Auf zwei Länderspieleinsätze bringt es der Mittelfeldspieler nun im Trikot der Roten Teufel. Gut, es sind nur 27 Minuten verteilt auf zwei Einwechslungen, aber Mangala ist nun ein anderer Spieler – mit neuem Selbstwertgefühl und steigendem Preis. Damit vervollständigt er ein Quartett der besonderen Art beim VfB Stuttgart: Die Profis sind beim Bundesligisten zu Nationalspielern gereift, noch immer 24 Jahre jung und auf dem Transfermarkt extrem begehrt.

 

Neben Mangala sind Borna Sosa (Kroatien), Sasa Kalajdzic (Österreich) und Konstantinos Mavropanos (Griechenland) gefragt. „Pellegrino Matarazzo und sein Trainerteam haben einen großen Anteil daran, dass sie auf dieses Leistungsniveau gekommen sind. Sie haben zudem von der gesamten Gruppe und unserer Spielphilosophie profitiert“, sagt der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat, „am Ende sind es aber vor allem die Spieler selbst, auf die es bei einer solch positiven Entwicklung ankommt.“

Borna Sosa soll so viel einbringen wie der Verkauf von Nicolas Gonzalez

Momentan rast Sosa in einer Form den linken Flügel entlang, dass sich selbst die größten Optimisten an der Mercedesstraße 109 in Bad Cannstatt kaum vorstellen können, den Außenverteidiger über den Sommer im Trikot mit dem Brustring zu sehen. Trotz eines Vertrages bis 2025. Denn zu viele Spitzenvereine suchen gerade auf dieser Position einen Spezialisten, der häufig und präzise flankt. Zudem hat sich Sosas Defensivverhalten verbessert. Sein Paket an Fähigkeiten ist jetzt vollständig – und teuer, da Mislintat das Arbeitspapier des Kroaten vorzeitig verlängert hat, um im Verkaufsfall eine gute Verhandlungsposition einzunehmen.

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Ein unmoralisches Angebot hat den VfB aber noch nicht erreicht. Dennoch könnte sich die nächste Transferperiode rein monetär auszahlen. Sosa dürfte nicht weniger einbringen als der Argentinier Nicolas Gonzalez (AC Florenz) im vergangenen Sommer: 23,5 Millionen Euro. In einer ähnlichen Ablösekategorie wird Kalajdzic einsortiert, dessen Vertrag bis 2023 datiert ist. Gespräche über eine Verlängerung wurden jedoch ausgesetzt, um sich auf den Abstiegskampf zu fokussieren. Der Stürmer will mit seinen Toren zur Rettung des VfB beitragen und sich für ambitioniertere Arbeitgeber empfehlen.

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Die internationale Bühne lockt, aber ebenso das große Geld. Beides bietet die Premier League, die Sehnsuchtsliga der VfB-Nationalspieler. Sosa wird immer wieder mit englischen Clubs in Verbindung gebracht, Kalajdzic ist den Avancen nicht abgeneigt, Mangala liebäugelt damit, und Mavropanos würde bei einer Rückkehr auf die Insel gerne beweisen, dass er dort mit seinem Astralkörper bestehen kann. Noch heißt der Stammverein des ausgeliehenen Verteidigers FC Arsenal, wenngleich feststeht, dass der VfB von der Kaufverpflichtung bei Klassenverbleib (Kaufoption bei Abstieg) Gebrauch macht.

Drei Millionen Euro kostet Mavropanos, wenn der VfB erstklassig bleibt. Ein Szenario sieht dann vor, dass der Grieche eine dritte Saison bei den Stuttgartern absolviert, ehe Kasse gemacht wird. Ein anderes, dass er sofort weiterverkauft wird (Marktwert liegt bei 17 Millionen Euro laut transfermarkt.de). Denn der Traditionsverein von 1893 ist ein Verkäuferverein und muss sich dem Gebot des Stärkeren unterwerfen, wie die meisten Bundesligisten. „Am liebsten wäre es mir, wenn wir unsere jetzige Gruppe über die aktuelle Saison hinaus halten könnten, damit die Mannschaft weiter wachsen und sich stabilisieren kann. Ob das realistisch ist, werden wir im Sommer sehen“, sagt Mislintat.

Hat der VfB schon Ersatzkandidaten im Blick?

Wohl kaum. Die finanzielle Not ist durch die Pandemie und den damit verbundenen Umsatzverlust von mehr als 80 Millionen Euro groß. Knapp 30 Millionen Euro netto an Transferüberschuss soll der Sportchef deshalb erzielen, wofür er kräftig Geld einnehmen muss. Denn eine Vorgabe lautet: erst Spieler verkaufen, ehe neue verpflichtet werden. Dadurch droht, drei Topspieler zu verlieren – und damit viel sportliche Substanz.

Das erinnert an einen alten VfB, der schon häufig Spitzenkräfte abgab. Pavard, Werner, Gomez, Khedira, Kobel – alle im Luxussegment verkauft. Passenden Ersatz gab es nicht immer. Doch zuletzt hat Mislintat einen neuen Kader im unteren Preissegment gebaut, der den einstigen Fehler im System beheben soll. Die Nachfolger der potenziellen Abgänge sind schon da, während sie früher erst noch lange gesucht werden mussten.

Hiroki Ito und Clinton Mola als mögliche Sosa-Erben, Nikolas Nartey oder Naouirou Ahamada als Alternativen für Mangala, Tiago Tomas als Ersatz für Kalajdzic, in der Hinterhand die jungen Mohamed Sankoh und Thomas Kastanaras für den Angriff. Rein quantitativ greift das schwäbische Geschäftsmodell, qualitativ noch nicht. Dafür hat sich Mangala (Vertrag bis 2024) während der Dienstreise nach Belgien schon mal selbst ins Schaufenster gestellt und ein Preisschild umgehängt: 20 Millionen Euro.

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