Nationalspieler von Manchester United Warum Marcus Rashford England und Jürgen Klopp begeistert

Von Marco Seliger 

Englands Nationalspieler Marcus Rashford begeistert mit seinem Engagement für bedürftige Schüler ein ganzes Land – und lässt Premier Boris Johnson als Buhmann dastehen.

Auffällig auf dem Platz – und außerhalb: Stürmer Marcus Rashford (links) Foto: dpa/Phil Noble
Auffällig auf dem Platz – und außerhalb: Stürmer Marcus Rashford (links) Foto: dpa/Phil Noble

Stuttgart/Manchester - Wenn der Trainer des FC Liverpool einen Spieler des ewigen Rivalen Manchester United lobt, dann will er ihn entweder verpflichten. Oder es muss Besonderes passiert sein – und das ist es, ohne jede Übertreibung. Er kenne Marcus Rashford nicht persönlich, aber er sei dennoch stolz auf den Jungen, sagte Liverpools Coach Jürgen Klopp also über den United-Angreifer. Und weiter: „Ich weiß nicht, ob ich passendere Worte finden kann als deutlich klügere Menschen, aber was Marcus ins Rollen gebracht hat, ist absolut unglaublich. Es ist so gut.“

Marcus Rashford ist 22 Jahre alt, er ist nach einigen starken Auftritten zuletzt so etwas wie der Mann der Stunde bei Manchester United vor dem zweiten Gruppenspiel der Champions League an diesem Mittwoch gegen RB Leipzig (21 Uhr). All das meinte Klopp aber nicht bei seiner Lobeshymne. Denn Rashford ist auch neben dem Platz in den Fokus gerückt – wo er mit seiner eigenen Form des Pressings Druck macht: Druck auf die Regierung. Denn Rashford kämpft für die ärmsten Kinder Englands, die in einer ähnlichen Situation sind, wie er es damals war als junger Bursche. Rashford kämpft gegen den Hunger. Den er selbst gut kennt.

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Der heutige Nationalspieler Englands wuchs in Manchesters Stadtteil Wythen­shawe in ärmlichen Verhältnissen auf. Es gab Tage, da wusste seine alleinerziehende Mutter trotz Vollzeitjob nicht, wie sie für ihre fünf Kinder etwas zu essen auf den Tisch bringen sollte. Seine Mutter habe früher oft in einem Laden eingekauft, in dem alle Artikel weniger als ein Pfund kosteten, verriet Rashford kürzlich: „Da haben wir für eine Woche sieben Joghurts bekommen und konnten jeden Tag einen essen.“

Rashford war einst auf kostenfreie Schulmahlzeiten angewiesen. Als junger Mann hat er diese Zeit nicht vergessen. Weshalb er heute um genau dieses kostenlose Essen kämpft.

Im Vereinigten Königreich sollte „kein Kind hungrig ins Bett gehen“, sagt Rashford, denn es sei „nie die Schuld der Kinder“, keinen Zugang zum Essen zu haben. Rashford hat das Thema ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Königin Elizabeth II. ernannte ihn für seinen Einsatz bereits zum Member of the British Em­pire, was für Rashford selbst nur noch mehr Ansporn war für seine Mission – die schon zu großen Erfolgen führte.

Appell mit Wirkung

In einem leidenschaftlichen Appell wandte sich Rashford vor ein paar Monaten an die britische Regierung, die mit Beginn der Sommerferien die Verteilung von Essensgutscheinen für Schüler aus bedürftigen Familien einstellen wollte. Der offene Brief des Nationalspielers zeigte Erfolg. Er wurde hunderttausendfach im Netz geteilt, die Wut der Briten zwang den Premier Boris Johnson zurückzurudern. Rund 1,3 Millionen bedürftige Schüler erhielten so auch zu Ferienzeiten weiter wie gewohnt das Geld für die Mahlzeiten.

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Nun aber ging der Streit ums kostenlose Essen in eine zweite Runde. Denn kürzlich stimmten die regierenden Konservativen im Parlament gegen kostenfreie Schulmahlzeiten für bedürftige Kinder während der Herbst- und Winterferien. Man habe, das war der Tenor aus Regierungskreisen, schon genügend Gelder verteilt, die die Essensgutscheine überflüssig machten.

Rashford war entsetzt – und reagierte. Er startete die Petition #ENDCHILDFOODPOVERTY, die inzwischen von mehr als 950 000 Menschen unterstützt wird. Im Minutentakt teilte und retweetete er im Netz Angebote, wann und wo kostenlose Mahlzeiten angeboten werden. Über die sozialen Medien sandte Rashford obendrein eine Art Notruf aus und bat um Unterstützung. Und, was soll man sagen: Der Nationalspieler hatte Erfolg.

Klopps Meinung

Restaurants und Supermärkte, Cafés und Hilfsorganisationen, Unternehmen sowie Privatpersonen aus dem ganzen Land meldeten sich und sicherten Hilfe zu in Form von Essensausgaben und Gutscheinen. Taxifahrer wollten für die Beförderung sorgen. Schulleiter schlossen sich der Kampagne an. „Ich könnte nicht stolzer sein, britisch zu sein“, schrieb Rashford dazu: „Das ist das England, das ich kenne.“

Und Boris Johnson? Der steht als Buhmann da und betonte nun gegenüber der BBC kleinlaut, dass die Kampagne Rashfords „ausgezeichnet“ sei, und versprach, alles in seiner Macht Stehende zu tun, damit kein Kind an Hunger leiden müsse. Er verfolge allerdings einen anderen Weg als Rashford, sagte Johnson noch. Die Regierung ziehe es vor, bedürftige Familien am Wohnort über die lokalen Gemeinden zu unterstützen, die dafür Geld zur Verfügung gestellt bekämen.

Wie auch immer – Jürgen Klopp hat zu der Sache eine übergeordnete Meinung. Es sei „beschämend“, sagt der Trainer des FC Liverpool, dass „mit Marcus ein Junge aus einfachen Verhältnissen“ für die politisch Verantwortlichen handeln müsse.




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