Nationalteammanagerin Anja Althaus Die Frau für den besonderen Kick

Die frühere Weltklasse-Kreisläuferin Anja Althaus als Expertin beim Champions-League-Final-Four der Frauen vergangenen Juni in Budapest Foto: Imago//Marco Wolf

Manche nennen sie „crazy“, für andere ist sie eine „coole Socke“, alle beschreiben sie als fleißig und zuverlässig. Anja Althaus soll als Nationalmannschaftsmanagerin den deutschen Handball-Frauen schon bei der EM neue Impulse geben. Was zeichnet sie aus?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Für Dago Leukefeld ist Anja Althaus schlicht und ergreifend „ein Glücksgriff“ für den Deutschen Handballbund (DHB). Der ehemalige Bundestrainer hat die neue Managerin der Frauen-Nationalmannschaft schon in der Jugend-Nationalmannschaft trainiert, er feierte als Coach der DJK/MJC Trier mit Anja Althaus als Kreisläuferin die deutsche Meisterschaft 2003: „Anja ist im wahrsten Sinne des Wortes außergewöhnlich. Sie hat sich mit harter Arbeit hochgearbeitet.“

 

Äquivalent Benjamin Chatton

Das trifft auf Benjamin Chatton auch zu. Doch ihr in der Handballszene genauso hochgeschätztes Äquivalent auf der bei den Männern ebenfalls neu geschaffenen Stelle weist ein komplett anderes Profil auf. Im Gegensatz zum ehemaligen Amateurhandballer und Geschäftsführer des HBW Balingen-Weilstetten kann die 42-Jährige eine Weltklassekarriere als Spielerin und ganz viel internationale Erfahrung vorweisen. Sie absolvierte 243 Länderspiele für Deutschland, gewann drei Champions-League-Titel mit Viborg HK/Dänemark (2007, 2009) und Györi ETO KC/Ungarn (2018), zudem feierte sie nationale Meisterschaften mit ZRK Vardar/Nordmazedonien. Sie fungierte als Mediamanagerin der nordmazedonischen Männer-Nationalmannschaft, sie ist Botschafterin des europäischen Verbandes EHF.

„Ihre Erfahrungen in verschiedensten Rollen werden uns helfen. Wir kennen und schätzen uns seit Jahren. Sie ist zudem ein charismatischer Typ und wird mit ihrer begeisternden Art noch mehr Menschen für Frauenhandball faszinieren“, sagt DHB- Sport-Vorstand Ingo Meckes vor dem EM-Auftakt des deutschen Teams an diesem Freitag (20.30 Uhr/Innsbruck) gegen die Ukraine.

Die „Handball-Königin“

Auch Bundestrainer Markus Gaugisch freut sich über die Blutauffrischung in seinem Staff: „Anja Althaus lebt vor, was es für Handball auf Topniveau braucht. Dieses Vorbild in Verbindung mit ihrem organisatorischen Talent wird uns einen Push geben.“ Und was sagt die „Handball-Königin“, wie sie vom Magazin „Bock auf Handball“ bezeichnet wurde, selbst? „Diese Aufgabe ist eine riesige Ehre. Selbst in der Nationalmannschaft zu spielen war für mich immer das Größte. Jetzt wieder für Deutschland und unsere Nationalmannschaft arbeiten zu dürfen erfüllt mich mit Stolz und großer Freude.“

Diesen Stolz will sie weitergeben. Der fehlt ihr in Deutschland, gerade im Sport. Das hat sie bei ihren Stationen im Ausland festgestellt. Was sonst noch ihre Aufgaben sind? Im Prinzip alles, was Organisation, Planung und Kommunikation rund um das Team betrifft. Im Training will sie bei Aufwärmspielen gute Laune versprühen, auch für die Kummerkasten-Funktion für die Spielerinnen ist sich die 42-Jährige nicht zu schade.

Frech und mit Charisma

Für Dago Leukefeld ist sie die Idealbesetzung auf dieser Position: „Anja kann dieser Mannschaft das Besondere mitgeben, den entscheidenden Kick.“ Nicht nur wegen ihres Fachwissens. Nicht nur wegen ihrer riesigen Erfahrung. Sondern weil sie frech ist. Weil sie Charisma hat. Weil sie ein Typ ist. Weil sie einfach anders ist. Sie hat zwei Ausbildungen, eine bei einem Schilder-Lichtreklamen-Hersteller, eine als Friseurin.

„Sie wechselte die Farben regelmäßig, hatte einen Schuhtick. Sie war und ist hipp, ein bisschen crazy und hat einen kleinen Furz in der Birne“, sagt Leukefeld schmunzelnd. Damit kein falscher Verdacht aufkommt, er meint dies durchaus wertschätzend und streicht diese ganz besondere Mischung heraus, die sie verkörpert: „Anja ist zwar eine coole Socke, aber die Zuverlässigkeit in Person, immer auf den Punkt fokussiert.“

„Respect your Talent!“

Das zeigt sie auch bei ihrer Arbeit im EHF-Nachwuchsprojekt „Respect your Talent!“ mit jüngeren Generationen. Dabei hilft sie den besten Nachwuchsspielern des europäischen Handballs, sich nicht nur handballerisch, sondern auch abseits des Platzes weiterzuentwickeln und mit dem Druck des Hochleistungssports umzugehen, um sie auf den Weg zu einer Elitekarriere zu bringen. So wie es Anja Althaus geschafft hat, dieser etwas andere Glücksgriff für den DHB.

Info

EM
Deutschland spielt in der Vorrunden-Gruppe F in Innsbruck gegen die Ukraine (29. November, 20.30 Uhr), gegen die Niederlande (1. Dezember, 18 Uhr) und Island (3. Dezember, 20.30 Uhr/alle Spiele bei sportdeutschland.tv). Die ersten beiden Teams qualifizieren sich für die Hauptrunde (5. bis 11. Dezember) in Wien. Das Halbfinale (13. Dezember, 17.45 Uhr und 20.30 Uhr), das Spiel um Platz drei (15.15 Uhr) und das Finale (18 Uhr/beide 15. Dezember) gehen ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt über die Bühne. (jüf)

Weitere Themen

Weitere Artikel zu DHB Nationalmannschaft