Moskau fliegt Luftwaffen-Manöver Bundeswehr-Kampfjets fangen russische Militärflugzeuge ab

Von rtr/AFP/dpa/heg 

Die Nato hat sich besorgt über „umfangreiche“ russische Luftwaffenaktivitäten in Europa gezeigt. In den vergangenen zwei Tagen seien von vier Orten Nato-Flugzeuge – darunter auch deutsche – aufgestiegen, um russische Kampfverbände abzufangen.

Ein Eurofighter der Bundeswehr im vergangenen März beim Training nahe der Ostsee (Symbolbild). Deutsche und britische Kampfjets haben nach Nato-Angaben in den vergangenen beiden Tagen russische Militärflugzeuge abgefangen. . Foto: dpa
Ein Eurofighter der Bundeswehr im vergangenen März beim Training nahe der Ostsee (Symbolbild). Deutsche und britische Kampfjets haben nach Nato-Angaben in den vergangenen beiden Tagen russische Militärflugzeuge abgefangen. . Foto: dpa

Brüssel - Mehrere Flüge der russischen Luftwaffe über der Nord- und Ostsee haben bei der Nato Alarm ausgelöst. Das Verteidigungsbündnis erklärte am Mittwochabend in Brüssel, innerhalb von 24 Stunden hätten Nato-Jets – darunter auch deutsche – vier Verbände mit insgesamt 26 russischen Kampfflugzeugen abgefangen. Die Vorfälle ereigneten sich demnach auch über dem Atlantik und dem Schwarzen Meer. Ein Sprecher betonte, dass der Nato-Luftraum nicht verletzt worden sei. Eine derart hohe Zahl von Einsätzen habe es in den Vorjahren aber nur selten gegeben.

Nach Angaben der Luftwaffe des Nato-Mitgliedes Norwegen flogen russische Flugzeuge von Stützpunkten in der Arktis bis nach Portugal. Sie seien über internationalen Gewässern geblieben, den Grenzen der Mitgliedstaaten aber so nahegekommen, dass Jets losgeschickt worden seien. An einer Aktion über der Ostsee waren auch deutsche Eurofighter beteiligt. Sie gehören zu einem baltischen Luftüberwachungsverband. Die Jets hätten insgesamt sieben russische Flugzeuge abgefangen, die über dem Finnischen Meerbusen geflogen seien. Die russischen Jets hätten Kurs auf die Ostsee genommen und seien dann in die Region Königsberg geflogen, erklärte das Verteidigungsbündnis. Auch Jets des Nato-Mitgliedes Dänemark seien im Einsatz gewesen sowie. Außerdem hätten sich Schweden und Finnland, die nicht der Allianz angehören, beteiligt.

Nato beklagt Gefahr für Zivilflugzeuge

Ein weiterer Vorfall ereignete sich über der Nordsee, wo nach Nato-Angaben vier Langstreckenbomber vom Typ Tupolew Tu-95 und vier Betankungsflugzeuge vom Typ Iljuschin Il-78 entdeckt wurden. Bomber vom Typ TU-95 können bei Bedarf mit Nuklearwaffen bestückt werden. Die russischen Besatzungen hätten weder Flugpläne eingereicht noch seien sie in Kontakt mit zivilen Fluglotsen getreten. Auch seien sie nicht über Transponder identifizierbar gewesen. Damit werde die zivile Luftfahrt gefährdet, kritisierte die Nato.

Die russischen Flugzeuge wurden laut Nato während der gesamten Dauer ihrer Flüge von Kampfjets verschiedener Nato-Staaten begleitet und von der Nato-Luftraumüberwachung am Boden verfolgt.

Die Entsendung von Kampfjets ist ein Standardverfahren, wenn sich nicht identifizierte Flugzeuge dem Nato-Luftraum nähern. Nach Nato-Angaben wurden seit Jahresbeginn in mehr als 100 Fällen russische Flugzeuge abgefangen. Das sei rund drei Mal mehr als noch 2013. Anfang Oktober hatte ein Nato-Vertreter die erhöhten russischen Luftraumaktivitäten damit erklärt, dass Russland die Verteidigung der Nato-Staaten testen wolle. Mit Blick auf den Konflikt zwischen dem Westen und Russland über die territoriale Integrität der Ukraine hatte die Nato die gemeinsame Luftraumüberwachung an ihrer Grenze zu Russland schon vor Monaten verstärkt.

Östliche Nato-Mitglieder in Sorge vor Russland

Das Verhältnis zwischen dem Bündnis und Russland ist so eisig wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Der Westen wirft der Regierung in Moskau vor, die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine mit Soldaten zu unterstützen. Russland weist dies zurück. Die Nato hat in östlichen Mitgliedstaaten ihre Präsenz verstärkt, weil diese sich durch die russischen Streitkräfte bedroht fühlen. Der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak forderte am Mittwoch bei einem Deutschland-Besuch die Nato erneut auf, ihre Militärpräsenz in Osteuropa zu verstärken. „Niemand wünscht sich in Polen die Rückkehr des Kalten Krieges. Niemand wünscht sich eine Konfrontation mit Russland“, sagte Siemoniak. „Wir sind aber überzeugt, dass nichts mehr provoziert als Schwäche und Unterwürfigkeit.“