Natürliche Antibiotika Diese Kräuter und Knollen haben es in sich

Zwiebeln haben eine antibakterielle Wirkung. Ebenso wie etwa Ingwer, Knoblauch oder Thymian. Foto: dpa-Zentralbild

Sie brennen, schmecken scharf oder bitter: Menschen nutzen pflanzliche Schutzstoffe seit Jahrhunderten als natürliche Antibiotika, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Welche sind das?

Stuttgart - Das Wort Antibiotikum kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus „anti“ (gegen) und „bios“ (Leben). Antibiotika sind demnach Stoffe, die Lebewesen abtöten oder ihr Wachstum verhindern: das von Pilzen und Bakterien also. Im Gegensatz zu Bakterien können Viren sich nicht selbstständig vermehren. Sie befallen fremde Zellen, in die sie ihre eigenen Erbinformationen einschleusen. Gegen Viren können Antibiotika darum nichts ausrichten.

 

Als ältestes modernes Antibiotikum gilt das Penicillin, das Forscher Alexander Fleming 1928 durch Zufall entdeckte, als er eine Nährbodenplatte mit Staphylokokken, einer Form von Bakterien, in seinem Labor vergaß. Später überzog ein Schimmelpilz die Kultur. Das Interessante dabei: In direkter Nachbarschaft des Schimmelpilzes hatten sich die Bakterien aufgelöst: Der Pilz hatte offenbar eine keimabtötende Wirkung.

Welche Pflanzen wirken antibiotisch?

Zum Beispiel Meerrettich. Das winterharte Wurzelgemüse, auch Kren genannt, ist reich an Senfölglykosiden, die sich beim Reiben in Senföle umwandeln und so für den scharfen Geruch und Geschmack sorgen. Diese helfen nachweislich gegen eine ganze Reihe verschiedener Keime. Die Berliner Heilpraktikerin Natascha von Ganski schätzt den Meerrettich alseinheimisches Superfood: „Am liebsten frisch gerieben – so können die Wirkstoffe ihre Kraft am besten entfalten. Und dann vermischt mit Apfel, Sahne oder Frischkäse, damit die Scharfstoffe sich etwas abmildern – zum Schutz der Magenschleimhaut.“

Haben andere scharf schmeckende Pflanzen auch so eine Wirkung?

Ja, etwa die Zwiebel. „Sie wirkt ähnlich wie der Meerrettich keimhemmend gegen Erreger, also wie ein Antibiotikum“, sagt Natascha von Ganski. Darum gehört die Zwiebel auch seit Jahrhunderten zu verschiedensten Hausmitteln: Wickel gegen Halsweh etwa, Auflagen gegen Ohrenschmerzen, und sogar gegen Fußpilz soll die Zwiebel helfen. Die Wissenschaft hat die antibiotischen, entzündungshemmenden und antiallergischen Effekte der Zwiebel offiziell anerkannt. Ihr Wirkstoff, Extractum Cepae, steckt auch in einigen Medikamenten. Gegen Husten und zum Schutz der Rachenschleimhaut empfiehlt Heilpraktikerin von Ganski Zwiebelsaft: „Eine Zwiebel klein schneiden, Honig dazugeben und mehrere Stunden ziehen lassen, danach durch ein Sieb abseihen und täglich drei bis sechs Löffel davon zu sich nehmen.“

Was ist mit Knoblauch?

„Vielleicht nicht so sozialverträglich, aber auch ein großer Renner“, sagt Natascha von Ganski. Sein Wirkstoff Allicin hindert Bakterien an ihrem Wachstum, sorgt aber gleichzeitig für den intensiven Geruch. An dem liegt es wohl vor allem, dass sich der Knoblauch-Wirkstoff nicht als Antibiotikum in der Medizin durchsetzen konnte. Vor allem roh verzehrt kann er seine Schutzstoffe im Körper entfalten, stärkt das Immunsystem und schützt den Darm. Praktisch dazu: „Auch auf große Distanzen wirkt Knoblauch abwehrsteigernd.“

Wichtig für das Immunsystem ist ein gesunder Darm. Wie können Pflanzen dabei helfen?

Bei den Gewürzen und Kräutern gibt es eine ganze Reihe von Karminativa, die den Verdauungsapparat reinigen. Dazu zählen Pflanzen wie Fenchel, Anis, Koriander, Pfefferminze und Kamille. Auch Kümmel hat eine reinigende Wirkung. Ganz oder gemahlen steckt er in vielen Wurstwaren, in Käse und Gebäck. Seit gut 5000 Jahren verwenden Menschen Kümmel auch als Heilpflanze. Kümmelöl ist bekannt für seine antibakterielle Wirkung, sorgt für eine vermehrte Magensäureproduktion und kann bei Verdauungsstörungen und Blähungen helfen.

Auch Gewürzen wie Thymian und Oregano wird eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Zu Recht?

Ja, Thymian ist ein altbewährtes Heilkraut, bekannt aus der Klostermedizin. Seine ätherischen Öle, allen voran das Thymol, haben eine nachweislich antibakterielle Wirkung. Nimmt der Mensch mit der Nahrung Thymian zu sich, wird das Gewürz im Darm in seine Bestandteile zerlegt. Das fördert die Muskelbewegungen im Darm, die Verdauung kommt in Schwung. Ähnlich nützlich sind Kräuter wie Oregano, Majoran oder Rosmarin. Auch ihre ätherischen Öle wirken reinigend und können bei Verdauungsbeschwerden helfen.

Warum wird Kurkuma immer wieder als Superfood gepriesen?

In Asien ist Kurkuma seit Jahrtausenden ein wichtiges Gewürz, besonders in der indischen Küche und bei der traditionellen Heilkunst Ayurveda. Inzwischen beschäftigt sich auch die europäische Wissenschaft mit der heilenden Wirkung der Knolle. Manche Studien legen den Schluss nahe, dass Kurkuma krebshemmende Eigenschaften hat und gegen Alzheimer und Depressionen helfen kann – allerdings bislang nur unter Laborbedingungen. Wie auch Ingwer und Galgant enthält die Kurkumawurzel etwa zwei bis fünf Prozent ätherisches Öl, außerdem Schleimstoffe, die einen positiven Effekt auf unser Immunsystem haben. Besonders interessant sind die Farbstoffe der Gelbwurzel, die Curcuminoide. Sie haben eine stark entzündungshemmende, antibakterielle Wirkung. Kurkuma kann bei Verdauungsbeschwerden helfen und schützt vor Arthritis und Arthrose.

In welcher Form sollte man Gewürze zu sich nehmen?

Das geht in Getränken oder auch zum täglichen Essen. „Wie ich sie einnehme, ist eigentlich egal“, sagt Natascha von Ganski. „Hauptsache, man nutzt Kräuter überhaupt – und das in großen Mengen.“ Mediterrane Kräuter wie Thymian oder Oregano können ihre Wirkung frisch, gefroren oder getrocknet im Körper entfalten. Bei getrockneten Kräutern sollte man allerdings darauf achten, dass sie noch eine Farbe haben und nicht bereits ausgeblichen sind.

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