Feierlich ist gestern der erste Eislinger Waldkindergarten eröffnet worden. Nach schleppendem Beginn sind von September an alle Plätze ausgebucht. Weitere Waldkindis im Kreis sind geplant.

Eislingen - Für Gabi Scholl ist ein Traum wahr geworden. „Ich wollte schon immer einen Waldkindergarten machen“, sagt die Leiterin des nun offiziell „Ameisenstraße“ getauften ersten Eislinger Waldkindergartens. Zuvor war sie 16 Jahre lang im städtischen Kinderhaus tätig. Jetzt ist mit ihren zurzeit 15 Schützlingen tagtäglich in der Freien Natur zwischen Eislingen und dem Teilort Krummwälden unterwegs.

Initiative ging von der Stadt aus

Für den Oberbürgermeister Klaus Heininger ist auch ein Traum wahr geworden. „Es ist eine tolle Sache für eine Stadt wie Eislingen, dass sie auch einen Waldkindergarten anbieten kann“, sagt er. Zumal in Eislingen nicht die Eltern die Initiative ergriffen haben, sondern die Stadt. Es sei zwar auch in der Erstellung eine recht günstige Einrichtung, aber das sei nicht ausschlaggebend gewesen. Die Stadt wollte die Angebotspalette der Kinderbetreuung erweitern. Der erste Anlauf vor eineinhalb Jahren war eher mau. Eine Bedarfsabfrage unter den Eltern verlief ohne Rückmeldungen im Sande.

„Zu groß war anfänglich die Skepsis“, sagt Heininger. „Der Gemeinderat hätte damals auch sagen können, dann lassen wir es halt. Aber wir haben nicht aufgegeben“, berichtet der Oberbürgermeister. Mit einem klaren Konzept, mit der Ankündigung eine richtige Unterkunft als Blockhütte zu erstellen und nicht nur einen Bauwagen vorzuhalten, und mit der Benennung der Erzieherinnen habe man dann die Eltern für die Idee gewinnen können.

Alle Plätze bereits ausgebucht

Im März konnte der Kindergarten starten. Im September werden alle 20 Plätze ausgebucht sein. Zwischenzeitlich ist auch das 50 000 Euro teure Blockhaus auf einer Wiese am Waldrand bei den Eislinger Gartenfreunden fertiggestellt. Eine Unterkunft, die einen ganzen Gruppenraum beherbergt, aber noch kaum gebraucht wurde. „Wir haben es erst einmal genutzt. Da hat es den ganzen Tag fürchterlich geregnet, und nach vier Stunden haben wir uns in der Hütte aufgewärmt“, sagt Gabi Stoll.

Nachahmer fragen um Rat

Sie schwärmt von den Möglichkeiten des Waldkindis, in dem die Kinder bis 14 Uhr betreut werden. „Es gibt ein paar wichtige Vorgaben, wie passende Kleidung, aber auch Verhaltensregeln, an die die Kinder sich halten müssen. Aber ansonsten müssen wir viel weniger eingreifen als in einem normalen Kindergarten. Die Kinder spielen, basteln, klettern, wir singen Lieder. Sie achten gegenseitig aufeinander, und es gibt viel zu entdecken und jeden Tag neue tolle Erlebnisse“, sagt die Erzieherin.

Zu benachbarten Einrichtungen hält Scholl gute Kontakte. Nächste Woche kommt Besuch vom Göppinger Waldkindergarten. Die Elterninitiative war vor einigen Jahren der Vorreiter im Kreis. Und auch die Gemeinde Rechberghausen hat sich schon bei den Eislingern erkundigt. Dort soll ebenfalls ein Waldkindergarten gegründet werden.

Gespräch mit Ute Schulte Ostermann, der Vorsitzenden des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten

Waldkindergärten sind auf dem Vormarsch. Die Vorsitzende BVNW, Ute Schulte Ostermann, ist überzeugt, dass es noch mehr Bedarf gibt.
Frau Schulte Ostermann, wie viele Waldkindergärten gibt es denn in Deutschland?
Wir schätzen die Zahl auf rund 1500 Waldkindergärten und -gruppen. Nicht alle sind bei uns Mitglied. Die ersten offiziellen Waldkindergärten gab es vor 20 Jahren in Norddeutschland. Mittlerweile sind die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg wahre Hochburgen.
Woher rührt der Trend zur Natur?
Das hat viele Gründe: Die Natur, der Wald bildet, hält gesund, regt die Fantasie und Kreativität an. Entscheidend ist sicher auch der Wunsch der Eltern nach Alternativen – Eltern, die ihren Kindern zutrauen, sich selbst zu bilden und die sie nicht mit Bildungsinhalten überfrachten wollen. Und natürlich gibt es eine Bedarfslücke durch die U3-Betreuung, die Platz für Waldkindergärten lässt.
Die Kommunen entdecken die Waldkindergärten für sich. Es scheint auch ein verlockendes Sparmodell zu sein.
Das stimmt so nicht. Man braucht zwar kein Gebäude, aber die Erzieherinnen müssen für den Wald qualifiziert sein. Eine Kommune kann so ein Modell nicht verordnen. Sie benötigen Eltern und das Personal, die die Waldkindergärtenpädagogik mitragen. Ein schlüssiges Konzept muss erstellt werden und vieles mehr. Das ist aufwendig und erfordert viel Engagement.
Sie unterstützen Eltern und Kommunen, die einen Waldkindergarten gründen wollen?
Wir helfen gerne bei Gründungen. Die wichtigsten Informationen können Interessenten auch auf unsere Internetseite, www.bvnw.de nachlesen.