Naturparkführerin Tanja Uter erklärt bei einer Wanderung durch die Herbstlandschaft, welche Tiere das „Ökosystem Streuobstweise“ am Leben erhalten.

Berglen - Wie kommt der Apfel an den Baum? Was muss vorher alles passieren, damit eine Frucht am Zweig reifen kann? Und wie funktioniert eigentlich das „Ökosystem Streuobstwiese“? Die Antworten auf diese Fragen kennen die meisten von uns. Aber wissen wir auch, für welche Tiere und Insekten die heimische Streuobstwiese einen wichtigen Lebensraum bietet?

 

Die Streuobstwiese als Mikrokosmos

Tanja Uter weiß es und teilt ihr Wissen gerne mit interessierten Teilnehmern ihrer Wanderungen durch die Kulturlandschaft der Berglen. Die gelernte Tierpflegerin hat sich vor einigen Jahren zur Naturparkführerin im Schwäbisch-Fränkischen Wald weitergebildet. Seitdem arbeitet sie als Naturpädagogin und unterstützt unter anderem die Lehrangebote an der Nachbarschaftsschule in den Berglen mit praktischen Seminaren, in denen sie den Schülern die Natur als Lebensraum praktisch erlebbar macht. „Ich will zeigen, in welch schöner Landschaft wir hier leben“, erklärt Tanja Uter, „und wie sensibel das Ökosystem einer Streuobstwiese auf Einflüsse von außen reagieren kann.“

In diesem Jahr sei die Beeinflussung durch ungünstige Wetterbedingungen besonders deutlich zu spüren. Der zunächst warme Frühling und der späte, strenge Frost hätten den Obstbäumen in der Region so gut wie keine Chance zur Fruchtbildung gelassen. Bei ihren Wanderungen über die Streuobstwiesen veranschaulicht die Naturparkführerin den fragilen Kreislauf, der sich hier abspielt. „Zu Beginn des Zyklus sind die Insekten sehr wichtig für die Bestäubung der weiblichen Blüten, denn sonst gibt es keinen Apfel, der später einmal reifen könnte.“ Wenn dann jedoch die Blüten, wie in diesem Jahr, einfach erfrieren, könne man froh sein, wenn es wenigstens vereinzelt noch Äpfel gebe. Die Insekten wiederum dienten Vögeln als Futter, während Schnecken, Käfer und Raupen sich von den Blättern der Obstbäume ernährten. Im Stamm eines Apfelbaumes könnte sich auch ein Specht zur Brut einnisten und die herunterfallenden Äpfel würden im Herbst dann zur Nahrung für Mäuse und Igel.

Erst Weinanbau dann Streuobstwiesen

Die zahlreichen Streuobstwiesen in der Region seien im 19. Jahrhundert entstanden, als der Weinbau durch die Reblaus und die gewachsene Konkurrenz unrentabel geworden war und man in der Folge auf Obstbäume umstellte.