Naturschutz Ärger mit eingewanderten Tieren

Der Waschbär ist manchen heimischen Tieren gefährlich geworden. Foto: dpa
Der Waschbär ist manchen heimischen Tieren gefährlich geworden. Foto: dpa

Das Bundesamt für Naturschutz hat nachgezählt: in Deutschland gibt es mehr als 800 Tier- und Pflanzenarten, die hier eigentlich nicht heimisch sind. Manche machen Ärger wie die Waschbären – doch man wird mit ihnen leben müssen.

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Bonn - In Deutschland gibt es mehr als 800 Tier- und Pflanzenarten in der Natur, die aus fremden Gebieten eingewandert sind. Sie machen rund ein Prozent des Artenbestands aus. Manche davon verdrängen heimische Arten, aber nicht alle. Deshalb müsse man neue Arten (Neobiota) differenziert betrachten und behandeln, sagte die Präsidenten des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, am Montag in Bonn.

Bei Waschbären ist der Fall klar. Sie gelten als fremde Art, die heimischen Tieren gefährlich werden kann. Jessel nennt als Beispiel die europäischen Sumpfschildkröten, der die Bären die Köpfe abbeißen. Nach Schätzungen des Amtes gibt es 500.000 dieser kleinen Bären in Deutschland. Als invasive Art dürfen sie gejagt werden; dieses Jahr sind 70.000 geschossen worden. Aber selbst durch intensives Jagen könne der Waschbär nicht mehr aus Deutschland vertrieben werden, sagt Jessel. Er werde bleiben, und die Bevölkerung werde mit ihm leben müssen. Der beste Schutz gegen invasive Arten sei daher die Vorsorge: Man dürfe solche Tiere oder Pflanzen nicht einschleppen oder absichtlich aussetzen.

Manche Neulinge verhalten sich unauffällig

Auch die Grundeln im Rhein werden bleiben. Das sind gebietsfremde Fische, die 2008 erstmals im Rhein entdeckt worden sind und die sich inzwischen in die Nebenflüsse Lahn, Mosel und Neckar ausgebreitet haben. Sie verdrängen heimische Fischarten und fressen heimische Muschelarten. Jessel zufolge wird überlegt, weitere Zuwanderungen durch elektrische Felder oder Sperren aus Luftblasen im Main-Donau-Kanal zu verhindern. Im Rhein gibt es inzwischen 20 Fische und Krebse, die hier nicht heimisch sind.

Insgesamt hat das Bundesamt für Naturschutz 44 Arten gebietsfremder Wirbeltiere in Deutschland gezählt. 15 davon sind nach Einschätzung des Amtes unauffällig, 18 Arten sind potenziell invasiv und sollten beobachtet werden. Elf Arten werden als invasiv eingestuft. Bei ihnen werden Maßnahmen geprüft, um sie zu beseitigen. Bei den Pflanzen sind 432 gebietsfremde Gefäßpflanzen gezählt worden, davon gelten 33 Arten als invasiv. Das asiatische Springkraut, das sich in Flussauen ausbreitet, gehört aber nicht dazu. Es wird nur als potenziell invasiv eingestuft. Man wisse noch nicht, ob es heimische Pflanzen verdränge, sage Jessel. Solche Pflanzen auszureißen hält sie nicht für sinnvoll, weil sie sich durch Samen im Boden vermehren. Als invasiv wird dagegen das amerikanische Heusenkraut eingestuft, das an einem Standort in Niedersachsen entdeckt worden ist. Es verdrängt heimische Gewächse und verstopft Wassergräben. Im kommenden Jahr soll versucht werden, es zu beseitigen. Das sei wahrscheinlich möglich, meinen die Experten des Naturschutzamtes.

Es gibt auch neue Arten, über die sich Naturschützer freuen

Ambrosien seien aus der Sicht des Naturschutzes kein Problem, sagt Jessel. Die Pflanzen lösen allerdings Allergien aus. Die Samen werden mit Vogelfutter verbreitet. Eine Vorsorgemaßnahme sei daher, Vogelfutter ohne solche Samen zu verkaufen.

Zu den neuen Arten gehören auch solche, deren Zuzug erwünscht ist. Das sind Zuwanderer und Rückkehrer, die in Deutschland wieder ausreichend Lebensräume finden: beispielsweise Wölfe aus Polen und den westlichen Alpen. Davon gibt es 19 Rudel mit rund 120 Tieren. Auch Elche hat man schon in Brandenburg gesichtet. Einige Arten seien erfolgreich wieder angesiedelt worden, wie Luchs, Biber und Würfelnatter. Solche Wiederansiedlungen müssten aber gut überlegt werden, sagt Jessel, und sie müssten von der Bevölkerung akzeptiert werden.

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