Naturschutz im Kreis Esslingen Was machen Ziegen im Esslinger Steinbruch?

Rangstreitigkeiten kann es schon geben: Die Herde im ehemaligen Steinbruch Nonnenklinge besteht aus etwa zehn Tieren. Foto: Roberto Bulgrin

Zickig, zackig, nützlich: Im ehemaligen Steinbruch Nonnenklinge bei Esslingen-Wäldenbronn weiden Ziegen. Was sie dort tun und wem sie gehören.

Seine Schafe sind lammfromm. Nur seine Ziegen können manchmal zickig sein. Sie kabbeln sich schon mal und tragen Rangstreitigkeiten untereinander aus, sagt Halter Levi Hägele. Selbst in seiner kleinen Herde mit zehn Tieren, die im ehemaligen Steinbruch Nonnenklinge oberhalb von Esslingen-Wäldenbronn für die Beweidung zuständig ist, gibt es eine Chefin, die sagt, wo es langgeht.

 

Zickig mögen sie sein. Doch nützlich sind sie auch. Die Ziegen von Landwirt Levi Hägele sorgen auf dem Areal des 2004 stillgelegten Steinbruchs dafür, dass Gras, Gestrüpp, Hecken und die Vegetation nicht überwuchern. Die lebenden Rasenmäher machen einen guten Job vor allem dort, wo Maschinen nicht oder nur schwer eingesetzt werden können und menschliche Handarbeit sehr aufwendig wäre.

Schafe- und Ziegenhalter aus Überzeugung: Levi Hägele. Foto: Roberto Bulgrin

Levi Hägele hat sich bewusst für Burenziegen entschieden, eine widerstandsfähige, witterungsunempfindliche Rasse, die Hitze kalt lässt und die keine Probleme mit dem unwegsamen Gelände hat. Diese Tiere, so sagt ihr Halter, seien zudem sehr groß. Ihre Euter schleifen darum nicht am Boden und die Verletzungsgefahr durch Dornen, Disteln oder andere Pflanzen ist somit gering.

Im Winter sind die Esslinger Ziegen in einem kleinen „Festzelt“ untergebracht

Zickereien gibt es untereinander. Doch im Umgang mit Menschen sind die Ziegen pflegeleicht. „Sie sind handzahm und an uns gewöhnt“, beschreibt Levi Hägele ihren Charakter. Immer wieder kommen Kindergärten oder Schulklassen zu ihm, um die Tiere zu streicheln und mehr über ihre Haltung zu erfahren. Die meiste Zeit sind die Ziegen draußen an der frischen Luft. Nur wenn Lämmer da sind, kommen sie in den Stall. Wobei „Stall“ nicht die korrekte Bezeichnung ist. Für die Unterbringung von Muttertieren und Nachwuchs benutzt Levi Hägele Weidezelte: „Die sehen aus wie kleine Festzelte und sind für diesen Zweck wunderbar geeignet.“

Im ehemaligen Steinbruch Nonnenklinge bei Esslingen-Wäldenbronn sorgen Burenziegen für eine Beweidung. Denn Maschinen wären in dem unwegsamen Gelände nur schwer einsetzbar. Foto: Roberto Bulgrin

Levi Hägele hängt an seinen Tieren. Etwa 50 Schafe und Ziegen hat er, die auch bei Kennenburg, in der Nähe des Segelflugplatzes beim Jägerhaus in der Krähenhäule oder bei Sulzgries als ökologisch einwandfreie Rasenmäher tätig sind. Die Schafe gehören einer besonderen Rasse an – Shropshireschafe aus Schottland. Sie knabbern im Gegensatz zu den Ziegen keine Bäume an und können daher auch auf Streuobstwiesen eingesetzt werden.

Diese Wiesen waren der Grund dafür, dass Levi Hägele zum Tierhalter geworden ist. Seine Großeltern, berichtet er, hatten Weinbau betrieben, waren landwirtschaftlich tätig und besaßen viele Streuobstwiesen: „Ich hatte keinen Bock, sie zu mähen.“ Darum kam er auf die Idee mit den Schafen und Ziegen. Sie passen wunderbar zu seinem Beruf. Der 24-jährige, gebürtige Esslinger hat sich als gelernter Land- und Baumaschinenmechatroniker im Landschaftsbau selbstständig gemacht.

Klauenschneiden mögen die Esslinger Ziegen gar nicht

Die Ziegen als reine Selbstversorger – so einfach ist das nicht. Jeden Tag, meistens am frühen Morgen, schaut Levi Hägele nach seinen Tieren. Es gehe um die Gesundheitspflege, sagt der junge Mann. Manchmal müssen zum Beispiel Dornen entfernt werden. Aber auch die Versorgung mit Wasser und das Klauenschneiden gehören zu seinen Aufgaben. Kein Vergnügen: „Das Klauenschneiden ist so, wie wenn man einem kleinen Kind die Fingernägel schneidet. Die Tiere mögen das gar nicht.“

Bis 2004 wurde in der Nonnenklinge Sand abgebaut, der als Baumaterial verwendet wurde. Foto: Roberto Bulgrin

Sie tragen es ihm aber nicht nach. Denn er weiß, sie zu „bestechen“. Zum Ausgleich für erlittene Unannehmlichkeiten gibt es Leckeres als Ergänzung zur Gras- und Gestrüppdiät: Apfelreste oder Karotten bringen Abwechslung auf den Speisezettel und die Zuneigung zu Levi Hägele wieder zurück in die Ziegenherzen. Mit seiner Arbeit im Landschaftsbau, sagt er, könnte er mehr verdienen als mit der Haltung. Die Tiere sind für ihn aber auch ein Hobby. Für ihre Arbeit in der Nonnenklinge wird er vom Land Baden-Württemberg bezahlt.

Bei allem Idealismus – Urlaub braucht auch ein überzeugter Tierhalter. Eine Woche ist schon mal drin, sagt Levi Hägele. Er hat eine Helferin, die sich dann um seine Schafe und Ziegen kümmert. Aber es müsse halt alles geplant und organisiert werden.

Den Ziegen ist das wohl egal. Sie haben in der Nonnenklinge genug zu fressen und scheinen sich wohlzufühlen – auch wenn es immer wieder zu Zickereien kommt.

Ziegen bei der Arbeit

Namen
Seinen Tieren Namen zu geben, hat Levi Hägele längst aufgegeben. Er habe ein sehr schlechtes Namensgedächtnis, gesteht der 24-Jährige. Da wäre die Verwechslungsgefahr groß. Nur zwei, drei Lieblinge, die er von Hand aufgezogen hat, kann er beim Namen nennen.

Nutzung
Burenziegen sind laut Halter Levi Hägele reine Fleischziegen, die nicht für eine hohe Milchleistung ausgelegt sind. Die Milch reicht in der Regel gerade für die Lämmer. Meist bringen die Tiere Zwillinge zur Welt.

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