Hochdorf - Viele wertvolle Biotope – Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten – gingen und gehen durch Nutzungsänderungen, Bebauung und Zerschneidung der Landschaft durch Straßen, Schienenwege oder Leitungstrassen verloren. Problematisch ist dabei einerseits der Flächenverlust an sich, ein wichtiger Aspekt ist aber zudem die zunehmende Isolierung und Kleinteiligkeit vorhandener Biotope. Für das Überleben etlicher Arten sind sie dadurch zu klein, die Wege zwischen den Gebieten zu weit. Der landesweite Biotopverbund soll das ändern: „Er dient dem Schutz und dem Ausbau der biologischen Vielfalt in Baden-Württemberg. Verbundene Naturflächen sind die Voraussetzung für den genetischen Austausch von Arten und ihr langfristiges Überleben. Unser Ziel ist es, dass der landesweite Biotopverbund zeitnah verwirklicht wird“, erklärte der damalige Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) vergangenes Jahr im September.
Biotopverbünde fördert das Land mit Millionen
Bereits mit der Gesetzesnovelle zum Naturschutzgesetz vom Juli 2020 hat die Landesregierung die Förderung und Umsetzung von Biotopverbünden gestärkt. Zwölf Millionen Euro Fördergelder hat der Landtag insgesamt für das vergangene und laufende Jahr bereitgestellt. Kommunen des Landkreises Esslingen können Mitglied des kreisweiten Landschaftserhaltungsverbands (LEV) werden, dem auch Naturschutzverbände sowie Interessenvertreter der Landwirtschaft angehören. Für 200 Euro im Jahr können die Kommunen die dort angesiedelte Expertise in Sachen Biotopverbundplanung fürs eigene Gemeindegebiet nutzen. Kürzlich hat der Hochdorfer Gemeinderat einem Beitritts-Antrag der Grünen einstimmig zugestimmt. „Die Reichenbacher Grünen, die wie wir zum Ortsverband Schurwald zählen, haben diesen Antrag bereits im Frühjahr gestellt. Wir haben das jetzt für Hochdorf aufgegriffen“, so die Grünen-Fraktionsvorsitzende Doris Dirmeier, die selbst studierte Biologin ist.
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Es gehe darum, die bereits vorhandenen Biotope auf Hochdorfer Gemarkung einmal genau zu untersuchen: Wo liegen sie, wie kann man sie sinnvoll miteinander verknüpfen, sodass die Lebensräume von Pflanzen und Tieren erhalten und bestenfalls erweitert werden? Grundsätzlich gehe es dabei um das gesamte Land, aber jede Kommune könne ihren Teil dazu beitragen. „Die Gebiete werden in trockene, mittlere und feuchte Standorte eingeteilt. In Hochdorf gibt es derzeit vor allem mittlere Standorte, das wären die Streuobstwiesen“, erklärt Dirmeier. Hier sei die Gemeinde gut aufgestellt. Die Streuobstwiesen dienen zahlreichen Vögeln, Insekten und Pflanzen als Lebensraum und zugleich Nahrung. „Typisch sind bei den Pflanzen etwa der Wiesensalbei oder der blau blühende Wiesenstorchschnabel und die lila blühende Ackerwitwenblume“, sagt die Kommunalpolitikerin. Ein Ziel sollte es sein, die Wiesen vielfältiger zu gestalten. In dem Zusammenhang spiele dann auch die Pflege der Wiesen eine wichtige Rolle. „Das ist natürlich mit viel Arbeit verbunden und die Wiesen haben auch keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr, sondern eher einen ideellen. Dass das dennoch wichtig ist, um den Artenreichtum zu erhalten und zu fördern, muss noch mehr im Bewusstsein ankommen“, sagt Dirmeier.
Trockenmauern gibt es kaum
Dazu gebe es in Hochdorf noch die feuchteren Bachläufe, die man aber beispielsweise auf eine mögliche Erweiterung wie Feuchtwiesen untersuchen sollte. „Das wäre ein Thema für die geplante Renaturierung des Talbachs.“ Ausgeprägter vorhanden und bereits unter Naturschutz stehend seien dagegen Feuchtgebiete in der näheren Umgebung wie am Plochinger Neckarknie oder in Wernau. Trockenbiotope, wie Trockenmauern, die durch ihre kühl-feuchten Hohlräume und ihre warmen Steinaußenseiten zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten – darunter Zauneidechsen oder auch Wildbienen, die ihre Nester in den kleinen Spalten bauen – gebe es dagegen auf Hochdorfer Gemarkung bislang nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß.
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Man müsse untersuchen, was für die Hochdorfer Biotop-Landschaft sinnvoll sei und die Ergebnisse dann auch im Flächennutzungsplan verankern, sagt Dirmeier. Pilotprojekte der Biotopverbundplanung des Landes habe es bereits Anfang der 2000er-Jahre gegeben, jetzt wird das mit der Ende Juli 2020 in Kraft getretenen Stärkung des Biodiversitätsgesetztes konkreter“, so die Biologin. Bis 2030 solle der funktionale Biotopverbund auf 15 Prozent des Offenlandes der Landesfläche erweitert werden.
Biotope und Biotopverbund
Einfach erklärt
Auf der Homepage des Plochinger Umweltzentrums finden Interessierte ein informatives Kurzvideo, das den Sinn und Zweck des Biotopverbunds erklärt unter https://umweltzentrum-neckar-fils.de/projekte
Verbund
Der Biotopverbund ist das Netzwerk der Natur, das die Lebensräume von Tieren und Pflanzen miteinander verbindet, sodass diese wandern und sich genetisch austauschen können. Die Vernetzung zwischen den Lebensgemeinschaften und funktionsfähige ökologische Wechselbeziehungen sind die Basis für die biologische Vielfalt. Informationen zum Biotopverbund Baden-Württemberg sind auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt abrufbar: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/biotopverbund
Gesetz
Die Inhalte der Gesetzesnovelle zur Stärkung der Biodiversität kann man unter https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/biodiversitaet-und-landnutzung/biodiversitaetsgesetz/ nachlesen.