Naturschutz kontra Badespaß Aufschub für die Linden im Leobad
Die Abholzung ist abgeblasen: Blüten und Blätter im Springerbecken sollen mit anderen Methoden entfernt werden.
Die Abholzung ist abgeblasen: Blüten und Blätter im Springerbecken sollen mit anderen Methoden entfernt werden.
Am Ende sind die meisten doch irgendwie erleichtert. Denn wer möchte schon dafür verantwortlich sein, dass drei Bäume sterben müssen? Und das auch noch in einem stark frequentierten Freibad? So wirken selbst die Freien Wähler, die im Leonberger Gemeinderat als einzige für das Fällen von drei Linden stimmen, nicht sonderlich betrübt, dass ihre Haltung keine Mehrheit findet. Denn die liegt bei jenen Stadträten, die sich dafür aussprechen, mit anderen Mitteln eine Misere zu beheben, die spätestens mit Beginn der Freibad-Saison wieder akut werden dürfte.
Es geht um Blüten und Blätter von drei Linden, die im Leobad direkt am Springerbecken stehen und eben jenes im vergangenen Sommer regelmäßig lahmgelegt hatten. Sie landen in den Faserfängern, die die Umwälzpumpen für die Wasseraufbereitung vor Verstopfung schützen und durch die Eindringlinge von oben ihren Dienst versagen.
Einzelfälle, so versichert Stefan Hilse, seien das nicht. Der Chef der Leonberger Bäderbetriebe spricht von 69 „Störfällen“ in 123 Tagen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Bademeister dann die Düsen und Leitungen freilegen müssen – per Hand. Das Becken bleibt in dieser Zeit gesperrt.
Hilse hatte deshalb vor Wochenfrist im zuständigen Finanzausschuss dafür geworben, die Bäume zu fällen. Wirksame Alternativen gäbe es nicht. Dieser Meinung hatte sich sich bereits im vergangenen Jahr mit 83 Prozent der Bäderbeirat angeschlossen, ein Gremium, in dem alle Themen rund um Bäder und Sauna erörtert werden. Georg Pfeiffer von Freien Wählern gehört sowohl diesem als auch dem Finanzausschuss an. Dort warb er mit Verve für das Fällen. Schließlich könne es nicht sein, dass das Springerbecken mit seinen Türmen permanent gesperrt werden müsste. Ronald Ziegler von den Grünen hielt dagegen, dass es sehr wohl technische Möglichkeiten einer weniger zeitintensiven Reinigung der Fasenfänger gebe.
In der Öffentlichkeit stieß eine drohende Fällung wegen Blüten im Wasser auf Kritik. Unser Leser Peter Schreck bot sich sogar augenzwinkernd per schriftlicher Bewerbung als ehrenamtlicher Blütenentferner an. Vor der finalen Abstimmung im Gemeinderat präsentierten die Grünen ein Modell, mit dem Schmutzwasser „sehr schnell“ in die Kanalisation geleitet werden könne, warb der Fraktionschef Bernd Murschel, von Haus aus Ingenieur. „Das ist kein Hexenwerk“.
Stefan Hilse hatte im Vorfeld die Vorzüge einer Matte untersucht, mit der das ganze Becken abgedeckt wird. „Das ist eine praktikable Lösung“, urteilte der Bäder-Chef, „erfordert aber Zeit. Zeit, die wir nicht haben.“ Denn das Becken könne nur zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr früh abgedeckt werden. „Das Tagesproblem bleibt bestehen“. Mithin auch der Personalaufwand.
Doch selbst wenn alles gut laufen würde: „Kriegen wir das bis zum Start der Badesaison im Mai hin?“, wollte Axel Röckle (Freie Wähler) wissen.
Der Baubürgermeister Klaus Brenner zeigte sich optimistisch. Ottmar Pfitzenmaier sah unabhängig der Springerbecken-Problematik schwere Zeiten auf das Leobad zukommen: „Die Wasserpreise steigen, der Energiebedarf wird größer.“
„Wir suchen nach einer passenden Lösung ohne Bäume zu fällen“, versprach Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Die große Mehrheit des Gemeinderates schloss sich dieser Linie an. Die Linden bleiben also stehen. Und das für einen längeren Zeitraum, denn im März beginnt die Brutzeit. Da ist Abholzen aller Art ohnehin verboten.