Naturschutz kontra Badespaß in Leonberg Leobad: Noch eine Chance für drei Bäume?
Blätter und Blüten der Linden verstopfen Filter und legen das Springerbecken ständig lahm. Die einfachste Lösung wäre, sie zu fällen. Muss das wirklich sein?
Blätter und Blüten der Linden verstopfen Filter und legen das Springerbecken ständig lahm. Die einfachste Lösung wäre, sie zu fällen. Muss das wirklich sein?
Das Leobad ist weit über die Grenzen der Region Leonberg hinaus bekannt wie beliebt. Im Sommer parken dort jede Menge Autos mit Stuttgarter Kennzeichen oder jenen aus den Nachbarkreisen. An warmen Tagen ist es rappelvoll.
Verwunderlich ist der Zuspruch nicht: Das Freibad am Stadtrand wurde vor drei Jahren für gut 13 Millionen Euro grundlegend saniert. In der knapp 48 000 Quadratmeter großen Anlage gibt es ein warmes Außenbecken, in dem bei Sprudelliegen, Nackenduschen und Massageduschen entspannt werden kann. Im Erlebnisbecken sorgen eine Familienrutsche, ein Strömungskanal, eine Insel mit Sprudelfläche, ein Bodensprudler und ein 25-Meter-Schwimmbereich für Vergnügen im Wasser. Zusätzlich zu dem 50-Meter-Schwimmerbecken gibt es ein Springerbecken mit Sprungtürmen in Höhe von einem, drei und fünf Metern.
Dazu hat das Bad großzügige Rasenflächen, sogar mit FKK-Bereich, und viele Bäume, die im Sommer schatten spenden. Doch drei davon könnten demnächst der Motorsäge zum Opfer fallen: die Linden am Springerbecken. Denn ihre Blätter und Blüten legen regelmäßig das Becken unter den Sprungtürmen lahm. Sie landen in den Faserfängern, die wiederum die Umwälzpumpen für die Wasseraufbereitung vor Verstopfung schützen sollen. „In der vergangenen Saison gab es an 123 Tagen 69 Störfälle“, berichtet Stefan Hilse, der Leiter der Leonberger Bäderbetriebe. Im Klartext: Nichts geht mehr.
Das Springerbecken muss dann regelmäßig gesperrt werden. Die Bademeister, die eigentlich für die Sicherheit der Gäste verantwortlich sind, müssen die Pumpen, Leitungen und Faserfänger leeren und reinigen – alles per Hand. „Das dauert mindestens eine Stunde“, sagt Hilse. Obwohl das gesamte Bad im Grunde funkelnagelneu ist, mussten die Filtereinsätze bereits ausgetauscht werden. In ihrer Not hat sich der Bäderbetrieb an eine Fachfirma in Bayern gewandt. Deren Urteil ist eindeutig: Selbst bei einer technischen Aufrüstung ist keine signifikante Verbesserung zu erwarten. Der personelle Mehraufwand bliebe bestehen, die Rede ist von einer zusätzlichen halben Stelle. Und das Becken wäre wahrscheinlich mehrmals am Tag gesperrt.
„Unsere Möglichkeiten sind erschöpft“, sagt Hilse. Es sei denn, die Ursache des Übels würde buchstäblich an der Wurzel gepackt. Sprich, die drei Bäume werden gefällt.
Das Leobad ist eine städtische Einrichtung. Deshalb gibt es ein politisch besetztes Gremium, das sich mit solchen Problemen befassen muss: den Bäderbeirat. Dort, so berichtete jetzt das Beiratsmitglied Georg Pfeiffer von den Freien Wählern im Leonberger Finanzausschuss, sei das Meinungsbild eindeutig: 83 Prozent sind fürs Fällen. Um die Bedeutung dieser Zahl den anderen Stadträten zu veranschaulichen, schlug Pfeiffer den Bogen in die Höhen der ganz großen Politik: „Mit solch einem Quorum können Verfassungsänderungen beschlossen werden.“
Ganz so gravierend ist die Aufgabenstellung im Leonberger Rathaus nicht, aber der Freie Wähler weiß natürlich, dass Baumfällungen ein höchst sensibles Thema sind und lenkte daher die Aufmerksamkeit auf einen anderen Bereich: Für Windräder werde die hundertfache Menge an Bäumen gefällt, ohne dass es einen großen Aufschrei gebe. „Ich weiß, dass das nicht populär ist, aber ständig das Springerbecken zu sperren ist auch nicht populär“. Eile sei geboten, startet doch am 1. März die Brutsaison. Dann muss die Kettensäge ausgeschaltet bleiben.
Roland Ziegler bezweifelte, dass es wirklich keine Alternativen gebe: „Ich habe bei meinen Recherchen Lösungen gefunden, mit denen selbst große Laubmengen abgeschöpft werden können“, sagte der Grüne. „Da reicht eine Reinigung pro Tag“. Die vorhandenen Filter, so kritisierte der Ingenieur, „hätte man bei diesem Baumbestand erst gar nicht einbauen dürfen.“ Zieglers Ausführungen stießen bei den anderen Fraktionen auf offene Ohren. Bis der Gemeinderat am Dienstag eine endgültige Entscheidung fällt, soll geprüft werden, ob es nicht doch einen Ausweg gibt. Denn dass es nicht nur um Schönheiten und Schatten geht, macht Baubürgermeister Klaus Brenner deutlich: „Bäume in der Stadt haben eine hohe Qualität und beeinflussen das Klima positiv.“
Leobad
Das ehemalige Eltinger Freibad ist heute einer der attraktivsten Bäder in der Region. Vor drei Jahren wurde es für 13 Millionen Euro komplett saniert.
Der Bäderbetrieb
ist ein Teil der Stadtwerke. Dazu gehören das Leobad, das Hallenbad und die Sauna. Ein politisch besetzter Beirat beeinflusst die wirtschaftlichen Entscheidungen und das Marketing. So blieb im Frühjahr die Sauna noch zu, als die meisten längst wieder geöffnet hatten.