Naturschutz mit Drohne Kitzretter sind im Aufwind

Die Drohnen fliegen Wiesen ab und suchen per Wärmebildkamera nach versteckten Rehkitzen. Diese werden dann in Sicherheit gebracht. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv, Flugmodus BK
Die Drohnen fliegen Wiesen ab und suchen per Wärmebildkamera nach versteckten Rehkitzen. Diese werden dann in Sicherheit gebracht. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv, Flugmodus BK

Vor einem Jahr hat sich im Rems-Murr-Kreis ein Verein formiert, der mit Drohnen und Wärmebildkameras Rehkitzen das Leben rettet. Seitdem haben die Tierschützer aufgerüstet – doch Technik allein ist nicht alles.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)
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Rems-Murr-Kreis - Obwohl das Wetter in den vergangenen Tagen extrem wechselhaft war, haben einige Landwirte und Stücklesbesitzer schon Gelegenheiten genutzt, ihre Wiesen zu mähen. Doch was für den einen eine ordentliche Wiese oder eine Ladung frische Viehnahrung ist, bedeutet für andere eine lebensbedrohliche Situation: Rehkitze finden regelmäßig den Tod im Mähwerk.

Um so etwas zu verhindern, hat sich vor rund einem Jahr der Verein Flugmodus BK formiert. Die Ehrenamtlichen fliegen vor dem Mähen die Wiesen mit einer Drohne mit Wärmebildkamera ab und suchen nach versteckten Tieren. Seit der Gründung hat sich bei dem Verein vieles bewegt. „Wir haben jetzt zwei Teams, beide mit leistungsfähigeren Drohnen“, erklärt Andreas Metz, Drohnenpilot und Erster Vorsitzender des Vereins.

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Die neuen Geräte haben Kameras mit besserer Auflösung – dadurch ist es den Kitzrettern möglich, höher zu fliegen und damit größere Flächen schneller abzusuchen. Allein an den ersten drei Einsatztagen in diesem Jahr haben die Ehrenamtlichen rund 80 Hektar an Wiesenfläche abgesucht. Pro Team sind jetzt 20 bis 30 Hektar pro Tag möglich – mit der alten, auch nicht gerade billigen Technik wäre das nicht möglich gewesen, betont Andreas Metz. „Im vergangenen Jahr war bei sieben oder acht Hektar Schluss.“ An den ersten drei Tagen erspähten die Kitzretter elf Rehkitze und viele Feldhasen.

Kitzrettung per Drohne und Wärmebild

Während letztere bei Gefahr einfach Reißaus nehmen, haben Kitze die Angewohnheit, sich mucksmäuschenstill auf den Boden zu pressen. Das mag beim Verstecken vor einem Raubtier manchmal helfen, bei einem herannahenden Mähwerk ist es aber genau die falsche Wahl. Deshalb machen sich nach der Sichtung ein paar Helfer auf den Weg zum Kitz, heben es behutsam in einen Korb und bringen es außerhalb der Gefahrenzone. Dabei achten sie darauf, das Tier nicht direkt zu berühren. „Oft ist bei unseren Einsätzen auch ein Jagdpächter mit dabei, der weiß, wie man mit den Kitzen umgeht“, sagt Stefanie Schlotterbeck, die Zweite Vorsitzende. Dank Handschuhen und Grasbüscheln nimmt das Jungtier keinen menschlichen Geruch an. So kann das Muttertier nach dem Einsatz, wenn die Maschinen weg sind, das Kitz finden und mit ihm weiterziehen.

Für die Wiesenbesitzer ist der Kitzschutz kostenfrei. Das lohnt sich für sie. Denn vom Gesetz her ist vorgeschrieben, dass vor der Mahd Maßnahmen getroffen werden müssen, um den Tod von Tieren zu vermeiden. Tun sie dies nicht, riskieren sie eine Strafe. Dabei spart der Einsatz der Ehrenamtlichen ihnen Personal und Geld.

Flugmodus BK sucht noch nach Mitstreitern

Bei vielen Jagdpächtern ist Flugmodus BK inzwischen bekannt. Allerdings sehen die Aktiven noch Luft nach oben, was ihre Bekanntheit bei den Wiesenbesitzern angeht: „Manche mähen bei gutem Wetter auch schnell drauflos, ohne dem Jagdpächter Bescheid zu geben“, sagt Stefanie Schlotterbeck. Zwar machten sie sich dadurch unter Umständen strafbar – „aber das nachzuverfolgen ist nicht unsere Sache“, so die Tierschützerin.

In der vergangenen Zeit hat der Verein von vielen verschiedenen Seiten finanzielle Unterstützung erhalten, was es erlaubt hat, die teuren Drohnen anzuschaffen. „Unser Plan für nächstes Jahr ist es, ein oder zwei weitere zu kaufen “, sagt Stefanie Schlotterbeck. Doch die technische Ausrüstung ist nur eine Seite: „Es braucht natürlich auch Piloten, die diese fliegen“, sagt Andreas Metz. Denn das Leben der Kitzretter ist zur Mähsaison nicht gerade ein Zuckerschlecken: „Viele sagen, das ist ja toll, was ihr macht. Aber dann schrecken sie davor zurück, um zwei Uhr morgens aufzustehen, die Einsätze zu machen und danach noch arbeiten zu gehen“, sagt Stefanie Schlotterbeck.

Über die Vereinswebseite können die Tierschützer benachrichtigt werden

Die kommenden Tage und Wochen steht für die beiden Teams von Flugmodus BK jedenfalls jede Menge Arbeit an. Wer seine Wiese mähen will, gibt ihnen am besten spätestens 24 Stunden vor der geplanten Mahd Bescheid – auf der Webseite des Vereins (www.flug-modus.de) gibt es sogar eine Funktion, mit der Wiesenbesitzer die Koordinaten des zu überfliegenden Geländes auf einer Luftaufnahme eintragen können.




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