Der Landkreis Böblingen will den gefährlichen Signalkrebs verdängen und die Verbreitung des heimischen Steinkrebses sichern und fördern.

Was eine invasive Art ist, sieht man am Aufkommen der Nilgans, die sich mehr und mehr verbreitet und mit heimischen Wasservögeln in Konkurrenz tritt. Jetzt taucht ein neues Problem auf, das sich in unseren Bächen abspielt: Der aus Nordamerika stammende Signalkrebs erobert die hiesigen Lebensräume.

 

170 Kilometer Flussstrecke untersucht

Heimische Flusskrebsarten sind ohnehin rückläufig; im Landkreis Böblingen ist nur noch der Steinkrebs bekannt. Seit 2019 läuft ein Artenschutzprogramm für den seltenen Krebs. Immer wieder finden Untersuchungen statt; 2021 wurden in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Tübingen 170 Kilometer Gewässerstrecke im und angrenzend an den Schönbuch untersucht. Dabei wurden alle größeren Bäche auf das Vorhandensein von Krebsen untersucht.

Den Steinkrebsen erwächst bedrohliche Konkurrenz

Das Ergebnis war einerseits erfreulich: Es gibt nicht so wenig Steinkrebse, wie befürchtet. Weniger erfreulich: Es wurden auch Signalkrebse entdeckt – und bei denen handelt es sich um eine der gefährlichen invasiven Arten.

„Steinkrebse erfüllen eine wichtige ökologische Funktion in unseren Bächen“, erklärt der stellvertretende Landrat und Umweltdezernent Martin Wuttke. „Ihr Erhalt ist ein bedeutender Beitrag zu einem gesunden Gewässerökosystem.“ Dazu kommt, dass das Vorkommen des Steinkrebses gerade auch in Schönbuch und Glemswald eine Besonderheit ist.

Steinkrebse leben noch im Schönbuch und Glemswald

„Der Schönbuch ist ein europaweit einzigartiger Artenhotspot“, erklärt Ralf Wegerer, der für die kreisübergreifende Koordinierung von Naturschutzmaßnahmen im Gebiet Schönbuch zuständig ist. „Viele Tierarten gibt es auch anderswo, manche aber nur hier.“ Invasive Krebsarten, wie der Signalkrebs, dringen nun in seine Lebensräume vor. Sie verdrängen heimische Arten schnell, weil sie selbst große Populationen bilden und andere Arten schädigen, indem sie Amphibienlaich und Kaulquappen fressen. Teils sind sie zudem resistent gegen die Krebspest, können den heimischen Steinkrebs jedoch damit infizieren, der daran verstirbt.

Der Neuling ist gegen die Krebspest resistent, überträgt sie aber

Deshalb gilt es, dort, wo es Vorkommen an Steinkrebsen gibt, diese mit Krebssperren zu sichern. Das sind künstliche Abstürze aus Beton oder Edelstahl, damit der kritische Krebs, der gewässeraufwärts wandern will, keinen Halt findet. Baulich ist dies in solch natürlich gebliebenen Bächen wie der Schaich und dem Goldersbach nicht „die allerschönste Sache“, wie Wegerer einräumt. „Solche Sperren sind aber notwendig und vertretbar, und sie nützen dem Ökosystem mehr als dass sie ihm schaden.“ Deshalb sollen solche Krebssperren im Oberlauf der Schaich eingerichtet werden. Im Sommer sollen im gesamten Untersuchungsgebiet des Schönbuchs geeignete Sperrenstandorte identifiziert werden, der Bau ist ab dem Jahr 2023 angedacht.

Kreisübergreifendes Artenschutzprogramm

Im Goldersbach sind nur an wenigen Stellen Steinkrebse gefunden worden, bisher aber auch keine Signalkrebse. Auch in der Ammer wurden Steinkrebse gesichtet. Im laufenden Jahr werden im Landkreis auch noch Untersuchungen für die sich nördlich anschließenden Gewässersysteme Aich, Glems, Schwippe und Rankbach beauftragt.

Knapp 30 Akteure haben sich miteinander vernetzt, um die kreisübergreifende Artenschutzmaßnahme zum Wohl des Steinkrebses abgestimmt auf den Weg zu bringen.

Der Bau von Krebssperren kann über verschiedenen Landesprogramme gefördert werden; auch Ökopunkte können mit solchen Maßnahmen generiert werden. Kommunen können sich bei Interesse an die jeweiligen Landratsämter wenden.