Naturschutz Gegen die Verschotterung der Vorgärten

Von Natalie Kanter 

Eine Aktion in Leinfelden-Echterdingen richtet sich gegen zu viel Kies in Vorgärten. Gleichzeitig gibt die Initiative Rätsel auf. Wer steckt dahinter?

Dieser Kies muss weg – fordert ein besorgter Bürger. Foto: Natalie Kanter
Dieser Kies muss weg – fordert ein besorgter Bürger. Foto: Natalie Kanter

Leinfelden-Echterdingen - Der Kies muss weg“: Dieser Satz ist seit Kurzem an der Echterdinger Obergasse zu lesen. Genau genommen steht er auf einem in Plastik verpackten Zettel, der wiederum an dem Holzbalken eines Rondells pinnt, welches die Stadtverwaltung jüngst neu gestaltet hat. Das Mini-Plakat macht mobil gegen Kiesflächen in der Stadt. Wer genauer hinschaut, stellt fest: Das Ausgedruckte gleicht dem Titel eines Buches, welches in diesem Frühjahr im Stuttgarter Ulmer Verlag erschienen ist. Eine Werbeaktion für die knapp hundert Seiten dicke Broschüre mit dem Untertitel „Gegen die Verschotterung unserer Vorgärten“ ist das Ganze allerdings nicht. „Nein, das kam nicht vom Verlag und auch nicht vom Autor“, sagt eine Pressesprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung.

Ökologisch wertlos

Die Aktion passt zu der von Naturschützern angestoßenen Debatte um die aus ihrer Sicht ökologisch wertlosen, insektenunfreundlichen Kiesflächen. Denn solche Vorgärten sind vielleicht praktisch für jene Menschen, die mit Unkraut-Zupfen und anderer Gärtnerarbeit nichts zu tun haben wollen. Wildbienen und anderen nützlichen Insekten bieten diese Gärten aber keine Nahrung.

In Baden-Württemberg ist diesbezüglich sogar eine Änderung des Naturschutzgesetzes geplant, die das Land noch vor den Sommerferien verabschieden will. Geht der Entwurf unverändert durch, gelten Schottergärten fortan als grundsätzlich nicht zulässig. An anderen Orten in der Republik gibt es das bereits. Kommunen und auch Privatpersonen sollen so in die Pflicht genommen werden.

Ganz passend aber ist der kreative Protest an der Obergasse in Echterdingen dann aber doch nicht: Denn zum einem kann man diese städtische Fläche nicht wirklich als Vorgarten bezeichnen. Außerdem wird sie künftig Bienen und andere Insekten sogar anlocken. „Das wird ein Insektenhotspot“, erklärt Andrea Egner, die Leiterin der städtischen Amtes für Umwelt und Grünflächen, unserer Zeitung auf Nachfrage.

Nicht ganz passend

Zum Verständnis: Die Kommune hat auf dem gepflasterten Platz an der Echterdinger Obergasse drei junge Bäume in einem lang geschwungenen Beet und in „wertvolles Baumsubstrat gepflanzt“, wie Egner sagt. An deren Wurzeln wächst eine insektenfreundliche Staudenmischung mit dem Namen Präriemorgen. Über das Substrat sei dann noch etwas Split gekommen, der die Pflege des Beetes etwas einfacher mache. „Die Stauden werden in den kommenden Wochen weiterwachsen. Die Fläche wird wunderbar grün werden“, sagt die Amtsleiterin. Das Plakat könne also getrost wieder abgehängt werden.

„Ich weiß nicht, wer den Zettel aufgehängt hat“, sagt derweil auch FDP-Stadtrat Wolfgang Haug, der gleich vis-à-vis wohnt. Er sagt aber zudem: „Das Thema scheint in der Gesellschaft angekommen zu sein.“ Auch wenn Kies nicht gleich Kies sei, will er diese Aktion zum Anlass nehmen, um zu klären, welche Möglichkeiten die Kommune hat, die zunehmende Versiegelung der Flächen – auch in Privatgärten – zu verhindern.