Naturschutzgebiet in Stuttgart-Sillenbuch Der Eichenhain-Streit trübt die gute Laune

Von Caroline Holowiecki 

Im Ferienwaldheim ist man geknickt, weil sich die Kinder nur auf bestimmten Flächen im Eichenhain in Stuttgart-Sillenbuch aufhalten dürfen. Nun war die Bürgermeisterin da. Zwar wegen etwas anderem, doch der Frust war selbstredend Thema.

Den Schafen macht das Gestrüpp nichts aus – den Kindern schon. Foto: Julia Bosch
Den Schafen macht das Gestrüpp nichts aus – den Kindern schon. Foto: Julia Bosch

Riedenberg - Es sollte ein Gute-Laune-Besuch sein, aber neben fröhlichen Liedern wurde auch Kritik vorgetragen. Eine große Delegation, unter anderem bestehend aus Stadträten und städtischen Mitarbeitern, hat das Ferienwaldheim in Riedenberg besucht, angeführt von Isabel Fezer, der Bürgermeisterin für Jugend und Bildung. Und die Veranstalter der traditionsreichen Ferienbetreuung, allen voran Klaus Offterdinger, der Vorsitzende des Kirchgemeinderats der evangelischen Gemeinde in Sillenbuch, nutzten die Chance, um den Unmut aller in Worte zu fassen. Der sitzt tief, seitdem das Regierungspräsidium für den Eichenhain neue Regeln verhängt hat.

Nach 70 Jahren des ungehinderten Tobens dürfen Kinder und Betreuer nur noch in ausgewiesene Bereiche des Naturschutzgebietes – als Kompromiss, damit sie nicht komplett rausmüssen. Was erlaubt ist und was nicht, ist an zentraler Stelle im Waldheim-Gebäude angeschlagen: Spiele, die die Fläche stark beanspruchen, sind außerhalb des Schutzgebietes zu spielen. Die Mittagspause darf mit maximal 100 Kindern gleichzeitig im Grünen abgehalten werden. Ebenso wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Regelung „längstens bis zum Ende dieser Ferienwaldheimaktivitäten im Jahre 2021“ gilt. „Diese Entscheidung wird widerruflich erteilt“, heißt es. Daneben hängt ein Lageplan, der drei Flächen im Eichenhain sowie eine außerhalb – in der Verlängerung der Wendeplatte der Liliencronstraße – ausweist, wo die Kinder spielen und Decken ausbreiten dürfen.

So mies seien die Flächen gar nicht

Die aber sagen den Waldheimlern ganz und gar nicht zu. Zu klein, zu nah am öffentlichen Weg, zu wenig beschattet und teils zugewuchert, außerdem lägen Scherben und Hundekot herum. „Der Fehler, der passiert ist, ist der, dass wir in die Auswahl der Flächen nicht eingebunden waren. Sie wurden uns vorgesetzt“, monierte Klaus Offterdinger. Hier gab ihm Isabel Fezer Recht. Seinen Wunsch, mehr involviert zu werden, bezeichnete sie als „sehr legitim, das hätte man besser machen können“. So mies, wie die ausgesuchten Flächen dargestellt werden, wollte sie sie aber nicht sehen. „Das primäre Problem ist, dass es Menschen gibt, die Scherben hinschmeißen“, sagte Isabel Fezer. Sie sprach von einer Sauerei. „Wir werden das Unsrige tun, um Sie zu unterstützen.“

Dennoch mahnte die Bürgermeisterin auch: „Man kann in der Eichenhain-Nutzung nicht weitermachen wie bisher“, es bedürfe neuer pädagogischer Konzepte. Das sei letztlich auch im Interesse der Kinder, denn es gehe darum, den Eichenhain für sie dauerhaft zu bewahren. Eine Umstellung brauche Zeit und eine Phase der Gewöhnung. „Ich rege an, dass man guckt, wie es sich in der Praxis bewährt, und dann schaut: Kann man vielleicht noch etwas anpassen.“ Im Ermessen der Stadt liege das indes nicht. „Am Ende entscheidet das Regierungspräsidium.“

Nicht jeder hat Respekt vor dem Naturschutzgebiet

Isabel Fezer nahm auch die Waldheim-Leute in die Pflicht. Mitnichten gehen es darum, den Kindern die eine Stunde am Tag zu verbieten, in der sie sich unter Bäumen auf Decken ausruhen wollen, wie eine Mitarbeiterin aus dem Hauptleitungsteam es zuvor dargestellt hatte. „Es gab in der Vergangenheit durchaus auch andere Nutzungen“, betonte Fezer. So hätten Kinder etwa Folien über Hänge gelegt und als Wasserrutschen genutzt. Tatsächlich kann man im Alltag mitunter beobachten, wie Teenager mit aufgedrehten Musikboxen durch den Eichenhain ziehen. Das Regierungspräsidium war jüngst da, um die Flächen erneut in Augenschein zu nehmen. Nach Ende des diesjährigen Waldheims wird das Betreuerteam einen Bericht vorlegen. Klaus Offterdinger hat Hoffnung, dass Bewegung in die Sache kommt. Aus der Öffentlichkeit komme viel Zuspruch. „Es ist Stadtgespräch.“

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