Naturschutzgebiet Längenbühl Autos kosten viele Salamander das Leben

Von Moritz Greß 

Starker Verkehr führt durch das Naturschutzgebiet Längenbühl – zum Leidwesen der Amphibien.

Die Anwohnerin Anita Wagner    hängt Schilder auf, um die Autofahrer für die kleinen Tiere zu sensibilisieren Foto: factum/Bach
Die Anwohnerin Anita Wagner hängt Schilder auf, um die Autofahrer für die kleinen Tiere zu sensibilisieren Foto: factum/Bach

Renningen - Anita Wagner ist verärgert. Seit sie vor drei Jahren an den Renninger Längenbühl gezogen ist, muss sie mit ansehen, wie die Natur unter dem dortigen Verkehr leidet. Immer wieder findet die Anwohnerin überfahrene Amphibien – etwa den geschützten Feuersalamander oder Kröten. Es geht um den Weg zwischen der B 295 und dem Naturtheater.

Das Problem: Dieser Straßenabschnitt führt mitten durch den Wald – und damit durch das Naturschutzgebiet Längenbühl, das bereits seit 1990 geschützt ist. Dass auf dieser Waldstraße ungewöhnlich viele Autos fahren, liegt aber nicht nur an der Spielstätte. Auch die Schützengilde Renningen und ein italienisches Restaurant sind hier am Längenbühl ansässig.

Nabu hat sich eingeschaltet

Das ist Naturschützern schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt hat sich die Renninger Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) eingeschaltet, um dem Krötensterben entgegenzutreten. Die Stadtverwaltung ist ebenfalls aktiv geworden und prüft verschiedene Schutzmaßnahmen, die am Längenbühl umgesetzt werden können.

Auch die Anwohnerin Anita Wagner beobachtet die Situation. „600 durchfahrende Fahrzeuge habe ich hier zu Höchstzeiten schon gezählt“, berichtet sie empört. „Zum Beispiel an Aufführungstagen des Naturtheaters kommen besonders viele Autos.“ Die besorgte Umweltschützerin kontaktierte diesbezüglich bereits mehrere Behörden – bislang aber ohne großen Erfolg.

Vor kurzem hat die Stadtverwaltung zwei mobile Warnschilder aufgestellt, eines am Anfang der Straße und das zweite auf Höhe des Parkplatzes am Naturtheater. Unter die Warndreiecke hat Wagner eigens angefertigte Schilder befestigt, die auf die Krötenwanderung hinweisen.

Auch den Renninger Nabu hat die engagierte Anwohnerin auf die Situation aufmerksam gemacht. Dessen Sprecher Udo Schäfer weiß um das Problem: „Das Naturtheater ist ein Pfund, mit dem Renningen wuchern kann“, sagt er. Die Zufahrt könne daher nicht dauerhaft gesperrt werden. Deshalb arbeiten die Naturschützer derzeit mit zwei Amphibienexperten an einem eigenen Lösungsansatz.

Warnschild ist ein Anfang

„Der neue Standort des mobilen Warnschilds am Straßenanfang ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, stellt Schäfer fest. Aus Sicht des Nabu wäre es außerdem möglich, die nah an der Straße gelegenen Tümpel, in denen Feuersalamander sich heimisch fühlen, trockenzulegen. Als Ausgleich sollten neue Biotope an anderer Stelle im Naturschutzgebiet geschaffen werden. Auch der Teich des italienischen Restaurants stelle für die Amphibien ein mögliches Ziel dar, für das sie die Straße überquerten. Deshalb wünscht sich der Nabu-Ortsverein eine feste Beschilderung, die auf die Krötenwanderung hinweist. Schäfer meint auch, dass man an die Vernunft der Beteiligten appellieren muss. Man sollte auf die Mitglieder des Schützenvereins und die Verantwortlichen des Naturtheaters zugehen und für mehr Aufmerksamkeit für das sensible Naturschutzgebiet werben.

Stadtbaumeister Hartmut Marx will sich momentan auf keine endgültige Lösung festlegen. Bremsschwellen auf der Straße wären denkbar, damit die Autos langsamer fahren. Die Zufahrt zum Naturtheater und zum Schützenverein müsse allerdings frei bleiben. „Bei feuchtem Wetter locken Schnecken und Würmer die Salamander auf die asphaltierte Straße“, gibt Hartmut Marx zu bedenken. Sie sind also das ganze Jahr über unterwegs. Eine Schutzperiode analog zu den Laichzeiten der Kröten laufe damit ins Leere. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung führe nicht automatisch zu weniger überfahrenen Tieren, und mehr als die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde sei auf der engen Straße am Längenbühl ohnehin gefährlich. Um eine Lösung zu finden, ist Renningen daher im Gespräch mit den Umweltschutzbehörden im Landratsamt und im Regierungspräsidium.