Der Fuchs auf der Jagd in der Krebsbachaue Foto: Nabu/Ulrike Kuhn
Die Gemeinde Gärtringen hat zuletzt über die gute Entwicklung des Kiebitz-Projekts in der Krebsbachaue in Rohrau informiert. Doch der Nabu-Ortsverband sieht das ganz anders. Jetzt wurde zudem ein Fuchs gesichtet, der die Vögel gefährdet.
Robert Krülle
30.04.2025 - 07:22 Uhr
An einigen Orten im Kreis Böblingen wird versucht, optimale Bedingungen für den Kiebitz zu schaffen – bei Nufringen, bei Holzgerlingen und insbesondere in der Krebsbachaue in Gärtringen-Rohrau. Dort ist bereits vor vielen Jahren ein Schutzgebiet angelegt worden, um die Brut der Vögel zu unterstützen. Die Gemeinde und ihre Mitstreiter hatten zuletzt die positive Entwicklung des Projekts betont. Doch nun besteht eine konkrete Gefahr.
Am Montagmorgen erreichte die Gemeinde und das Planungsteam die Information, dass sich ein Fuchs in das Brutrevier eingeschlichen hatte. Wenig später sei die komplette Projektgruppe vor Ort gewesen und habe die Situation erörtert, wie die Gemeinde per Pressemitteilung berichtet. „Da momentan Schonzeit ist, ist eine einfache Bejagung von Füchsen nicht zulässig“, wird erläutert. Man habe den jungen Fuchs also zunächst vorsichtig lokalisiert, dann im Zaun eine Lücke geöffnet, und den Eindringling schließlich mit vereinten Kräften aus dem Areal gejagt.
„Die Situation bleibt in den nächsten Tagen und Wochen weiter unter Beobachtung“, heißt es vonseiten der Gemeinde. Besonders nachts lasse sich hier mit Wärmebildkameras das Gebiet gut beobachten. Zudem sollen die Schutzmaßnahmen nochmals verbessert werden. „Der naturnahe Lebensraum in der Krebsbachaue ist ein ganz besonderer im Landkreis. Dies zeigt sich auch an den hohen Besucherzahlen, die täglich am Projekt Interesse zeigen“, so Bürgermeister Thomas Riesch, der die Bürger und Bürgerinnen aufruft, gemeinsam auf den Schutzraum zu achten und sich bei Bedarf an die Gemeindeverwaltung zu wenden.
Dass sich das Kiebitz-Projekt in Rohrau gut entwickelt habe, kann Ulrike Kuhn dagegen nicht sehen – im Gegenteil. „Die Entwicklung ist besorgniserregend“, schreibt die Sprecherin der Nabu-Ortsgruppe Gärtringen-Herrenberg-Nufringen in einer Mail an die Redaktion. „Die Kiebitzbestände haben seit 2020 kontinuierlich und dieses Jahr drastisch abgenommen.“ Sie sieht den Rohrauer Bestand im Vergleich zu den benachbarten kleineren Kiebitzprojekten im Nufringer Ried und in Holzgerlingen schwinden. Während die Gemeinde Gärtringen beim Pressetermin in den Osterferien von vielen brütenden Tieren und Jungvögeln sprach, sei laut Ulrike Kuhn die Zahl der Brutpaare in Rohrau deutlich zurückgegangen. „Schon länger hatten wir den Verdacht, dass trotz des doppelten Zauns Schwachstellen vorhanden sein könnten, durch die ein Fuchs oder Marder regelmäßig eindringen kann“, so Kuhn. Nun habe sich der Verdacht bestätigt. „Schon viel früher hätte die Projektleitung auf die stark rückläufigen Zahlen reagieren und gegensteuern müssen.“ Sie kritisiert, dass öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie ein feuerroter Beobachtungsstand und Erfolgsmeldungen offenbar wichtiger seien als dringend notwendige Pflegemaßnahmen.
Die Kiebitze fühlen sich Rohrau sehr wohl. Foto: Stefanie Schlecht
Auch die Erfolgsmeldung der Gemeinde, der Flussregenpfeifer habe sich neuerdings in Rohrau angesiedelt, kann Ulrike Kuhn nicht nachvollziehen. „Der ist schon seit zehn Jahren alljährlich im Gebiet des Kiebitzprojektes anwesend und hat nachweislich zweimal dort erfolgreich Jungvögel aufgezogen.“