Nazi-Gewaltverbrechen Ausstellung über KZ-Häftlinge als Ärzte

Von red/dpa 

Ein wenig bekanntes Kapitel der NS-Geschichte ist in Fürstenberg zu besichtigen. Es geht um Lagerinsassen, die als Pfleger und Ärzte segensreich wirkten. Doch manchen sollen sie den Tod gebracht haben.

Hinter dieser Mauer sind Menschen gequält und getötet worden. Foto: dpa
Hinter dieser Mauer sind Menschen gequält und getötet worden. Foto: dpa

Fürstenberg - In der Gedenkstätte des ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück beginnt an diesem Samstag (16. April) eine Ausstellung über Häftlinge, die im Lager als Ärzte und Pfleger gearbeitet haben. Unter dem Titel „...unfähig, diesen Schrecken aufzuhalten.“ illustrieren Fotos, Dokumente und Zeichnungen das schwierige Thema.

Die SS hatte Häftlinge mit medizinischen Kenntnissen aus Ost- und Westeuropa als medizinisches Personal ausgesucht. „Sie versuchten, ohne ausreichende Medikamente und Verbandsmaterial Kranken und Verletzten zu helfen“, erläuterte ein Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. „Ihre Position als Funktionshäftlinge verlangte eine Gratwanderung zwischen den Befehlen der SS, ihren eigenen Überlebensinteressen und den Bedürfnissen der Kranken.“

In Berichten von Überlebenden werde einerseits der Einsatz der medizinischen Kräfte für Mithäftlinge gewürdigt. „Andererseits werden sie aber auch für die Nichtbehandlung von Kranken, für Selektionen und Tötungen mitverantwortlich gemacht“, sagte der Sprecher.

Zehntausende ermordet oder an Hunger gestorben

In einem biografischen Teil werden Frauen aus Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Polen, der Schweiz, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei sowie zwei tschechische Männer porträtiert, die ärztlich und pflegerisch unter Aufsicht der SS gearbeitet haben. Die Ausstellung, die anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des KZ eröffnet wird, ist bis zum 20. Juni 2016 in der Gedenkstätte Ravensbrück zu sehen.

Zwischen 1939 und 1945 sind im KZ Ravensbrück nahe Fürstenberg laut Gedenkstätte etwa 132 000 Frauen, 20 000 Männer und 1000 weibliche Jugendliche des „Jugendschutzlagers Uckermark“ als Häftlinge registriert worden. Die Häftlinge stammten aus über 40 Nationen, unter ihnen befanden sich auch zahlreiche Juden sowie Sinti und Roma.

Zehntausende wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente. Nach dem Bau einer Gaskammer Ende 1944 wurden rund 6000 Häftlinge von der SS vergast. Ende April 1945 trieb die SS Zehntausende Häftlinge auf Todesmärsche in Richtung Nordwesten. 3000 zurückgelassene Kranke wurden am 30. April 1945 durch die Rote Armee befreit.