Naziaufmärsche in Göppingen Kehrmaschinen gegen Rechts

Kehrmaschinen sind dafür da, sauber zu machen. Können sie auch mit rechtem Gedankengut aufräumen? Foto: Achim Zweygarth
Kehrmaschinen sind dafür da, sauber zu machen. Können sie auch mit rechtem Gedankengut aufräumen? Foto: Achim Zweygarth

Bis zum Jahr 2020 soll jährlich ein Naziaufmarsch in Göppingen stattfinden. So haben es die Rechtsradikalen schon angemeldet. Weil die Stadt juristisch dagegen nicht ankommt, übernimmt jetzt der Bauhof.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
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Göppingen - Orange statt braun soll am 11. Oktober das Bild der Stadt Göppingen prägen. Eigentlich wollen an diesem Tag wieder Rechtsextreme durch die Stadt marschieren. Doch der Oberbürgermeister Guido Till (CDU) bringt nun die Kehrmaschinen, Unimogs und Lieferwagen seines Bauhofs gegen rechts in Stellung. Er folgt damit dem Beispiel der Stadt Neu-Ulm, die im Jahr 2012 ebenfalls ihren Bauhof gegen eine Veranstaltung der NPD hatte auffahren lassen.

Auch in den folgenden Jahren werde es jeweils an einem Samstag im Oktober spezielle Leistungsschauen auf dem Marktplatz geben, kündigte Till bei einer nicht­öffentlichen Sitzung des Runden Tischs gegen rechts an. Er reagiert damit auf die jährlich drohenden Naziaufmärsche, die ein stadtbekannter Rechtsextremer bereits für die Jahre bis 2020 angemeldet hat. In den vergangenen beiden Jahren waren ­jeweils 150 Neonazis durch Göppingen marschiert. Gleichzeitig hatten sich ebenfalls überwiegend von auswärts angereis­te   linksautonome Gegendemonstranten Scharmützel mit der Polizei geliefert.

Er wolle am betreffenden Oktobersamstag so viel normales Leben wie möglich in der Stadt, erklärte Till und gab zu verstehen, dass er den Naziaufmarsch am liebsten ignorieren würde. Nur so werde Göppingen als Aufmarschgebiet unattraktiv. In der Runde, an der Vertreter des Gemeinderats, des Jugendgemeinderats, der Kirchen, Gewerkschaften, des Einzelhandels, der Schulen und des Vereins „Kreis Göppingen nazifrei“ teilnahmen, konnte er sich mit dieser Meinung allerdings nicht durchsetzen. „Das geht nicht“, sagte der evangelische Dekan Rolf Ulmer. „So ein Naziaufmarsch erzeugt zu Recht Empörung, und diese muss man auch zeigen.“ Er regte ein gemeinsames großes Friedensgebet der Kirchen und Moscheegemeinden an.

Auch Alex Maier, Sprecher des Vereins „Kreis Göppingen nazifrei“, erklärte, der Vorschlag des OB werde „unsere Taktik auf keinen Fall sein“. Man werde mit Sicherheit präsent sein. Dennoch sei es ein offenes und gutes Gespräch gewesen, das im Juni in ähnlich großer Runde und dann auch öffentlich fortgesetzt werden soll.




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