NBA-Star Stephen Curry Der Michael Jordan des 21. Jahrhunderts

Von Sebastian Moll 

Kein Profi dominiert in der NBA so wie Stephen Curry von den Golden State Warriors. Der Meister geht auch dieses Jahr als großer Favorit in die Play-offs, die am Samstag beginnen.

Stephen Curry verändert mit seinem Spiel den Basketballsport.Stephen Curry ist nicht zu stoppen. Foto: Getty
Stephen Curry verändert mit seinem Spiel den Basketballsport.Stephen Curry ist nicht zu stoppen. Foto: Getty

Oakland - Dirk Nowitzki hätte allen Grund ­dazu gehabt, negativ auf Stephen Curry zu reagieren, schließlich hatte der junge Star der Golden State Warriors den Altmeister aus Dallas vor einigen ­Tagen böse blamiert. Curry schnappte ­Nowitzki den Ball aus der Hand, als dieser gerade zum Korbwurf ansetzen wollte, dribbelte ein paar Schritte zur Feldmitte und versenkte dann mit provokanter Lässigkeit einen seiner gefürchteten Distanzwürfe schmatzend im Korb der Mavericks.

Currys Warriors gewannen am Ende das Spiel überlegen mit 130:112, was sicher die Stimmung des deutschen Mavericks-Kapitäns nicht eben gebessert hat. Und ­dennoch hatte Nowitzki im Interview nach dem Spiel nur Gutes über Stephen Curry zu sagen. „So etwas wie Steph hat die Liga noch nie gesehen“, sagte Nowitzki, dem einst wie heute Curry nachgesagt wurde, das Spiel zu revolutionieren. Wenn er ­Curry sehe, so Nowitzki, dann verwandle er sich von einem Konkurrenten in einen Fan. „Es macht dermaßen Spaß, ihm zuzuschauen, dass ich vor dem Fernseher sitze und ihn anfeuere.“

„Das Spiel gehört jetzt Curry“

Nowitzki, der Dallas erneut in die Play-offs geführt hat und selbst noch immer eine der überragenden Figuren der Liga, kapitulierte im Angesicht der Darbietungen von Stephen Curry in dieser Saison. „Wenn er auch nur einen Funken Tageslicht sieht, ach was, auch wenn er kein Tageslicht sieht, dann versenkt er den Ball“, sagt Nowitzki. Gegen das Talent des Point Guard aus Kalifornien, erkennt er neidlos an, ist kein Kraut gewachsen.

Dirk Nowitzki ist nicht alleine in seiner Sprachlosigkeit, wenn es darum geht, das Phänomen Curry adäquat zu beschreiben. So fand die „New York Times“ in einem Artikel mit dem Titel „Das Spiel gehört jetzt Curry“ jüngst in der Geschichte des Basketballsports keine angemessenen Parallelen zu Stephen Curry. Nicht einmal der Vergleich mit dem großen Michael Jordan könne beschreiben, wie Curry derzeit dabei sei, den Basketballsport in eine neue ­Dimension zu katapultieren. Höchstens Wayne Gretzky im Eishockey oder Babe Ruth im Baseball kämen in ihrer Bedeutung halbwegs Curry gleich. Wie sehr ­Stephen Curry in seiner Spielergeneration herausragt, wird vielleicht am ehesten an einer Diskussion deutlich, die zum Start der Play-offs, in denen die Warriors der große Favorit sind, immer ernsthafter geführt wird. Alleine wegen Stephen Curry wird in der NBA heute laut darüber nachgedacht, die Dreipunktelinie zu verschieben (wobei Curry seine Würfe teils ja sogar fast von der Mittellinie versenkt).

Stephen Curry trifft mit unheimlicher Sicherheit aus der Entfernung den Korb, „sobald er über die Mittellinie kommt, ist er innerhalb seiner Zone“, sagt Nowitzki. Aus der Distanz trifft Curry in 45 Prozent aller Fälle den Korb, eine Quote, die es so noch nie gegeben hat. Unglaubliche 402 Dreipunktewürfe hat Curry in dieser Saison bereits versenkt, ein Rekord für die Ewigkeit.

Barack Obama gratuliert den Golden State Warriors zum Rekord

Currys Treffsicherheit ruft beim Rest der besten Liga der Welt Ratlosigkeit hervor. Bisher hat keine Mannschaft ein Rezept für eine effektive Verteidigung gegen Stephen Curry gefunden. „Er dribbelt auf dich zu, und plötzlich ist der Ball in der Luft, so schnell kannst du gar nicht schauen“, sagt Dirk Nowitzki. Es ist so schwer, Curry zu verteidigen, dass viele Teams darüber nachdenken, ihn einfach durchzulassen. Wenn man ihn nicht zum Distanzwurf zwingt, so die Logik, macht er wenigstens nur zwei statt drei Punkte.

Currys Überlegenheit hat dazu geführt, dass die Golden State Warriors derzeit unschlagbar erscheinen, zumal in einer Play-off-Serie über mehrere Spiele – mit 73 Siegen in der regulären Saison haben sie den als unerreichbar geltenden Rekord der Chicago Bulls um Michael Jordan von 72 Saisonsiegen aus dem Jahr 1996 übertroffen – was selbst den basketballbegeisterten US-Präsidenten und erklärten Bulls-Anhänger Barack Obama begeistert: „Gratulation an die Warriors, eine großartige Gruppe von Jungs auf und abseits des Felds. Wenn jemand den ­Rekord der Bulls brechen musste, bin ich froh, dass sie es sind.“

Dass die Liga tatsächlich die Dreipunktelinie verschiebt, um den Wettbewerb auszugleichen, ist eher unwahrscheinlich. Der NBA-Commissioner Adam Silver kommentierte bereits, dass er dazu keinen Grund sehe. Die Liga war selten so populär wie heute – und das hat nicht zuletzt mit der Stephen-Curry-Show zu tun. Ganz Amerika will das Curry-Feuerwerk sehen, und die NBA wird einen Teufel tun, den Fans den Spaß zu verderben.

Dirk Nowitzki schließt sich dieser Meinung an, nicht zuletzt, weil er glaubt, dass auch eine verschobene Linie der Dominanz von Curry keinen Abbruch täte. Außerdem fände er es auch nicht angemessen, eines einzigen Spielers wegen das Spiel umzukrempeln. Gewiss habe Curry die Spielweise der Warriors verändert und die Art und Weise, wie man sich auf diese Mannschaft einstellen müsse, sagt der Würzburger. Dass aber in Zukunft nach diesem Vorbild überall verstärkt von außen gespielt wird, hält Nowitzki für unwahrscheinlich. Er sagt: „Steph Curry ist er der Einzige, der verlässlich und konstant aus diesen Entfernungen trifft.“ Und vermutlich werde das auch lange Zeit noch so bleiben.