Im Zusammenhang mit Kulturprojekten wird in Stuttgart vor allem über die milliardenschwere Sanierung und Modernisierung der Staatsoper diskutiert. Doch das ist nicht das einzige Vorhaben, das in den kommenden Jahren den Stadthaushalt belasten wird. Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) hat in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses den Stadträten hinter verschlossenen Türen eine aktualisierte Liste präsentiert, welche Investitionen vorgesehen sind. Auch hier geht es um gewaltige Beträge – Preissteigerungen durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die Inflation nicht eingerechnet. Ein Überblick über die größten und teuersten Projekte.
Villa Berg Die Landeshauptstadt hat die Renaissance-Villa im Stuttgarter Osten einschließlich der früheren SWR-Fernsehstudios im Jahr 2015 von der Düsseldorfer Immobiliengruppe PDI Property Development zurückgekauft. Die marode Villa soll für rund 63 Millionen Euro in ein Haus für Musik und mehr umgewandelt werden. Inklusive der Umgestaltung des Parks werden wohl mehr als 100 Millionen Euro fällig. Der Gemeinderat hat ein von einem externen Büro erarbeitetes Betriebs- und Nutzungskonzept verabschiedet, dass die Grundlage für die weiteren Planungen bildet. Die Betriebskosten sind noch offen.
Linden-Museum Das völkerkundliche Museum am Hegelplatz hofft seit Jahren auf einen Beschluss für einen Neubau an anderer Stelle. Der Platz- und Sanierungsbedarf ist riesig, große Teile der ethnologischen Ausstellungsstücke können gar nicht gezeigt werden, Erweiterungs- und Modernisierungsoptionen am Standort gibt es nicht. In der Vorlage für die Stadträte heißt es nun einmal mehr, man ziehe „mittel- bis langfristig einen neuen Standort in Betracht“. Der dafür am häufigsten genannte Platz ist das A-3-Areal beim künftigen Manfred-Rommel-Platz hinter dem Hauptbahnhof. Träger des Museums und damit Bauherr ist das Land, die Stadt ist jedoch bei der Finanzierung zur Hälfte mit im Boot. Fachleute rechnen bei den Baukosten mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag – der Raumbedarf allein an Ausstellungsfläche beträgt circa 16 000 Quadratmeter.
Haus für Film und Medien Der Neubau soll nach dem Entwurf des weltweit renommierten österreichischen Architekturbüros Delugan Meissl in der Innenstadt auf dem Areal des Breuninger-Parkhauses zwischen der Hauptstätter Straße und der Esslinger Straße entstehen. Eine bereits aktualisierte Grobkostenschätzung vom Februar 2022 belief sich auf rund 60 Millionen Euro. Mittlerweile rechnet man bei der Stadt allerdings eher mit 80 Millionen bis zur beabsichtigen Eröffnung Mitte 2027. Die Investition wird aus Rücklagen für Kulturprojekte finanziert. Die Folgekosten belaufen sich laut Vorlage auf rund vier Millionen Euro pro Jahr.
Theaterhaus-Erweiterung Der Grundsatzbeschluss für die Erweiterung des Kulturzentrums auf dem Pragsattel erfolgte 2015, den Wettbewerb entschied das Hamburger Büro PFP Architekten 2020 für sich. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von rund 40 Millionen Euro haben sich mittlerweile mehr als verdoppelt, die aktuelle Kalkulation beläuft sich auf Basis der Baupreissteigerungsrate von 2021 auf etwa 110 Millionen Euro. Auch die Unterhaltungskosten dürften sich gegenüber dem 2015 ermittelten Wert von 930 000 Euro pro Jahr nochmals deutlich erhöhen. Geplante Fertigstellung ist im Jahr 2027.
Konzerthaus Die Standortsuche für das Projekt läuft. Bisher wurden vom Gemeinderat lediglich Planungsmittel bewilligt, das sind 240 000 Euro für standortunabhängige Machbarkeitsstudien. Neben dem Bereich rund um die Liederhalle/Holzgartenstraße werden auch das A-3-Areal am Hauptbahnhof sowie der Budapester Platz/Wolframstraße als mögliche Konzerthausstandorte untersucht; im Frühsommer 2023 soll die Entscheidung über den Standort fallen. Je nach Standort und Planungsdauer wird auch hier mit Baukosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich gerechnet.
Gustav-Siegle-Haus Die denkmalgeschützte Heimstatt der Stuttgarter Philharmoniker im Leonhardsviertel ist dringend sanierungsbedürftig. Im Haushalt der Stadt sind bisher nur Planungsmittel von 150 000 Euro für das Projekt eingestellt. Wie hoch der Finanzierungsbedarf inklusive der benötigten Interimsspielstätte tatsächlich ausfällt, wird sich erst in ein paar Jahren, nämlich 2026/2027, entscheiden. Fachleute kalkulieren indessen schon mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Haus der Kulturen
Noch ist unklar, wo das seit Jahren von Migrantenverbänden- und vereinen gewünschte Zentrum angesiedelt werden soll. Ein Vorstoß von OB Frank Nopper (CDU), die Einrichtung auf dem Areal der heutigen Kaufhof-Parkgarage zu bauen, stößt im Gemeinderat nicht auf ungeteilte Zustimmung. Derzeit läuft eine weitere Standortsuche, die auch Flächen nahe der alten Bundesbahndirektion sowie das A-3-Areal am Hauptbahnhof als Alternativen einbezieht. Abhängig vom Standort und dem dort zu realisierenden Raumprogramm dürfte auch hier ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag fällig werden.
IBA-Besucher- und Infozentrum Die Anlaufstelle für Besucher der Internationalen Bauausstellung auf dem Weißenhof muss bis zur IBA 2027 fertig sein. Die Baukosten belaufen sich nach groben Schätzungen der Stadt auf circa 20 Millionen Euro, die Höhe der Betriebskosten sind offen.