Nebenerwerb in Corona-Zeiten Er braut Bier im Keller seines Elternhauses

Inzwischen braut Benjamin Brauner das Fux-Bier nur noch in seiner Freizeit. Deshalb setzt ihm die Krise weniger zu als anderen Brauereien. Foto: Eileen Breuer
Inzwischen braut Benjamin Brauner das Fux-Bier nur noch in seiner Freizeit. Deshalb setzt ihm die Krise weniger zu als anderen Brauereien. Foto: Eileen Breuer

In der Bierbranche herrscht während der Pandemie Katerstimmung. Doch nicht bei Benjamin Brauner: Mit seiner kleinen Brauerei in Musberg trotzt er aus mehreren Gründen den Umständen.

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Musberg - Im Keller seines Elternhauses hat sich Benjamin Brauner eingerichtet. Hier stehen Gär-Tanks, Abfüllanlage und Etikettiergerät. Auf gerade mal 37 Quadratmetern braut Brauner in Musberg das Fux-Bier. In seiner Mikrobrauerei füllt er regelmäßig Lager und Pale Ale in Flaschen. Und zurzeit versorgt er seine Kundschaft mit einer weiteren Spezialität: dem Riesling Bock, einem Hybriden aus Bier und Wein.

Und seine Sorten abseits des Mainstreams sind besonders jetzt beliebt, da Gaststätten geschlossen haben müssen: „Die Leute hatten Lust, cooles Bier zuhause zu trinken. Sie holen sich eine Craft-Beer-Bar einfach nach Hause“, sagt der Brauer. Sein Vorteil in der Krise: Dass sein Fassbieranteil gegen null geht. „Die Krise betrifft mich kaum“, sagt er.

Mehr Kater- als Festzeltstimmung

Dabei herrscht in der Bierbranche derzeit mehr Kater- als Festzeltstimmung. Denn der Bier-Absatz ist laut einer Umfrage des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) im ersten Halbjahr 2020 um 16 Prozent zurückgegangen. Das wirkt sich auf den Umsatz der Unternehmen aus: Der lag 19 Prozent unter dem des Vorjahres. Am härtesten trifft es die Brauereien, die normalerweise davon leben, Gaststätten oder auch Feste mit Bier zu versorgen, so der Deutschen Brauer-Bund. Denn durch die Corona-Pandemie wurde dieses Jahr auf dem Wasen kein Fass angestochen, die Gastronomen fallen durch den Teil-Lockdown als Abnehmer ebenfalls weg. Je höher der Fassbieranteil, desto härter trifft es die jeweilige Brauerei.

Brauner konnte während des Lockdowns im Frühjahr für kurze Zeit kein Bier mehr brauen. Wegen der geschlossenen Kitas musste er seine beiden Kinder betreuen. Und auch ihm sind ein paar Aufträge weggebrochen. Denn Feste, die er sonst mit Sonderbieren versorgt, wurden abgeblasen. Doch das fällt bei ihm nicht schwer ins Gewicht: „Beim Hobby geht es ja nicht ums Geld“, sagt Brauner. Seine Brauerei in Musberg betreibt er nämlich nicht mehr hauptberuflich, sondern nebenbei. Im Herbst des vergangenen Jahres entschied er sich, wieder eine Festanstellung anzutreten: „Mir waren das Risiko und der Druck zu groß, mich zu vergrößern.“

Doch Hobby hin oder her: Ist das Bier erst einmal gebraut, muss er es in Flaschen abfüllen. Und das Leergut wurde nicht nur bei den Großbrauereien knapp. „Mir sind die Flaschen ausgegangen, ich habe keine mehr bekommen. Online habe ich gerade noch so welche abgegriffen.“ Laut dem Stimmungsbild des Brauer-Bundes bleibt die Situation weiterhin angespannt, regional käme es immer noch zu Engpässen bei Flaschen und Kästen.

Überschüssiges Bier wird weggeschüttet

Manchen Brauereien bleibt aufgrund der angespannten Situation auf dem Markt keine andere Möglichkeit, als das überschüssige Bier mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum wegzuschütten. „Vor allem bei den kleinen Betrieben, die handwerklich arbeiten, tut mir das sehr leid, denn es ist eine Mordsarbeit, die dahintersteckt“, sagt Brauner.

Und auch der Blick in die Zukunft entspricht mehr einem Brummschädel als einem Rausch. Denn die Krise wirke sich letztendlich nicht nur auf die Brauereien selbst aus, sagt Brauner: „An der Brauwirtschaft hängt ein riesiger Wirtschaftszweig, wie beispielsweise die Maschinenhersteller. Die Brauereien werden nächstes Jahr nicht groß investieren können.“




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