Neckar: Uferumgestaltung in Stuttgart Das Leben am Fluss genießen

Von Uli Meyer 

Der Siegerentwurf beim Ideenwettbewerb Neckarknie ist gefunden. Mit einigen baulichen Verbesserungen, will man die Aufenthaltsqualität am Fluss in Bad Cannstatt erhöhen. Leben am Fluss scheint möglich.

Wiesen und breite Wege – so stellt man sich den Uferbereich in Bad Cannstatt vor. Foto: Grünewelle / silands
Wiesen und breite Wege – so stellt man sich den Uferbereich in Bad Cannstatt vor. Foto: Grünewelle / silands

Stuttgart - Großzügige Freiraumgestaltung im Bereich des Seilerwasens mit flachen, offenen Wiesenbereichen. Auf der anderen Uferseite im Bereich der Rillingmauer neue Sitztreppenanlagen und die Schaffung eines Stadtbalkons und einer Promenade. Dazu eine stärkere Kanalisation des Durchgangsradverkehrs auf die östliche Uferseite und Einschränkungen für den KfZ-Verkehr, um für Fuß- und Spaziergänger die Aufenthaltsqualität in Wassernähe weiter zu erhöhen – diese Vorstellungen setzten sich beim städtebaulichen Ideenwettbewerb um das Neckarknie durch. Ein Preisgericht unter Vorsitz von Professorin Cornelia Bott entschied sich letztlich einstimmig für den Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus den Landschaftsarchitekturbüros Grünewelle aus Grünkraut bei Ravensburg und silands/Gresz + Kaiser aus Ulm.

20 Büros eingeladen – 10 Arbeiten eingereicht

„Der Siegerentwurf hat alle Anforderungen am besten gelöst, überzeugt durch eine konsequente Haltung und besitzt das Potenzial, eine robuste Lösung für die nötige Detailausarbeitung zu sein“, sagte Baubürgermeistern Peter Pätzold (Grüne) am Montag bei der Vorstellung der Juryergebnisse. 20 Büros waren eingeladen gewesen, sich an diesem nichtoffenen Wettbewerb zu beteiligen. „Dass nur zehn, also weit weniger als sonst üblich, eine Arbeit eingereicht haben, zeigt auch die Problematik. Das war für alle eine große Herausforderung“, so Cornelia Bott. Aufgabe war es, einen freiraum- und verkehrsplanerischen Entwurf für die Uferbereiche des Neckarknies mitsamt den angrenzenden Flächen zu erarbeiten. Das Wettbewerbsgebiet zwischen der Rosensteinbrücke und dem Mühlsteg umfasste insgesamt rund 9,6 Hektar auf beiden Flussseiten und ist Teil des städtischen Masterplans „Landschaftspark Neckar in Stuttgart – Stadt am Fluss“.

Starke, zum Teil ideologische Diskussionen

„Wir haben versucht, die sehr unterschiedlichen Charaktere der beiden Seiten, mit dem städtisch bebauten Ufer links und dem landschaftlich geprägten Ufer rechts, in unser Arbeit zu betonen“, erläuterte der Ulmer Landschaftsarchitekt Roberto Kaiser, dessen Arbeitsgemeinschaft „gut durchgearbeitete Lösungsvorschläge“ seitens der Preisrichter attestiert wurde. Dass das „insgesamt hohe Niveau des Wettbewerbs“ (Bott) aber auch von „starken, zum Teil ideologischen Diskussionen“ begleitet wird, wollen Bott und Pätzold nicht verhehlen. Das betrifft insbesondere die künftige Führung des Straßenverkehrs in den flussnahen Gebieten in Bad Cannstatt und dem Rosensteinpark, aber auch, ob die bisherige Eisenbahnbrücke, die durch die neue Bahnquerung ersetzt wird, zum Beispiel als Fußgängerbrücke erhalten bleibt oder nicht.

Ist Kaiser hier „eher für den Abriss“, um eine „Perspektive der Großzügigkeit“ zu gewährleisten, sieht Pätzold noch keine Richtungsentscheidung getroffen. „Der Siegerentwurf ist keine Position für oder gegen die Eisenbahnbrücke“, so Pätzold. Alle Arbeiten zum Neckarknie-Ideenwettbewerb sind vom 26. bis 29. März zwischen 12 und 18 Uhr in der Sporthalle der Jahn-Realschule, Überkinger Straße 48, ausgestellt.

Im städtischen Haushalt sind 14,5 Millionen Euro für den Masterplan berücksichtigt. „Stück für Stück geht es jetzt an die Umsetzung“, sieht Bürgermeister Pätzold der Realisierung von fünf Teilprojekten entgegen. Anfangen soll es in diesem Jahr mit der Umgestaltung des Neckarufers am Lindenschulviertel in Untertürkheim.

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