Neckarfantasien Der Zuckerlehut von Bad Cannstatt

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Der Rosensteinbunker ist ein Stück Geschichte, aber nichts für das Auge, findet der Bad Cannstatter Gerhard Veyhl. Er hat sich überlegt, wie man aus dem Zeitzeugen ein Wahrzeichen für den Stadtbezirk machen könnte.

Derzeit verschandelt der Rosensteinbunker das Stadtbild nur, findet der Bad Cannstatter Gerhard Veyhl. Foto: Julia Barnerßoi
Derzeit verschandelt der Rosensteinbunker das Stadtbild nur, findet der Bad Cannstatter Gerhard Veyhl. Foto: Julia Barnerßoi

Bad Cannstatt - Die erste Skizze hat Gerhard Veyhl auf die Rückseite der Bezirksbeirats-Tagesordnung gekritzelt. Die Idee, aus dem optisch nicht sehr attraktiven Hochbunker an der Ecke Rosensteinbrücke, Schönestraße und Badstraße etwas zu machen, kam dem Vertreter der Freien Wähler ganz spontan in einer der Sitzungen des lokalpolitischen Gremiums. Die zweite Skizze ist nun schon mit etwas mehr Zeit und Muße entstanden. Sie zeigt den Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg mit Vor- und einem spitz zulaufenden Aufbau. „Das könnte ein wirkliches Wahrzeichen von Bad Cannstatt werden“, sagt Gerhard Veyhl euphorisch. Quasi der Zuckerlehut am Neckar.

So könnte der Bunker aussehen

Veyhl hat das mögliche neue Bauwerk „Monolith Bad Cannstatt“ getauft. Wenn es auch aus zwei Teilen besteht, soll es wie aus einem Guss wirken, einem geformten Stein gleichen – und „auch eine Art Kultcharakter“ haben, wie der Bad Cannstatter erklärt. Daher der Name. Dieser, wie das ganze Vorhaben an sich, sei jedoch nur eine Idee von einem Laien, betont Gerhard Veyhl – wenn er auch eine Affinität zum Thema Bauen habe, wie er sagt. Ihm gehe es nicht darum, ein Modell zu liefern, das perfekt und tatsächlich so umsetzbar sei. „Ich möchte vielmehr einen Impuls setzen“, sagt er. Um das Stadtbild und eben auch das Neckarufer, zu dem der Bunker seiner Meinung nach untrennbar gehört, zu verändern, müssten sich auch die Bürger Gedanken machen.

Der Abriss wäre eine Missachtung der Geschichte

Bisher verschandle der Rosensteinbunker das Stadtbild nur, findet der Geschäftsführer einer lokalen Handwerksfirma. Ihn abzureißen wäre eine Missachtung der Geschichte. Zudem wäre es wohl viel zu teuer. Mit der Geschichte aber umzugehen, den 1941/42 erbauten Bunker zu erhalten und etwas Neues aus ihm zu machen, wäre ein gelungener Umgang.

Konkret stellt Gerhard Veyhl sich vor, dass der Hochbunker quasi eine Haube aus einer Glas- und Stahlkonstruktion bekommt, die sich nach oben hin verjüngt. Statisch sei es sicher möglich, dass das neue Bauwerk doppelt so hoch werde wie der Bunker heute ist. „Da könnte man weit ins Land blicken“, sagt Veyhl begeistert.

Dauerausstellung zum Zweiten Weltkrieg im Bunker

Das unterste Geschoss des heutigen Bauwerks könnte vergrößert werden und etwa eine Bar einziehen. „Das würde Leben zum Fluss hin bringen“, sagt er. Darüber könnte zum Beispiel das Stadtmuseum eine Dauerausstellung zum Thema Bad Cannstatt im Zweiten Weltkrieg installieren – und so auch inhaltlich die Brücke zum Bauwerk schlagen. In den neuen, aufgesetzten Teil könnte ein Café einziehen und in der Spitze eine Aussichtsplattform entstehen. Erschlossen werden die Etagen laut Gerhard Veyhls Modell von einem außen aufgesetzten Treppenhaus inklusive Aufzug. „Dann gibt es auch kein Problem mit dem zweiten Fluchtweg“, scherzt er.

Momentan ist seine Idee nicht mehr als eine Skizze und eine Vision für Bad Cannstatt. Dem Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler habe er sie bereits präsentiert. „Er war sehr angetan“, sagt Veyhl. Und er habe versprochen, mit der Idee auf die Stadtverwaltung zuzugehen. Ob der „Monolith Bad Cannstatt“ jemals realisiert wird, wagt Gerhard Veyhl nicht zu prognostizieren. Je länger er sich mit der Idee beschäftige, desto überzeugter sei er aber, sagt er. „Jeden Tag noch ein bisschen mehr.“

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