Neckarfantasien in Bad Cannstatt Baden im Neckar –viele Ideen, viele Probleme

Von baj 

Bei der vierten Veranstaltung in unserer Reihe „Neckarfantasien“ geht es um die Fragen, ob überhaupt, wo und wie schwimmen im oder am Neckar möglich sein könnte. Vor 100 Jahren war es noch durchaus üblich. Melden Sie sich jetzt an.

Der StZ-Redakteur Martin Tschepe  (r.) und der Ludwigsburger Volker Heyn haben den Neckar von der Quelle bis zur Mündung durchschwommen. Foto: factum/Bach
Der StZ-Redakteur Martin Tschepe (r.) und der Ludwigsburger Volker Heyn haben den Neckar von der Quelle bis zur Mündung durchschwommen. Foto: factum/Bach

Bad Cannstatt - Die ersten drei Veranstaltungen in unserer Reihe Neckarfantasien sind auf großes Interesse gestoßen. Viele Themen rund um den Neckar wurden angesprochen und mit den Teilnehmern diskutiert – mit einem davon beschäftigen sich das Cannstatt-Team von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten und seine Gäste jetzt einen ganzen Abend lang. Am Donnerstag, 22. Oktober, sind wir beim Cannstatter Ski-Club zu Gast und diskutieren mit Neckar-Experten, Schwimmern und Zeitzeugen über das Thema „Baden im Neckar“ (Infos zur Teilnahme siehe unten). Ideen für Schwimmmöglichkeiten im und am Neckar gibt es viele – und früher war es ganz normal, sich im Fluss abzukühlen.

Früher gab es Fluss-Badeanstalten

Der Landeskundler Jürgen Hagel hat sich in seinem Buch „Cannstatt und seine Geschichte“ intensiv mit dem größten Stuttgarter Stadtbezirk beschäftigt – und damit auch mit dem Neckar und seiner Bade-Geschichte. Nach seinen Recherchen gab es von 1792 an immer wieder Ideen und auch Anträge für Neckarbäder. Darunter sind aber nicht etwa Schwimmbäder zu verstehen, sondern eher Duschbäder. Diese bestanden aus Holzkabinen, standen beim damaligen Wehr, von wo aus das Wasser in die Kabinen geleitet wurde. Durch den Höhenunterschied konnte man das Wasser so zum Duschen nutzen. Eine solche „Anstalt“ soll es um 1850 unterhalb der Wilhelmsbrücke gegeben haben. Männer und Frauen waren natürlich streng getrennt.

Oberbaurat Karl Etzel soll laut Hagel in dieser Zeit auch einen Antrag für eine Bade- und Schwimmanstalt am linken Neckarufer gestellt haben. Das Projekt scheiterte aber. Allerdings gibt es in den Archiven Hinweise zum Beispiel auf eine Schwimmbad-AG, auf eine Militär-Schwimmanstalt oberhalb von Berg und auch auf eine Rettungsanstalt, wegen der sich offenbar immer wieder ereignenden Badeunfälle. Mit der Kanalisierung des Neckars verschwanden auch die Fluss-Badeanstalten. Trotzdem sollen sich vor allem Jugendliche auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch im Neckar vergnügt haben.

Der Neckar-Käpt’n träumt vom Bade-Pool

Es sieht schlecht aus für ein öffentliches Bad im Neckar, davon ist der Neckar-Käpt’n Wolfgang Thie überzeugt. Er selbst ist als Kind zwar im Wasser auf Stuttgarter Gemarkung geschwommen und hat keine Schäden davon getragen, wie er sagt – die Bedenken, was die Gefährdung durch Schiffe und die Keimbelastung des Wassers angeht, könne er aber durchaus verstehen. Eine Alternative, wie man im Neckar schwimmen kann, hat sich der Kapitän aber schon vor einiger Zeit ausgedacht: „Man muss einfach ein Aquarium in den Neckar setzen“, sagt er.

Konkret schwebt ihm ein Badeschiff vor, mit einem Holzdeck, Palmen und natürlich einem Becken inklusive Hocker, und Cocktailbar im Wasser sowie einer Kante, die nur 30 Zentimeter über dem Neckarspiegel liegen würde. „Caribik Cannstatt könnte es heißen“, sagt Wolfgang Thie. Dass das Konzept funktionieren würde, davon ist er überzeugt. „Ähnliche Projekte gibt es in anderen Städten schon“, sagt er. Lediglich die Investoren würden noch fehlen. Ein siebenstelliger Betrag wäre wohl nötig, schätzt Thie. Wenn das Geld da ist, wäre das Vorhaben in einem halben Jahr umgesetzt, ist er sich sicher.

Dass seine Pläne funktionieren, hat der Käpt’n schon einmal bewiesen. „Bei meinem Partyfloß hat es auch mit einer Skizze auf einem Bierdeckel bei einer Portion Linsen mit Spätzle angefangen“, erzählt er. Für die vielen Autos, den das schwimmende Schwimmbecken mit sich bringen würde, hat Wolfgang Thie übrigens auch schon eine Idee: „Ein schwimmendes Parkhaus.“

Planschen in der Schleuse

Andreas Betsch ist Pragmatiker: Wenn das Wasser im Neckar zu stark verschmutzt ist, um darin zu baden, muss eben eine andere Lösung her. Seine Vision ist, ein Schleusenbecken an der König-Karls-Brücke für den Schiffsverkehr zu sperren, zu reinigen und mit Mineralwasser zu füllen. „Damit könnte sich Stuttgart auch von anderen Städten abheben“, sagt der Esslinger, der zusammen mit Astried Gier die Facebook-Seite Wunschvolles Stuttgart betreibt. Zusammen mit einem kleinen gastronomischen Angebot und einer schönen Liegewiese könnte so seiner Ansicht nach eine wahre Oase mit Blick auf den Fluss entstehen.

Betschs Vision kommt gut an: Bei der Fahrt mit dem Neckar Käpt’n zum Auftakt der Veranstaltungsreihe Neckarfantasien des Cannstatt-Teams von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten sind viele Leser begeistert von der Idee einer Badeschleuse. Die Realisierung dürfte allerdings schwierig werden und sicher nicht mit kleinen Mitteln zu bewerkstelligen sein: An die Schleuse ist ein Kraftwerk angeschlossen und die EnBW bezieht Strom über das Wehr. Das unter Denkmalschutz stehende Wehr müsste also zunächst umgebaut werden, außerdem müssten Lösungen für das technische Equipment von Kraftwerk und Schleuse gefunden werden, das am Ufer untergebracht ist.

Das Leuze ans Wasser bringen

„Dass ein Schwimmbad, noch dazu das Leuze, am Fluss ist, aber halt doch nicht, das geht ja auch nicht!“ Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat es bei unserer zweiten Neckarfantasien-Veranstaltung im Juli auf den Punkt gebracht. Irgendwie müsste man es schaffen, das Leuze an den Neckar zu bringen, zum Beispiel in Form eines Schwimmbeckens, das über oder möglicherweise sogar in den Neckar ragt. Allerdings würde das sofort eine ganze Reihe von technischen und anderen Problemen mit sich bringen. So dürfte es nicht passieren, dass beispielsweise ein Leuze-Badegast mit seiner Luftmatratze aus dem Becken in den Neckar treibt. Außerdem müsste das Becken sozusagen auch hochwassertauglich sein. Und – der Radweg am Neckar würde durch ein solches Becken blockiert.

 

Mitmachen und Dabeisein:

Die Veranstaltung zum Thema „Baden im Neckar“ am Donnerstag, 22. Oktober, beginnt um 19 Uhr und geht rund eineinhalb Stunden. Einlass ist ab 18.30 Uhr willkommen. Im Vereinsheim des Cannstatter Ski-Clubs können kleine Speisen und Getränke erworben werden. Der Eintritt ist für die Gewinner frei.

Pro Person können maximal vier Teilnehmer angemeldet werden. Anmeldeschluss ist am Mittwoch, 14. Oktober, 24 Uhr. Die Gewinner werden am Donnerstag, 15.Oktober, per E-Mail benachrichtigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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