Neckargemünd Kosten für Tunnel mehr als verdoppelt

Von Johanna Eberhardt 

Der Rechnungshof wirft den Behörden die ungenügende Prüfung des Tunnels in Neckargemünd vor - mit der Folge von massiven Kostensteigerungen.

19,8 Millionen Euro sollte die 600 Meter lange Umgehungsstraße inklusive 400 Meter Tunnel ursprünglich kosten. Heute ist man bei 53,7 Millionen Euro.  Foto: Stadt
19,8 Millionen Euro sollte die 600 Meter lange Umgehungsstraße inklusive 400 Meter Tunnel ursprünglich kosten. Heute ist man bei 53,7 Millionen Euro. Foto: Stadt

Neckargemünd - Nach zwölfjähriger Bauzeit soll am 22. Juli die neue Umgehung samt Tunnel am Rand der Altstadt von Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis) für den Verkehr freigegeben werden. Pünktlich zum Eröffnungstermin hat der Landesrechnungshof nun massive Kritik an der staatlichen Förderung des Projekts geübt.

19,8 Millionen Euro sollte das Vorhaben ursprünglich kosten. Inzwischen ist man bei 53,7 Millionen Euro angelangt. Die Zuschüsse des Landes, das früh eine 80-prozentige Förderung zusagte, haben sich im Lauf der Bauzeit von 15,2 auf 37,2 Millionen Euro erhöht. Dabei ist die ganze Umgehung nur 600 Meter lang und "verkehrlich wenig bedeutsam", monieren die Prüfer. Insgesamt sei das Vorhaben "nicht sorgfältig genug geplant" und der Förderantrag "nicht hinreichend geprüft" worden, heißt es in der jüngsten Denkschrift der Behörde. Verantwortlich dafür seien die Straßenbauverwaltung des Landes, die das - an sich kommunale - Projekt geplant habe, sowie das Regierungspräsidium Karlsruhe und das Stuttgarter Verkehrsministerium, die die Förderanträge bewilligt haben.

Geologisches Gutachten nicht berücksichtigt

Ein wesentlicher Grund für die enorme Kostensteigerung ist ein knapp 400 Meter langer Tunnel, in dem die Straße durch den Höhenrücken "Hollmuth" an der Neckargemünder Altstadt vorbeigeführt wird. Immer wieder hatten sich die Bauarbeiten wegen der Röhre, die teils in offener, teils in geschlossener Bauweise errichtet worden ist, verzögert. Bei ihrer Kontrolle kommt die Rechnungsprüfung nun zu dem Ergebnis, dass die Kosten für den Tunnelbau bei der Planung "nur grob geschätzt" worden seien. Ein Gutachten des Geologischen Landesamtes, "das die geologischen Verhältnisse als sehr ungünstig bezeichnet hat", sei anfänglich nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Die Deutsche Bahn, die neben dem Neubau Bauherrin eines Eisenbahntunnels sei und die bei der Klärung der Bodenverhältnisse hätte helfen können, habe man gar nicht gefragt. Allein die Mittel für die Ausstattung des Tunnels, die 1993 im Förderantrag mit 500.000 Euro aufgeführt worden seien, hätten sich deshalb inzwischen auf 5,3 Millionen Euro erhöht.