Neckargemünd Neuer Tunnel bleibt leer

Von Johanna Eberhardt 

Der neue Tunnel in Neckargemünd wird kaum genutzt. Er entlastet zwar die Altstadt, dafür dauert die Fahrt aber länger, sagen viele Autofahrer.

Tunnel in Neckargemünd wird kaum angenommen. Foto: Stadt 2 Bilder
Tunnel in Neckargemünd wird kaum angenommen. Foto: Stadt

Neckargemünd - Auch sechs Wochen nach der Eröffnung der knapp 54 Millionen Euro teuren Umgehung, die die Neckargemünder Altstadt vom Verkehr entlasten soll, wird die neue Straße samt dem dazu gehörenden Tunnel nur wenig genutzt. Die meisten Autofahrer, die vom einen zum andern Ende des Städtchens wollen, fahren weiterhin mitten durchs Zentrum. Etliche, die die Probe aufs Exempel gemacht haben, berichten übereinstimmend, man sei in dem neuen Tunnel unter dem Höhenrücken des Hollmuth "ziemlich allein unterwegs" - und die Fahrt dort dauere länger als die durch den Ort.

Damit bestätigt sich die Kritik des Landesrechnungshofs. Er hatte kurz vor der Eröffnung moniert, das 600 Meter lange neue Straßenstück samt dem knapp 400 Meter langen Tunnel sei "verkehrlich wenig bedeutsam". Die Prüfer hatten den staatlichen Straßenbaubehörden, die die Kreisstraße geplant hatten, vorgeworfen, sie hätten nicht sorgfältig genug gearbeitet. Zudem habe das Land den Förderantrag für das Projekt, für das anfänglich Kosten von 19,8 Millionen Euro veranschlagt waren, "nicht hinreichend geprüft".

Die Nutzung des Tunnels soll gefördert werden

Reporter der Lokalblätter haben inzwischen nachgemessen und Fahrzeiten gestoppt. Demnach ist die Route ums Neckargemünder Zentrum herum mit 1,4 Kilometern nicht nur gut doppelt so lange wie der Weg durch die hübsche Altstadt. Man braucht, je nach Fahrtrichtung, auch doppelt so lange - wobei man allerdings immer unter drei Minuten bleibt.

Auch Bürgermeister Horst Althoff (CDU) zeigte sich bei einer ersten Zwischenbilanz Ende August mit der Tunnelnutzung unzufrieden. Zwar sei in der Altstadt eine Entlastung spürbar, stellte er fest, doch die sei noch nicht ausreichend. Der Bürgermeister machte vor allem "unnötige Rotphasen" und entsprechende Wartezeiten an den Ein- und Ausfahrten der Röhre dafür verantwortlich, dass die Umgehung vielen Autofahrern unattraktiv erscheine.

Durchfahrt der Altstadt zu erschweren

Der Rhein-Neckar-Kreis veranlasste daraufhin erste Änderungen, wies aber zugleich auch daraufhin, dass auch die Stadt selbst schon länger vorgesehene Maßnahmen ergreifen müsse, um die Durchfahrt der Altstadt zu erschweren.

In der vergangenen Woche wurde bei einer gemeinsamen Sitzung der Verkehrsbehörden und der Stadt weitere Änderungen beschlossen. So sollen die Grünphasen an beiden Tunneleinfahrten noch einmal verlängert werden, um den potenziellen Nutzern das Abbiegen auf die Umgehung zu erleichtern. Außerdem genehmigte der Kreis die Reduzierung der Geschwindigkeit in der Altstadt. Dort sollen neue 20- und 30-Kilometer-Zonen eingeführt werden; rund um den Marktplatz soll durch die Ausweisung einer Spielstraße Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben werden.

Nun komme es darauf an, dass die Stadt die nötige Beschilderung und Markierungen möglichst rasch vornähme und auch die zusätzlichen schon länger angekündigten Maßnahmen umsetzte, erklärte eine Sprecherin der Landkreises. Ziel sei, die Zahl der Autos, die pro Tag die Altstadt ansteuerten, auf 2.000 zu reduzieren. Bei der Planfeststellung für das Projekt seien es 18.000 gewesen.