Neckarhafen Stuttgart Mehr Umsatz trotz weniger Umschlag

Von Mathias Kuhn 

Die Hafengesellschaft kann auf ein erfolgreiches Jubiläumsjahr zurückblicken. Sie hat einen Überschuss erwirtschaftet. Das Niedrigwasser auf dem Rhein hat aber die Umschlagbilanz der Schiffsgüter getrübt.

Aufgrund des Sommer-Niedrigwassers auf dem Rhein sank der  Güterschiffsumschlag im Stuttgart Neckarhafen  im vergangenen Jahr deutlich. Foto: Kuhn
Aufgrund des Sommer-Niedrigwassers auf dem Rhein sank der Güterschiffsumschlag im Stuttgart Neckarhafen im vergangenen Jahr deutlich. Foto: Kuhn

Hedelfingen - Die Hafengesellschaft Stuttgart kann eigentlich auf ein erfolgreiches Jubiläumsjahr 2018 zurückblicken. Wirtschaftlich konnten die Umsatzerlöse im abgelaufenen Geschäftsjahr abermals das Vorjahresergebnis überbieten, die Hafengesellschaft abermals einen millionenschweren Überschuss einfahren, der der Landeshauptstadt zugute kommt. Zudem feierte die Logistikdrehscheibe zu ihrem 60-jährigen Bestehen ein zweitägiges Hafenfest, das Zehntausende von Besucher aus nah und fern an den Neckar lockte. „Sie bekamen an den beiden Tagen einen tollen Eindruck von der Bedeutung des Stuttgarter Hafens“, sagt Hafenchef Carsten Strähle im Rückblick.

26 Prozent Rückgang

Ein Thema beschäftigte die Hafenverantwortlichen allerdings auch an den beiden Festtagen: der Regen. Nach tagelanger Trockenheit öffnete der Himmel ausgerechnet während des Festakts die Schleusen. Es goss Bindfäden. Solche Wassermassen hätten sich viel Schiffskapitäne, Reedereien und Logistikfachleute in den anschließenden Sommerwochen öfter gewünscht. Der extrem trockene Sommer stellte sie vor große Herausforderungen. Die Flüsse – vor allem der Rhein – führten zu wenig Wasser, die Binnenschiffe konnten nur mit einem Bruchteil ihres Fassungsvermögen auf Deutschlands wichtigster Binnenwasserstraße verkehren. Das Niedrigwasser im Rhein wirkte sich auch auf die Neckarschifffahrt aus. Es trübte das Ergebnis des Schiffsgüterumschlags empfindlich. „Der Schiffsgüterumschlag ging im vergangenen Jahr auf rund 747 000 Tonnen zurück“, sagt Strähle. Damit sank der Schiffsgüterumschlag im Hafen um 26 Prozent. Zwar versuchten viele Firmen, auf die Schiene auszuweichen. Aber auch das Aufkommen der Hafenbahn musste einen leichten Rückgang um rund vier Prozent auf 2,669 Millionen Tonnen in Kauf nehmen. Insgesamt – per Zug und Schiff – wurden im vergangenen Jahr im Stuttgarter Hafen 3,416 Millionen Tonnen Güter (minus zehn Prozent) verladen.

Genügend Kapazitäten

Dennoch hat die Hafengesellschaft die Weichen bereits für die Zukunft gestellt. Auch wenn der Containertransport auf dem Wasser vergangenes Jahr auch Einbußen verzeichnete, wird er weiter an Bedeutung gewinnen. „Die Verkehrsexperten prognostizieren in den kommenden Jahren ein weiteres Anwachsen des Güterumschlags um 40 Prozent. Die Straßen und Schienen haben keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr. Aber: Die Wasserstraße hat noch genügend Kapazitäten“, so Strähle. Zusammen mit ihrem Mieter DP World, einem weltweit agierenden Partner, wird deswegen das bestehende Containerterminal am Ostkai erweitert. Eine Halle direkt neben dem bestehenden DP-World-Gelände wurde bereits dem Erdboden gleich gemacht. „Noch zwei weitere werden in Kürze folgen, damit wir noch mehr Kapazitäten für den Containertransport haben werden“, so Strähle. Dadurch könne die bestehende Kranbahn verlängert werden. Es werde mindestens eine weitere Containerbrücke installiert und ein Komplett-Containerzug kann in voller Länge an den Kai gestellt werden.

Es wird weiter investiert

Der Hafenchef will damit auch die Voraussetzungen für die Zeit nach der Verlängerung der Neckarschleusen schaffen. Bund und das Land Baden-Württemberg haben sich darauf verständigt, dass alle Neckarschleusen zwischen der Neckarmündung und Plochingen verlängert werden. Dadurch können – in einigen Jahrzehnten – auch auf dem Neckar Schiffe mit einer Länge von 135 Metern verkehren und dann eben auch mehrere Schiffe hintereinander problemlos am Containerterminal am Ostkai anlegen. „Der Bedarf ist sicherlich vorhanden. Die Luftaufnahmen der vergangenen Jahrzehnte haben in unserer Jubiläumsausstellung veranschaulicht, dass der Hafen ein Organismus ist, der sich ständig wandelt und sich den Anforderungen der Wirtschaft angepasst hat. Mit der Terminal-Erweiterung tragen wir diesem Umstand sicherlich Rechnung“, sagt Strähle.

Doch Strähle und sein Team investieren auch in die Gleisanlagen. „Wir stecken auch dieses Jahr wieder mehr als eine Million Euro in deren Erneuerungen. Schließlich ist der Stuttgarter Neckarhafen ein moderner, trimodaler Umschlagplatz, in dem Schifffahrt, Bahnverkehr und Lastwagen optimale Bedingungen vorfinden sollen.

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