Neckarpark in Stuttgart Wohnen wird zum Wahlkampfthema

Von Jörg Nauke 

Die Stadt Stuttgart präsentiert demnächst Bebauungspläne für das ehemalige Cannstatter Güterbahnhofgelände. Dabei geht es auch um das Sportbad, das wohl im Neckarpark angesiedelt wird.  

Die Stadt hat das Güterbahnhofareal im Jahr 2001 von der Bahn gekauft. Foto: Steinert
Die Stadt hat das Güterbahnhofareal im Jahr 2001 von der Bahn gekauft. Foto: Steinert

Stuttgart - Die Stadt präsentiert in den kommenden Monaten Bebauungsplanentwürfe für das ehemalige Cannstatter Güterbahnhofgelände. Dabei geht es auch um das Sportbad, das wohl im Neckarpark angesiedelt wird. Der Wohnungsbaukomplex wird zum Kommunalwahlkampfthema. Während sich die Grünen mit OB Kuhn und Bürgermeister Matthias Hahn (SPD) einig sind, das Areal zum Testlauf für die Stuttgart-21-Bebauung zu machen, kündigte die CDU an, das Vorhaben zu stoppen, falls der bürgerliche Block die Mehrheit zurückerlangen würde.

Neckarpark
Das 22 Hektar große ehemalige Güterbahnhofareal ist die auf absehbare Zeit größte verfügbare Fläche für die Innenentwicklung, wo modellhaft nachhaltige Stadtentwicklung realisiert werden könne. Diese Aussage von Matthias Hahn ist zwar schon älter, würde aber von OB Fritz Kuhn (Grüne) sofort unterschrieben. Er unterstützt die Fachverwaltung, die nun Bebauungspläne für Einzelbereiche dem Gemeinderat präsentiert. Stichworte sind: SWSG-Wohnungsprojekt am Bellingweg/Reichenbacher Straße, Rotes-Kreuz-Wohnprojekt, Schule, neue Benzstraße, Gewerbenutzung durch Technologiepark Dibag und wohl das Sportbad.

Kuhn ist wichtig, dass auf dem Gelände „Energie, Verkehr, Wohnen und Soziales aus einem Guss sein müssen“. Der Neckarpark sei als kleinere Ausgabe des in ferner Zukunft zur Bebauung anstehenden Quartiers hinter dem Hauptbahnhof bestens zum Üben geeignet. Großen Wert legt er auf die Wohnbebauung – 450 bis 600 Wohnungen sind hinter dem vor Wasenlärm schützenden Gewerbegebäuderiegel vorgesehen. Im Grünen würden intelligent konzipierte Wohnungen liegen, energetisch auf dem höchsten Niveau und ohne von Autoverkehr belästigt.

CDU will Gewerbe und Nah-Logistik-Zentrum

Die CDU sieht das anders. Fraktionsvize Philipp Hill erneuert die Kritik – allerdings nur am Wohnbauvorhaben, alle anderen Projekte trage die Union mit. Die ablehnende Haltung begründet er mit den negativen Auswirkungen auf die Bewohner durch Wasenlärm. Außerdem könne das Gebiet nicht an das benachbarte Seelberg-Quartier angeschlossen werden. Zudem gebe es in Stuttgart kein Wohnungsdefizit – längst seien andere Flächen zur Bebauung hinzugekommen. Stattdessen solle der Neckarpark ein Gewerbegebiet werden – und ein Nah-Logistik-Zentrum für die City. Transportunternehmen könnten die Waren in Richtung Innenstadt gut anliefern, um sie von dort mit Elektrofahrzeugen zum Kunden zu bringen. Das wäre auch im Sinne von OB Kuhn, sagt Philipp Hill – und kündigt für den Fall, dass sich bei der Kommunalwahl Ende Mai die Mehrheit wieder zu Gunsten der bürgerlichen Parteien verschieben würde, an, die Planung für den Wohnungsbauschwerpunkt zu stoppen. Sportbad
„Die Suche nach einem neuen Standort ist noch nicht abgeschlossen“, sagt OB Fritz Kuhn (Grüne). Tatsächlich spekulieren die Fraktionen aber längst, dass nach dem Aus für den ursprünglichen Standort neben der Hanns-Martin-Schleyer-Halle nur noch die für Hotels vorgesehene Fläche auf dem Güterbahnhofgelände infrage komme. Die dazu gehandelte Alternative beim ehemaligen SSB-Depot an der Mercedesstraße wäre zwar günstiger, weise aber eben auch Nachteile wie die zu geringe Stellplatzzahl auf. 140 für die Nutzer und Zuschauer (900 Plätze auf der Tribüne) sind notwendig. Auf der benötigten Fläche befindet sich zudem ein Küchenstudio mit festem Mietvertrag.

Parkplätze im Sportbad für die Sportklinik

Der Standort auf der Brache hat dagegen positive Eigenschaften: Das Sportbad könnte eine zusätzliche Parketage erhalten, die es auf die erforderliche Höhe bringt, um als Riegelbebauung für die geplante Wohnnutzung zu taugen. Diese Stellplätze benötigt die Sportklinik, die daneben neu gebaut werden soll und offenbar aus rechtlichen Gründen keine eigenen Stellplätze finanzieren darf. Und letztlich würde das Car-Hotel-Projekt mit Tankstelle und McDonald’s-Filiale gekippt, das Alt-OB Wolfgang Schuster kurz vor dem Ende seiner Amtszeit an Land gezogen hatte – und von Teilen der Verwaltung als unpassend bezeichnet wird. Der Nachteil: es hat einen um drei Millionen Euro höheren Wert als der bisherige Badstandort. Das schlägt sich auf die mit 26 Millionen Euro veranschlagten Investitionskosten nieder.

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