Neckarsulm Audi-Betriebsrat fordert Bau von Elektroauto

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Das Audi-Werk Neckarsulm ist nur zu 59 Prozent ausgelastet. Jetzt wächst die Sorge unter den 17 000 Beschäftigten am Standort. Sie wollen eine Zusicherung, dass auch in Neckarsulm E-Autos gefertigt werden.

Das Geschäft mit den im Werk  Neckarsulm produzierten Audi-Limousinen läuft derzeit nicht gerade rund. Foto: Audi/Ronald Wittek
Das Geschäft mit den im Werk Neckarsulm produzierten Audi-Limousinen läuft derzeit nicht gerade rund. Foto: Audi/Ronald Wittek

Neckarsulm - Bei den Audi-Mitarbeitern im Werk Neckarsulm wächst die Sorge um die Zukunft des Arbeitsplatzes. „Schichtstreichungen und offene Modellentscheidungen verunsichern die Belegschaft seit Monaten. Wir brauchen endlich Antworten zur Perspektive des Standorts und Stabilität in unserem Unternehmen“, forderte der Betriebsratsvorsitzende Rolf Klotz in einem Pressegespräch vor einer Informationsveranstaltung für die Beschäftigten des Standorts, in der nachdrücklich ein Einstieg in die Elektromobilität gefordert wurde.

Eigentlich sollte das Geschäft in Neckarsulm derzeit brummen. Denn vor wenigen Jahren erst ist eine umfassende Erneuerung der dort produzierten Modelle angeschoben worden. Doch diese Modelloffensive hat nicht so richtig gezündet. Betriebsratschef Klotz begründet dies unter anderem mit Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgasprüfstandard WLTP. Seit dem September des vergangenen Jahres dürfen nur noch Wagen verkauft werden, die eine Zertifizierung nach diesem Regelwerk haben. Audi hinkte jedoch bei den Genehmigungen hinterher. Deshalb kam es zu Lieferengpässen. Betriebsratschef Klotz wies darauf hin, dass etwa das Flaggschiff A8 darunter sehr gelitten habe, weil der von Kunden favorisierte Achtzylindermotor lange nicht lieferbar war. Hinzu kommt, dass in Neckarsulm keine Geländewagen produziert werden, die derzeit von den Kunden besonders gefragt sind.

Zu 59 Prozent ausgelastet

All dies führt dazu, dass die Fabrik nach Angaben des Betriebsrats in diesem Jahr nur zu 59 Prozent ausgelastet ist. Bei voller Auslastung könnten hier bis zu 300 000 Autos im Jahr von den Bändern laufen. Nach Angaben von Betriebsratschef Klotz ist es bereits das dritte Jahr, in dem weniger als 200 000 Autos in Neckarsulm produziert werden. Und die Planung für das nächste Jahr sehe nicht viel besser aus. „Das schlägt den Audianern aufs Gemüt“, sagt Klotz. In der vergangenen Woche teilte der Autobauer mit, dass vom nächsten Frühjahr an die letzte Nachtschicht – bei den Modellen A6/A7 – gestrichen wird. In Neckarsulm arbeiten rund 17 000 Beschäftigte. Der Gesamtbetriebsrat und die Unternehmensleitung verhandeln zudem schon seit Längerem über einen Zukunftsplan. Bis 2025 gilt eine Vereinbarung, wonach Kündigungen ausgeschlossen sind. Der Betriebsrat will diese bis 2030 verlängern. Zusätzliche Sorgen bereitet, dass die Neckarsulmer befürchten, beim Megatrend Elektromobilität wie bei den seit Jahren vergeblich geforderten Geländewagen ebenfalls leer auszugehen. Ende 2017 gab es laut Klotz die Zusage, dass zwei volumenstarke elektrische Modelle in Neckarsulm produziert werden sollen. Später sei diese Zusage auf ein E-Modell reduziert worden, das 2021 produziert worden wäre. Auch dieses Modell sei mittlerweile vom Vorstand Anfang dieses Jahres infrage gestellt worden, weil es nach dessen Meinung zu teuer wäre, die beiden deutschen Standorte Ingolstadt und Neckarsulm gleichzeitig auf die Produktion von Elektroautos vorzubereiten. Um die Auslastungsprobleme zu mildern, favorisiert der Audi-Vorstand dem Vernehmen nach, die Produktion des Audi A4 ab 2023 komplett in Neckarsulm zu konzentrieren. Bisher wird er auch in Ingolstadt gefertigt. Wie die beträchtliche Beschäftigungslücke bis dahin gefüllt wird, ist jedoch offen.

Investitionen für den Standort gefordert

Die Arbeitnehmervertreter wollen nach den bisherigen Erfahrungen der Zusicherung eines späteren Einstiegs in die Elektromobilität nicht so recht trauen. Allerdings deutet Klotz auch Kompromissbereitschaft an. Der Betriebsrat fordert, dass bereits heute die Investitionen für den Umbau der Produktion für E-Autos finanziell abgesichert werden, quasi in Form eines Bausparvertrags. Die Vorbereitung der Produktion würde dann Mitte des nächsten Jahrzehnts erfolgen. Das Thema Elektroauto dürfte auch am Mittwoch auf einer Sitzung des Audi-Aufsichtsrats zur Sprache kommen.

Der Neckarsulmer Audi-Werkleiter Helmut Stettner bekräftigte, dass man am Standort „selbstverständlich“ davon ausgehe, „dass die Elektrifizierung langfristig erfolgen“ werde. „Insofern habe ich keinerlei Verständnis für Schwarzmaler, die unseren Standort kleinreden wollen.“ Stettner betonte, schon heute würden in Neckarsulm auch Hybridautos gebaut, zudem werde ab dem kommenden Jahr der vollelektrische Audi e-Tron GT hier produziert. Bei diesem Modell handelt es sich um einen Luxuswagen, der in kleinen Stückzahlen in einer separaten Manufaktur zusammengebaut wird.