Nederlands Dans Theater Zum Gastspiel in Ludwigsburg

Von Gabriele Metsker 

Neuestes in Sachen Tanz: Das Nederlands Dans Theater (NDT) wird drei Stücke im Forum in Ludwigsburg präsentieren.

Eine Szene aus „Singulière Odyssée“.  Foto: Rahi Rezvani
Eine Szene aus „Singulière Odyssée“. Foto: Rahi Rezvani

Wenn das Nederlands Dans Theater auftritt, ist klar, dass auf der Bühne etwas Neues und Aufregendes zu sehen sein wird. Mehr als 600 Uraufführungen hat die Compagnie seit ihren Anfängen in Auftrag gegeben. Keine Frage also, dass auch beim Gastspiel des legendären Ensembles im Forum Ludwigsburg wieder Innovatives zu sehen sein wird.

Drei Stücke stehen auf dem Programm: „Singulière Odyssée“ des Hauschoreografen-Duos Sol León und Paul Lightfoot zur Auftragskomposition „Exiles“ von Max Richter, das am 2. Februar 2017 uraufgeführt wurde. Außerdem die „Partita for 8 Dancers“ von Crystal Pite. Sie gehört zu den weltweit gefragtesten Choreografinnen der jungen Generation und hat ihr Stück zur gleichnamigen Komposition von Caroline Shaw geschaffen. Uraufführung war am 17. Mai 2018.

Auch Marco Goecke wirkt bei der Choreografie mit

Der Dritte im Bunde ist vor allem in der Region Stuttgart kein Unbekannter: Marco Goecke, viele Jahre Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts. Seine Arbeit wird von den Niederländern sehr geschätzt: „Marcos einzigartiger Stil ist nun ein starkes Charakteristikum des NDT und NDT2 geworden. Ein Gewinn für unser Haus, der uns nach wie vor bezaubert“, heißt es. Von ihm wird „Walk The Demon“ zu sehen sein, zu dem Goecke auch das Bühnenbild und die Kostüme entworfen hat. Es hat am 27. September 2018 seine Uraufführung gehabt.

In „Singulière Odyssée“ steht, wie es der Titel schon vermuten lässt, das Thema des Unterwegsseins im Mittelpunkt, das Leben im ständigen Fluss der Dinge, der in die DNA der heutigen Zeit eingeschrieben zu sein scheint. Sinnfällig ist das Setting, in dem das Ganze spielt: ein Bahnhof, der an die Art-déco-Bahnhofswartehalle in Basel erinnert. Die Tänzer kommen und gehen wie Passagiere auf der Durchreise. Nur ein Darsteller bleibt, wartet und beobachtet die vorbeiziehenden und wiederkehrenden Passanten. Ein Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint.

Dramatisch und kontemplativ

Etwas ganz anderes bringt „Walk the Demon“ von Marco Goecke. Hier geht es darum, die Stimme hinter der Bewegung hörbar zu machen und sie durch andere Stimmen zu verstärken.

Neben Musik aus der Feder des tschechischen Komponisten Pavel Haas und seines finnischen Kollegen Pehr Hendrik Nordgren finden sich auch Klänge von Antony and the Johnsons. „Ich denke, es ist dramatisch und groß, aber gleichzeitig auch kontemplativ und intim“, sagt Goecke über deren Musik. „In ihrer Stimme liegt eine Qual, die ins Innere verweist. Für mich sagt der Tanz absolut nichts aus, wenn er sich nicht ständig auf das Innere bezieht.“ Manchmal lässt Marco Goecke seine Tänzer auch neben der Bewegung ihre eigene Stimme einsetzen, so wirken sie menschlicher und weniger abstrakt.

Das Wahre sichtbar machen

Crystal Pite kehrt mit ihrer „Partita for 8 Dancers“ ans NDT zurück, ihre zweite Heimat. Dort freut man sich: Pites akribisches Vorgehen und ihre teilnahmsvolle Menschlichkeit seien hier für alle immer eine Quelle der Freude und Inspiration, heißt es.

Für Crystal Pite ihrerseits ist die Musik von Caroline Shaw zugleich Wegweiser und Begleiter. Die Komponistin selbst sagt über ihr Werk: „,Partita‘ ist ein einfaches Stück, geboren aus der Liebe zur Oberfläche und Struktur, zur menschlichen Stimme, zum Tanz und zu müden Verbindungen, zu Musik und zu unserem Grundbedürfnis von einem Punkt zum andern eine Linie zu ziehen.“

Pite sieht ihre im Forum vorgestellte Weise, die Musik in Bewegung umzusetzen, als nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten, das dieser Musik innewohnende Wahre sichtbar zu machen.

Nederlands Dans Theater: 7. und 8. Dezember, jeweils 20 Uhr; 9. Dezember, 19 Uhr, Forum Ludwigsburg, Tickets 0 71 41 / 9 10 39 18