Neidlingen/Ludwigsburg Afrikaner und Europäer lernen voneinander

Von  

Bei dem Projekt Taste of Malawi werden afrikanische Frauen zu Schneiderinnen ausgebildet. Studenten aus Europa kommen mit der Praxis in Berührung. Nadja Mühlhäuser aus Neidlingen ist mit dabei.

Nadja Mühlhäuser trägt ein Kleid, das bei Taste of Malawi geschneidert worden ist. Foto: Ines Rudel
Nadja Mühlhäuser trägt ein Kleid, das bei Taste of Malawi geschneidert worden ist. Foto: Ines Rudel

Neidlingen/Ludwigsburg - Gleich zwei Mal hat Nadja Mühlhäuser einen kleinen Kulturschock erlitten. Das erste Mal, als sie nach Malawi kam, und ein zweites Mal, nachdem sie das südostafrikanische Land nach einem guten halben Jahr Aufenthalt verlassen hatte und sich wieder an den deutschen Alltag gewöhnen musste.

Von Februar bis August hat die aus Neidlingen stammende 25-Jährige, die an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg Soziale Arbeit studiert, im vergangenen Jahr vor Ort bei Taste of Malawi mitgewirkt. Das Projekt leistet Entwicklungshilfe der besonderen Art. Malawische Frauen werden in der Hauptstadt Lilongwe zu Schneiderinnen ausgebildet, damit sie beruflich ein Standbein erhalten und so finanziell unabhängig werden. Taste of Malawi ist dabei keine Einbahnstraße, sondern durch ein Geben und Nehmen charakterisiert.

Touristen sehen, wie die Kleidung produziert wird

Für Studenten aus Europa, die ausnahmslos ehrenamtlich mitarbeiten, ist das Projekt eine Basis, um Berufspraxis zu gewinnen. „Wir üben für das echte Leben“, so formuliert es Nadja Mühlhäuser. Das Europa-Team besteht aus 15 bis 20 Studenten mit unterschiedlichem Hintergrund. Von der Sozialen Arbeit über Informationstechnologie bis hin zum internationalen Management reicht der Fächerkanon.

Nadja Mühlhäusers Arbeitsalltag ist vielfältig gewesen. Nähen oder schneidern kann sie nicht. Dafür hat sie sich beispielsweise um die Kinderbetreuung für die circa 15 Frauen gekümmert, die zu Schneiderinnen ausgebildet werden. Weiter hat sie ein Touristenprogramm ausgearbeitet. Dadurch erhalten Interessierte die Möglichkeit, einen Tag mit den Frauen zu verbringen und zu sehen, wo die Produkte von Taste of Malawi herkommen und wie sie produziert werden. Zwar finden weitaus weniger Besucher den Weg nach Malawi als nach Tansania, Südafrika oder Sambia. Doch befindet sich das Land durchaus auf der Route von Touristen, beispielsweise von Rucksackreisenden.

Nadja Mühlhäuser bleibt dem Projekt treu

Wie kam Nadja Mühlhäuser auf die Idee, ihr Praxissemester in einem der ärmsten Länder der Welt zu absolvieren? „Ich wollte immer schon nach Afrika“, sagt sie. Taste of Malawi sagte ihr zu und mit den anderen Studenten im Team sei sie „gleich auf einer Wellenlänge“ gewesen. In Malawi ist es laut und bunt. Auch daran, dass sie als Europäerin Neugier bei den Einheimischen weckte und häufig im Mittelpunkt stand, musste sich die 25-Jährige erst gewöhnen. Doch kam sie mit der herzlichen, offenen Art der Menschen gut zurecht.

Nadja Mühlhäuser schreibt gerade an ihrer Bachelorarbeit. Nebenher arbeitet sie weiter für das Projekt, das von der Freiburger Geografie-Studentin Jana Piske und dem malawischen Computerexperten Alexander Kumcheza vor rund drei Jahren gegründet worden ist. Ein Ziel ist es, die aus traditionellen Chitenje-Bauwollstoffen hergestellten Kleider, Oberteile und Taschen nicht nur in Malawi selber, sondern auch in Europa zu verkaufen, beispielsweise an Ständen auf Festivals. Die aus Neidlingen stammende Studentin betreut Kanäle wie Facebook oder Instagram und kümmert sich um das Fundraising. Später will sie beruflich auf einem Gebiet arbeiten, wo sie sich sozial und politisch für Frauen einsetzen kann. Die Mitarbeit im Nonprofit-Projekt Taste of Malawi hat sie persönlich sehr weitergebracht. „Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln konnte, sind unbezahlbar und ich werde mich immer wieder gern daran zurückerinnern“, sagt Nadja Mühlhäuser.