Neil Diamond wird 80 „Sweet Caroline“ und andere große Melodien

Neil Diamond im Jahr 1989 beim Jazzfest Berlin Foto: imago/Brigani-Art

Der Pop-Komponist und Solokünstler Neil Diamond wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt.

Stuttgart - In George Clooneys jüngster Regie-Arbeit „The Midnight Sky“ (2020) müssen Forscher ihr im All beschädigtes Raumschiff reparieren. Zur Aufmunterung für die draußen in den Raumanzügen legt der Astrophysiker drinnen Musik auf: den Evergreen „Sweet Caroline“, dem man tatsächlich zutraut, bis in ferne Zukunft gute Laune zu verbreiten und alle zum Mitsingen zu animieren.

 

Ein begnadeter Songwriter

Veröffentlicht hat ihn 1969 der Amerikaner Neil Diamond. Manche verwechseln ihn mit einem Crooner oder Schlagersänger, auch weil er glitzernde Bühnenfummel mag, doch er ist vor allem eines: ein begnadeter Songwriter. Er hat über 100 Millionen Alben verkauft, in den USA platzierte er zehn Stücke in den Top Ten, drei davon Nummer-eins-Hits. Der erste war 1970 die Schunkelhymne „Cracklin’ Rose“, 1971 hauchte Diamond mit seiner sonoren Country-Stimme dann „Song sung blue“, und die Welt lag ihm zu Füßen. 1978 folgte „You don’t bring me Flowers“, ein Schmacht-Duett mit Barbra Streisand, mit der er als Jugendlicher in Brooklyn in die selbe Klasse gegangen war.

Diamond ist ein Mann für eingängige Melodien und klanglichen Pomp, gerne umrahmt er Gesangsmelodien mit markanten Bläsermotiven und zuckerwattiger Streicheruntermalung. Dabei findet er stets zu stimmigen Arrangements. Die Gitarre schrammelnd trägt er seine Gassenhauer mit derartiger Coolness vor, dass selbst hartleibige Kulturpuristen zugeben müssen: Kitsch kann auch Kunst sein.

Durchbruch mit „Solitary Man“

Diamonds Eltern stammten aus Osteuropa, er wuchs in kleinen Verhältnissen auf und fand seine Berufung mit 16 bei einem Konzert des Folk-Sängers Pete Seeger („If I had a Hammer“). Zunächst schlug er sich als Songwriter durch, die Hymne „I’m a Believer“ bescherte der kalifornischen Band The Monkees 1966 einen Nummer-eins-Hit, der später zur Erkennungsmelodie der Märchenfilm-Satire „Shrek“ (2001-2010) wurde wegen der ersten Textzeile: „I thought love was only true in fairy tales“ („Ich dachte, wahre Liebe gäbe es nur in Märchen“). 1966 etablierte Diamond sich auch als Solokünstler mit der melancholischen Selbstbespiegelung „Solitary Man“. Die adelte später Johnny Cash, als er sie für seine „American Recordings“ coverte und das dritte Album der Reihe danach benannte.

Diamond avancierte zum beachteten Singer/Songwriter und schrieb viele Stücke mit Nachwirkung: „Girl, you’ll be a Woman soon“ (1967) gelangte in der Version von Urge Overkill auf den Soundtrack von Quentin Tarantino’s Gangster-Groteske „Pulp Fiction“ (1994). Die britische Rockband Deep Purple nahm bereits 1968 „Kentucky Woman (1967) in ihr Programm auf, die Ballade „Red, red Wine“ (1968) wurde 1983 für die Reggae-Pop-Combo UB40 zum Hit.

Tanz im Weißen Haus mit Lady Di

1976 spielte Neil Diamond vier ausverkaufte Abende im Aladdin Hotel in Las Vegas, zu denen Hollywood-Prominenz anreiste. Er wurde und blieb selbst Teil der High Society – 1985 tanzte er bei einem Gala-Dinner im Weißen Haus mit Lady Di. Bis 2018 stand der Sänger, der an diesem Sonntag 80 Jahre alt wird, regelmäßig auf der Bühne, dann zwang ihn eine Parkinson-Erkrankung zum Rückzug. Kult ist er spätestens geworden, als Howard und Amy sich 2014 in der Sitcom „Big Bang Theory“ als Fans geoutet haben – gemeinsam im Auto „Sweet Caroline“ singend.

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