Neonazi-Skandal Polizei wertet Videos aus

Polizei und Staatsantwaltschaft ermitteln bei den Rhein-Neckarverkehrsbetrieben (RNV) in Mannheim. Foto: dpa
Polizei und Staatsantwaltschaft ermitteln bei den Rhein-Neckarverkehrsbetrieben (RNV) in Mannheim. Foto: dpa

Ein ehemaliger Mitarbeiter der RNV hat heimlich in der Straßenbahn und in Aufenthaltsräumen der Mannheimer Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe gefilmt, um damit einen „Neonazi-Skandal“ in dem Unternehmen zu dokumentieren.

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Mannheim - Videos im Internet, die gravierende Neonazi-Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Rhein-Neckarverkehrsbetriebe (RNV) in Mannheim belegen sollen, sind gelöscht. Was tatsächlich dort zu sehen und zu hören war, müssen nun die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Mannheim klären, denen das Unternehmen die Aufnahmen übergeben hat. Noch könne man nicht sagen, wer oder was in Einzelnen auf den – angeblich oft unscharfen und verwackelten - Bildern zu sehen sei, erklärte der Sprecher der Mannheimer Polizei. „Wir müssen den Mann, der sie gemacht hat, noch einmal vernehmen. Es sind noch verschiedene Fragen offen“, sagte er. Wie lang die Ermittlungen dauern könnten sei offen. Die RNV selbst haben eine eigene Mail-Adresse eingerichtet, in der Hoffnung auf vertrauliche Hinweise. Bisher habe man noch keine Eingaben oder Beschwerden bekommen, sagte die Unternehmenssprecherin Susann Becker.

Hitlergruß gezeigt und „Scheißnigger“ gerufen

Ein ehemaliger Mitarbeiter der RNV, der im vergangenen Jahr wegen mehrfachen Fehlverhaltens entlassen worden war, hatte zuvor heimlich in der Straßenbahn und in Aufenthaltsräumen der Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe gefilmt, um damit einen „Neonazi-Skandal“ in dem Unternehmen zu dokumentieren. Nach Berichten der „Bild“-Zeitung zeigen die Aufnahmen unter anderem einen Mitarbeiter, der sich von seinen Kollegen mit dem Hitler-Gruß verabschiedet und einen zweiten, der auf „Scheißnigger“ in der Bahn schimpft; außerdem soll es Hinweise über einen Fall von sexuellem Missbrauch in einer Bahn geben. Doch gehe es nicht nur „um Nazi-Parolen, und sexuelle Übergriffe“, zitierte das Blatt den Mann. „Auch die Sicherheit der Fahrgäste ist in Gefahr.“

Man arbeite „mit aller gebotenen Schnelligkeit“ daran, die Vorwürfe zu klären, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Noch sei allerdings sehr schwer einschätzbar, was im Einzelnen an den Vorwürfen dran sei ist. Das Videomaterial, das den Anschuldigungen zugrunde liege sei „extrem schlecht“.

Verkehrsbetriebe haben ihrerseits Anzeige erstattet

Der einstige Fahrer, der vor gut einem Jahr wegen Verfehlungen im Dienst seine Arbeit verloren hat, hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits im April eine Anzeige gegen das Unternehmen wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr erstattet und den Vorwurf erhoben, es seien willkürlich im Bereich der Gleise Signale falsch gestellt worden. Dazu sei er auch vernommen worden, erklärte eine Sprecherin der Behörde. Von einem Hitlergruß oder ähnlichen Vorwürfen, wie er sie jetzt öffentlich erhoben habe, sei damals aber nicht die Rede gewesen, sagte die Staatsanwältin. Inzwischen hätten die RNV ihrerseits eine Anzeige gegen den früheren Mitarbeiter wegen dessen heimlichen Videoaufnahmen erstattet. Ob diese echt seien und wo genau dieses gemacht worden seien, könne man noch nicht sagen.

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