Neonazi-Terror Alle Erkenntnisse in 1000 Ordnern

Von Stefan Geiger 

Der Generalbundesanwalt klagt die Rechtsextremistin Beate Zschäpe der Mittäterschaft an allen NSU-Morden und eines dreifachen Mordversuchs in Zwickau an.

Generalbundesanwalt Harald Range erläutert die Anklage gegen Beate Zschäpe. Foto: dapd
Generalbundesanwalt Harald Range erläutert die Anklage gegen Beate Zschäpe. Foto: dapd

Karlsruhe - Die Bundesanwälte und 400 Polizeibeamte haben ein Jahr lang 1200 Personen vernommen sowie 6800 Beweisgegenstände und elektronische Datenträger ausgewertet. Die Beweise fanden sich im Schutt der zerstörten Terroristen-Wohnung in Zwickau sowie in den Überresten des ausgebrannten Wohnmobils, in dem sich die beiden Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos am 4. November 2011 selbst getötet haben. Berge von Akten aus anderen Behörden wurden gesichtet und ausgewertet, die sich nach zehn Morden angesammelt und über mehr als ein Jahrzehnt hinweg doch nie zu den Tätern geführt hatten. Allein die Akten der Bundesanwaltschaft umfassen inzwischen tausend Stehordner.

Das Ergebnis all dieser Bemühungen ist eine mehr als 100 Seiten umfassende Anklageschrift gegen Beate Zschäpe, die bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens formal noch immer als „mutmaßliche“ Terroristin zu bezeichnen ist. Neben Zschäpe sind noch vier mutmaßliche Helfer angeklagt. Doch so sehr sich die Ermittler auch bemüht haben, im Kern haben sie binnen eines Jahres nicht viel mehr herausbekommen, als bereits in den ersten Tagen nach Zschäpes Verhaftung bekannt geworden war.

Keine Hinweise auf andere rechte Gruppierungen

Was die terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ verbrochen hat, ist seit damals offenkundig. Dass die zehn Morde und die vielen anderen Verbrechen über Jahre hinweg nicht aufgeklärt wurden, dass die Falschen verdächtigt wurden, hat die Republik erschüttert. Inzwischen sind viele Polizeipannen bekannt geworden. Und nicht nur die Karlsruher Ankläger, sondern auch etliche Untersuchungsausschüsse versuchten, der Wahrheit näher zu kommen.

Die Öffentlichkeit weiß schon lange , dass Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sich 1998 aus rechtsextremer Gesinnung zur Terrorgruppe NSU zusammengeschlossen haben. Immer wieder wurde in den vergangenen Monaten danach gefragt, ob sich diese politisch motivierte, so furchtbar folgenreiche Gruppe von Gewalttätern auf drei Personen beschränkt haben kann. Die Bundesanwaltschaft hat auch heute keine Hinweise darauf, dass es anders gewesen sein könnte; sie hat noch nicht einmal Hinweise auf organisatorische Verflechtungen mit anderen rechten Gruppierungen.