InterviewNetflix-Serie „Dark“: Louis Hofmann Ein Zeitreisender namens Jonas

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Die finale Staffel der Mysteryserie „Dark“, die jetzt bei Netflix startet, spielt in einer spiegelverkehrten Welt. Louis Hofmann und Lisa Vicari tauschen die Rollen. Damit alles nicht noch komplizierter wird, haben wir ihnen die gleichen Fragen gestellt. Lesen Sie hier die Version mit Louis Hofmann, der Jonas spielt.

Zeitreisender im gelben  Anorak: Louis Hofmann als Jonas. Falls Sie die Mysteryserie auch so verwirrt wie uns: In unserer Bildergalerie verraten wir, wie alles in „Dark“ zusammenhängt. Foto: Netflix 19 Bilder
Zeitreisender im gelben Anorak: Louis Hofmann als Jonas. Falls Sie die Mysteryserie auch so verwirrt wie uns: In unserer Bildergalerie verraten wir, wie alles in „Dark“ zusammenhängt. Foto: Netflix

Stuttgart/Berlin - Am 27. Juni geht die Welt unter. Zumindest in der Kleinstadt Winden und in der Mysteryserie „Dark“, deren dritte und letztes Staffel von diesem Samstag an bei Netflix verfügbar ist. Wir haben mit den beiden Hauptdarstellern Lisa Vicari und Louis Hofmann vorab Interviews geführt.

Zum Interview mit Lisa Vicari geht es hier.

Herr Hofmann, reden wir über den gelben Anorak: In der ersten Staffel von „Dark“ tragen Sie ihn. In der dritten hat ihn Lisa Vicari an. Wem steht er besser?

Lisa. Der Anorak steht aber tatsächlich eigentlich jedem gut und sieht immer toll im Bild aus.

In der Serie „Dark“ reisen Sie durch die Zeit. Haben Sie während des Drehs immer gewusst, in welcher Zeit Sie sind, waren Sie manchmal auch so verwirrt wie die Zuschauer?

Ich habe mich eigentlich immer auf die Geschichte von Jonas, den ich spiele, konzentriert und alle Handlungsstränge, die meine Figur nicht tangieren, außen vorgelassen, weil ich sonst durcheinandergekommen wäre. Das Tolle daran war, dass ich die Serie später unvoreingenommen schauen konnte und teilweise die gleichen Fragen wie andere Zuschauer hatte.

In welche Zeit würden Sie privat am liebsten reisen?

Ich würde auf jeden Fall in die Vergangenheit und nicht in die Zukunft reisen, weil ich mein Leben ganz anders leben würde, wenn ich wüsste, was kommt. Und das will ich nicht. Ich würde zum Beispiel ­gerne in die 50er Jahre reisen, wegen des Einrichtungsstils und der Klamotten ­damals. Oder in die 60er, um dieses Gefühl der Entfesselung und der Freiheit mit­zuerleben.

Kompliziert in der Serie „Dark“ ist auch die Beziehung von Martha und Jonas. Was verbindet die beiden?

Am Anfang haben wir uns als Hintergrundgeschichte vorgestellt, dass die beiden sich auf einer intellektuellen Ebene sehr ähnlich sind, über Sachen reden können, über die sie mit anderen nicht unbedingt reden können, auch weil beide ziemlich sensibel sind. Aber letztlich geht es um dieses Gefühl, dass sie einfach irgendwie zusammengehören, ob sie es wollen oder nicht, dass sie ein unsichtbares Band verbindet, dass man nicht genau beschreiben kann.

Die Geschichte der beiden erinnert an die Sage von Ariadne und Theseus. Diese wird in „Dark“ in einer Schulaufführung nachgespielt. Hat Ihre Karriere auch in einer Theater-AG angefangen?

Ich habe zwar mal an der Schule Theater gespielt, aber da hatte ich vorher schon gedreht. Mit 14 habe ich auch am Kölner Schauspielhaus bei „Billard um halb zehn“ nach Heinrich Böll mitgespielt und hatte einen Auftritt in der Oper „La forza del destino“.

Und mit wem hat Louis Hofmann mehr Ähnlichkeit – mit Jonas aus „Dark“ oder mit Tom Sawyer, den Sie in zwei Kinofilmen gespielt haben?

Ich glaube, mit Tom Sawyer. Ich habe zwar sehr viel, was Jonas in sich trägt, auch in mir, sonst hätte ich mich nicht über einen so langen Zeitraum hinweg so gut mit der Figur anfreunden können. Aber uns unterscheidet auch viel. Ich bin oft so euphorisch wie Tom Sawyer, vielleicht manchmal auch so verschmitzt wie er.

Nach drei Staffeln geht „Dark“ zu Ende. Macht Sie das traurig und können sie sich jetzt vor Angeboten gar nicht mehr retten?

Ich habe auf jeden Fall von der sehr großen internationalen Aufmerksamkeit stark ­profitiert. Auf einmal haben einen Leute auf dem Radar, die einen sonst nie wahrgenommen haben.

Wie geht es mit Ihnen nach dem Ende von „Dark“ weiter?

Ich sollte jetzt eigentlich einen Film drehen, der „Der Passfälscher“ heißt. Wegen Corona ist das aber auf Anfang nächsten Jahres verschoben worden. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte: Cioma Schönhaus war ein jüdischer Fälscher, der im Dritten Reich mit gefälschten Pässen anderen Juden zur Flucht verholfen hat.

Welche Serie sollte man schauen, wenn man mit „Dark“ durch ist.

Meine absolute Lieblingsserie ist „BoJack Horseman“. Dass das eine Zeichentrickserie ist, schreckt viele ab. Aber die ist so unfassbar klug, witzig und tiefgründig, ja sogar philosophisch.

Louis Hofmann und die Serie „Dark“

Schauspieler Louis Hofmann wurde 1997 in Bensberg geboren. Bereits als Kind testete er für die WDR-Sendung „Servicezeit“ Freizeitangebote. 2011 gab er sein Kinodebüt in der Titelrolle in Hermine Huntgeburths Spielfilm „Tom Sawyer“. Zuletzt war er im Kino 2019 in Christian Schwochows Siegfried-Lenz-Verfilmung „Deutschstunde“ zu sehen.

Serie „Dark“ ist ein Mystery-Zeitreise-Thriller von Baran bo Odar und Jantje Friese, der in der fiktiven deutschen Kleinstadt Winden spielt. 2017 war „Dark“ die erste deutsche Netflix-Originalproduktion. Sie gilt als die erfolgreichste internationale Serie des US-Streamingdiensts. Die dritte und letzte „Dark“-Staffel ist von diesem Samstag an bei Netflix verfügbar.